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Zoo Rostock und Universität präsentieren gläserne Geschöpfe des Meeres

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Die Nacht der Quallen

Begleitprogramm mit Schau-Glasbläserei, Sonderführungen und Vorträgen

Im Zoo Rostock ist heute von Zoodirektor Udo Nagel und dem Rektor der Universität Rostock, Prof. Wolfgang Schareck, die Sonder-Fotoschau „BLASCHKA – Gläserne Geschöpfe des Meeres – Glas-Modelle aus der Dresdner Werkstatt Blaschka“ eröffnet worden. Ergänzt mit 150 Jahre alten Glas-Exponaten aus der Zoologischen Sammlung der Rostocker Universität weist die neue Ausstellung auf eine ganz besondere Passion des Zoos hin: eine überaus erfolgreiche Quallenhaltung und -zucht. Die Ausstellung ist bis Ende August in Rostock zu sehen; sie wird erstmals in einem Zoo gezeigt.


Die Sonder-Fotoschau ist den Glasbläsern und „naturwissenschaftlichen Künstlern“ Leopold Blaschka (1822-1895) und seinem Sohn Rudolf Blaschka (1857-1939) gewidmet, die bis 1890 hunderte Glasmodelle von faszinierend geformten Meereslebewesen schufen. Als Anschauungsmaterial fanden die Exponate Eingang in Lehrsammlungen auf der ganzen Welt, so auch in die Rostocker Zoologische Sammlung. Die weltweit bekannten Naturfotografen Heidi und Hans-Jürgen Koch setzten die gläsernen Quallen, Anemonen, Schnecken und Strahlentierchen in Szene; entstanden sind wunderschöne großformatige Fotografien.

 

Echte Blaschka-Glasmodelle aus der Zoologischen Sammlung
„Wir feiern 2019 zusammen zwei herausragende Jubiläen“, sagte Zoodirektor Udo Nagel. „Die Universität wird 600 Jahre alt und der Rostocker Zoo 120 Jahre. Wir kooperieren auf vielen Feldern mit der Universität und deshalb wollen wir in gemeinsamen Veranstaltungen auf diese fruchtbare Verbindung aufmerksam machen. Die Ausstellung ist dazu ein schöner Auftakt.“ Der Rektor der Rostocker Universität, Prof. Wolfgang Schareck, freue sich auf die Ausstellung und die weitere Zusammenarbeit. „Im Bestand der Zoologischen Sammlung unserer Universität gibt es einige echte Blaschka-Glasmodelle, so beispielsweise von einer Qualle, einem Kalmar, einer Krake sowie von Schnecken. Diese Exponate können wir nun im Rahmen der Ausstellung im DARWINEUM einem größeren Publikum präsentieren“, sagte Schareck (s. Überblick).

Neben dem Institut für Biowissenschaften mit seiner Zoologischen Sammlung ist ein weiteres Institut der Universität an der Ausstellung beteiligt: Vom Institut für Chemie werden Glasapparatebauer einen Einblick in das Handwerk der Glasbläserei geben. Im Rahmen der Ausstellung gibt es immer donnerstags um 15 Uhr ein Begleitprogramm, bei dem sich interessierte Besucher durch die Fotoschau führen lassen können und ein Glasbläser vor Ort sein Handwerk vorstellt. Darüber hinaus findet jeden ersten Donnerstag im Monat, also am 6. Juli und 3. August um 19 Uhr eine „Nacht der Quallen“ statt. Dort können die Besucher einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen der Quallenzucht im DARWINEUM werfen und erfahren viel Wissenswertes über das spektakuläre Unterwasserleben der „Geschöpfe des Meeres“ (Anmeldung: 0381/20 82 179, Eintritt 8 €, erm. 4 €/Treffpunkt Haupteingang Barnstorfer Ring).

 

Blaschka-Glasmodelle galten in ihrer zerbrechlichen Schönheit schon damals als Wunderwerke, heute sind sie gut gehütete Schätze zoologischer und botanischer Sammlungen vieler Länder (s. Hintergrund). In Berlin, Wien und Utrecht haben die beiden renommierten Tierfotografen Heidi und Hans-Jürgen Koch Glasmodelle der Blaschkas ins Licht gerückt. Ihre bildliche Interpretation erlaubt einen ganz besonderen Blick auf die fragilen Meeresgeschöpfe. Die Sammlung der insgesamt vierzig faszinierenden großformatigen Fotografien waren bereits in Museen und Ausstellungshäusern in Bremen, Berlin, Bad Driburg, Reutlingen und Luxemburg zu sehen. Erstmals können nun auch Besucher des Zoos Rostock diese Welt der zauberhaften Geschöpfe entdecken.

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#HINTERGRUND
Wunderwesen aus der Tiefe
Die Glasgeschöpfe von Leopold Blaschka (1822-1895) und Rudolf Blaschka (1857-1939)

 

Dem 1822 in Nordböhmen geborenen Leopold Blaschka waren handwerkliche Fähigkeiten in die Wiege gelegt worden. Sein Großvater hatte einen Glasofen und eine Sägemühle besessen, sein Vater war Glasbläser, Edelsteinschleifer und Mechaniker. Er brachte seinem Sohn nicht nur all diese Kunstfertigkeiten bei, sondern förderte auch sein künstlerisches Talent und sein Interesse für Naturwissenschaften. Leopold selbst nahm seinen eigenen Sohn Rudolf im Alter von 13 Jahren in die Lehre und gab sein Wissen an ihn weiter.

