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Gesichtserkennung an Bahnhöfen

Veröffentlicht von Presse

Wegen Gesichtserkennung werden aus normalen Bürgern Terroristen

Berlin – Gesichtserkennung an Bahnhöfen, Plätzen oder Flughäfen klingt nach einem Traum für die innere Sicherheit, um Terroristen frühzeitig zu erkennen. Doch die Technik, die beispielsweise in Berlin am Bahnhof Südkreuz getestet wird, steckt noch in den Kinderschuhen. Sie produziert mehr Terroristen, als es wirklich gibt.

Biometrische Verfahren wie die Gesichtserkennung arbeiten mit Ähnlichkeiten. Sie vergleichen die Merkmale der erfassten Menschen auf dem Bahnhof mit denen, die in der Datenbank hinterlegt sind, erklärt die Informatikerin an der Humboldt-Uni Andrea Knaut in der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ).

Die Software arbeitet dabei mit einem Schwellenwert. Wessen Ähnlichkeitswert über diesem liegt, der wird als Terrorist eingestuft. Statistisch gesehen ist die Fehlerquote sehr gering. Doch für den Alltag würde sie verheerende Auswirkungen haben.

Denn auch bei sehr wenigen Verwechslungen würden gerade an Orten mit sehr vielen Menschen plötzlich hunderte Unschuldige zu Terroristen. Die Alarmierungen an öffentlichen Orten würden gar kein Ende mehr nehmen.

Als Beispiel rechnet Andra Knaut vor, wenn etwa am Berliner Hauptbahnhof täglich 300.000 Menschen von Gesichtserkennungskameras erfasst würden und die Fehlerquote bei nur 0,1 Prozent läge, würden trotzdem am Ende des Tages 300 mutmaßliche Terroristen identifiziert sein, weil die biometrischen Merkmale dieser Menschen eben zum Großteil mit denen der in der Datenbank hinterlegten Terrorverdächtigen übereinstimmen.

Bei millionenfacher Überwachung in Großstädten würden täglich tausende Terroristen erkannt, von denen die meisten keine sind.

Alle würden dann von der Polizei mit Maßnahmen belastet, um zu klären, ob es sich bei ihnen um schuldige oder unschuldige Mitbürger handelt. Denn noch ist der Stand der Technik so, dass die letzte Entscheidung nur der Mensch treffen kann.

Im Testbahnhof Südkreuz gibt es 77 Kameras, 3 davon liefern derzeit die Bilder für die Computerprogramme zur Gesichtserkennung. Gefilmt werden ein Ein- und Ausgang sowie eine Treppe. Drei verschiedene Software-Systeme werten jeweils die Bilder der drei Kameras aus und vergleichen sie mit den gespeicherten Gesichtern der 300 freiwilligen Testpersonen.

 

Quelle dpa, Foto dpa