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“Talk about Bias”

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P&G-Werbespot polarisiert

Cincinnati- Der US-Konzern Procter & Gamble sieht sich für den aktuellen Werbespot “Talk about Bias” (“Reden wir über Vorurteile”) mit viel Lob und Kritik konfrontiert. Für die einen erfüllt die Werbung die Absicht, “eine bessere Welt für uns alle zu schaffen”, vorbildlich. Andere dagegen sehen in dem Spot einfach nur umgekehrten Rassismus.

Afroamerikanischer Alltag

Der Spot zeigt verschiedene Eltern-Kind-Szenarien afroamerikanischer Familien. Das umfasst zum Beispiel eine Mutter, die ihren Sohn darauf hinweist, seinen Ausweis mitzunehmen, bevor er nachts aus dem Haus geht. Eine andere Mutter erklärt ihrer Tochter, wie sie sich verhalten soll, falls sie mit dem Auto von der Polizei aufgehalten wird. Die Werbung endet mit einer Mutter, die ihrer kleinen Tochter versichert, dass sie nicht “schön für ein schwarzes Mädchen”, sondern einfach schön ist.

Während für manche klar scheint, dass die Werbung damit bis heute verbreitete US-amerikanische Alltagsrassismen aufgreift, wettern viele Weiße auf Twitter gegen den nach ihrer Ansicht eklatanten, umgekehrten Rassismus. “Ekelhaft! Ich bin fertig mit P&G! Ihr zeigt eine lang vergangene Ära und Ihr wisst das. Ich hoffe, amerikanische Schwarze bemerken, dass Ihr sie nur benutzen wollt”, meint ein Kritiker. “Die Nachricht, die Ihr rüberbringt: Alle Weißen sind Rassisten, alle Polizisten sind böse”, so ein anderer. Ein weiterer kritisiert pauschal, dass über Schwarze betreffende Themen zu sprechen, grundsätzlich rassistisch sei und es spalte, über Rassismus zu sprechen.

Mehr Gespräche über “schwarze Schönheit”

Die Kampagne fordert die Zuseher jedenfalls dazu auf, über das Thema Rassismus und Vorurteile zu reden – in der Hoffnung, dass derartige Gespräche bald keine Notwendigkeit mehr haben. Der Spot gehört zur P&G-Reihe “My Black is Beautiful” http://myblackisbeautiful.com , welche bereits 2007 von einer Gruppe afro-amerikanischen Mitarbeiterinnen der Firma ins Leben gerufen wurde, um einen breiteren Gesprächsrahmen über schwarze Schönheit zu etablieren.

 

Sich mit Werbe- und Marketingkampagnen gesellschaftlicher Themen anzunehmen, ist immer ein Risiko. Vor kurzem wollte beispielsweise Dove http://dove.com mit Flaschen unterschiedlicher Form dazu anregen, Frauen diverser Körpertypen mit Respekt zu begegnen. Damit ist das Unternehmen nicht zuletzt auch bei Feministinnen angeeckt. Keine Frau brauche eine kleine, runde Shampoo-Flasche, um ihre Körperform zu erkennen und zu respektieren, so ein Kritikpunkt.

Quelle: pte+ Foto: Mutter und Tochter: P&G-Werbung unter Beschuss (Foto: Procter & Gamble)