 

1863 begann Leopold Blaschka in seiner Dresdner Werkstatt mit der Modellierung von Meerestieren. Die gängigen Materialien für dreidimensionale Modelle zur Veranschaulichung biologischer Forschungsergebnisse waren bis dahin Wachs, Pappmaché, Holz und Gips – sie waren aber ungeeignet für fragile Lebensformen wie Quallen, Seeanemonen oder Polypen. Leopold Blaschka entschied sich mit „seinem“ Werkstoff Glas für ein kompliziertes Material –  empfindlich, spröde und äußerst aufwendig zu verarbeiten, aber in seiner Wirkung beispiellos.

 

Die Blaschkas zogen alle Register, um die gewünschten Formen zu erzeugen. Dabei beschränkten sie sich nicht auf die traditionelle Glasmacherkunst, sondern nutzten auch andere Techniken. Sie schliffen und färbten, lackierten und emaillierten, bohrten und perforierten, sie klebten Teile an und montierten die Modelle auf verschiedene Weise mit Draht oder Schnüren, sie versahen Hohlräume mit farbigem Papier, um innere Strukturen darzustellen. Mehr als 600 Modelle wirbelloser Meerestiere standen im Katalog der Blaschkas, von denen sie bis etwa 1880 mehrere tausend Exemplare für Auftraggeber in Dutzenden Ländern anfertigten. Später kamen Botanik-Modelle hinzu, vor allem für die amerikanische Harvard-Universität.

 

Die Glasmodelle verblüffen Naturwissenschaftler bis heute: sie halten wissenschaftlichen Betrachtungen bis ins Detail stand und sind darüber hinaus transparente Kunstwerke von einzigartiger zerbrechlicher Schönheit – die perfekte Verschmelzung von Kunst und Naturwissenschaft. Damit befinden sich die Blaschkas in guter Gesellschaft mit Naturforschern wie Ernst Haeckel (1834-1919), der mit seinen „Kunstformen der Natur“ die Schönheit in der Biologie und ihre Nähe zur Kunst zu Papier brachte, oder Maria Sibylla Merian (1647-1717) mit ihren wissenschaftlich perfekten Insekten- und Blumenbildern. Solcher Vorlagen bedienten sich die Glasbläser Blaschka bei ihrer Arbeit.

In Deutschland gibt es nur noch wenige Dutzend Glasmodelle aus der Werkstatt der Blaschkas. Sie sind gut gehütete Schätze botanischer und zoologischer Sammlungen. An der Universität Rostock werden acht Modelle aufbewahrt, die auch in der Fotoausstellung zu sehen sind: eine Staatsqualle, ein Krake, ein Kalmar und fünf Schnecken. Ein weiteres Modell eines Kraken ist beschädigt – der Kopf ist ab. Das Exponat wird ebenfalls gezeigt, da sich gut der Aufbau des Glasmodells erkennen lässt.

 

Die Fotografen

Die renommierten Fotografen Heidi und Hans-Jürgen Koch haben die Kunst der Blaschkas in wundervoll berührende Bilder umgesetzt. Ihre Fotos bewahren die geheimnisvolle Aura sowohl der Glasmodelle als auch der Meeresorganismen selbst. Dafür fotografierten sie in Berlin in der Humboldt-Universität, in Utrecht im Universitätsmuseum und in der Universität Wien. Heidi und Hans-Jürgen Koch erhielten zahlreiche Preise, unter anderem beim World Press Photo Award, BBC Wildlife Photographer of the year und beim Deutschen Preis für Wissenschaftsfotografie. Im kommenden Jahr (voraussichtlich August/September 2018) wird in Rostock eine weitere Ausstellung der beiden Fotografen im Zoo zu sehen sein: „Bienen – Die Bestäuber der Welt“.

 

Quelle: Blaschka – Gläserne Geschöpfe des Meeres. Dölling und Galitz Verlag (2007), Buch nur noch erhältlich als eBook, Download bei allen wichtigen eBook-Portalen

 

Blaschka-Glasmodelle aus der Zoologischen Sammlung  der Universität Rostock

 

Physophora myzonema (Staatsqualle)

Gekauft zwischen 1863-78, offensichtlich von Prof. Dr. Franz Eilhard Schulze (1865-1873), der das 1870 gegründete Zoologische Institut ausstattete und an niederen Meerestieren interessiert war. Teile des Katalogs sind noch vorhanden. (Information: Ragnar Kinzelbach)

Exemplare dieses Modells befinden sich auch in: Leipzig (Zoologische Sammlung der Universität) und in Edinburgh (National Museum Scotland)

Onychoteuthis lichtensteinii (Hakenkalmar)

Auch in: Görlitz (Senckenberg Museum für Naturkunde), Wien (Zoologische Sammlung der Universität) und Ithaca/USA (The Blaschka Invertebrate Collection at Cornell University)

Octopus vulgaris (Gemeiner Krake)

Hergestellt vor 1880 – Nur in Rostock

Helix pomatia (Weinbergschnecke)

Hergestellt 1878

Auch in: Edinburgh (National Museum Scotland) und Ithaca/USA (The Blaschka Invertebrate Collection at Cornell University)

Cepaea hortensis (Gartenschnirkelschnecke)

Hergestellt 1878 – Nur in Rostock

Cepaea nemoralis (Hainschnirkelschnecke)

Hergestellt 1878 – Nur in Rostock

Arianta arbustorum (Baumschnecke)

Hergestellt 1878

Auch in: Edinburgh (National Museum Scotland)

Succinea putris (Bernsteinschnecke)

hergestellt 1878 – Nur in Rostock

 

Quelle: Informationssystem zu Sammlungen und Museen an deutschen Universitäten

 

Foto: Zoologischer Garten Rostock gGmbH, Heidi und Hans-Jürgen Koch“