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Gefahr im Ozean

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Plastikmüll bedroht Meeresschildkröten

Mit Algen verschmierte Plastikdeckel locken Meeresschildkröten an und werden für sie zur tödlichen Gefahr. Der Müll landet im Verdauungstrakt der Tiere, behindert die Fortpflanzung und bedroht die gesamte Spezies.

Alle sieben Arten von Meeresschildkröten in den Weltmeeren sind in Gefahr. Grund ist der Plastikmüll, der ihnen in verschiedener Weise zu schaffen macht. Die Tiere fressen ihn nicht nur oder verfangen sich darin, auch die Eiablage oder das Krabbeln des geschlüpften Nachwuchses ins Meer können erheblich behindert werden.

„Schockierend wenig“ sei bisher im Detail über die vielfältigen Einflüsse von Plastikmüll auf Meeresschildkröten bekannt, erklärt die Hauptautorin, Sarah Nelms von der University of Exeter in Penryn.

Die Forscher hatten in ihre Übersichtsanalyse mehr als 60 Studien einbezogen. Weil Meeresschildkröten verschiedene Lebensräume besiedeln, zu den wandernden Arten zählen und ein komplexes Fortpflanzungsverhalten haben, reagierten sie besonders empfindlich auf menschliche Einflüsse, schreiben sie.

Eine der Studien zeigte demnach zum Beispiel, dass Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta) die Deckel von Plastikflaschen verschlucken – offenbar, weil sie sie mit Beutetieren verwechseln.

Plastik schadet vor allem Jungtieren

In anderen Fällen sei es möglicherweise die Farbe oder ein Film aus Bakterien und Algen, der Plastikteile für Schildkröten lecker wirken lasse, heißt es weiter. Gefährlich sei das Fressen von Plastik vor allem für Jungtiere.

Und das Ausmaß des Problems sei immens: Eine 2014 vorgestellte Studie zeigte demnach, dass 90 Prozent der untersuchten jungen Grünen Meeresschildkröten (Chelonia mydas) vom Menschen stammenden Müll im Verdauungstrakt hatten. Für erwachsene Tiere hätten die meisten Studien weit geringere Aufnahmeraten ergeben, möglicherweise vor allem, weil sie sich in anderen Bereichen aufhalten und anders ernähren.

„Wenn die Schildkröten Plastik fressen, kann das ihr Verdauungssystem blockieren, was zu Mangelernährung und in der Folge zu schlechter Gesundheit, verringertem Wachstum, weniger Nachwuchs und sogar zum Tod führen kann“, erklärt Teamleiter Brendan Godley von der University of Exeter.

Verfangen sich die Tiere in weggeworfenen Fischernetzen oder Verpackungen, drohen Verletzungen oder die Abschnürung eines Beines. In anderen Fällen ertrinken oder verhungern die Schildkröten wegen des Ballasts an ihrem Körper langsam und qualvoll.

Jedes Plastikteil hat beängstigende Langzeitfolgen

Weiteres Ungemach droht bei der Eiablage: Die Weibchen können sich in herumliegendem Müll verfangen, ebenso der schlüpfende Nachwuchs auf seinem Weg ins Meer. Zudem können auf dem Sand liegende Plastikreste die Temperatur in den Nestern darunter beeinflussen – und damit den Bruterfolg sowie die Geschlechterverteilung.

Wie bei Eidechsen und Krokodilen wird bei Schildkröten nicht von Chromosomen bestimmt, ob ein Männchen oder Weibchen aus einem Ei schlüpft, sondern von der Temperatur, die während eines bestimmten Zeitraumes im Nest herrscht.

Zwischen 1950 und 2015 sei die globale Plastikproduktion von 1,5 Millionen auf 299 Millionen Tonnen angewachsen, heißt es in der Studie. Überall auf der Welt verschmutze solcher Müll inzwischen die Meere. Der überwiegende Teil werde vom Land aus eingetragen – etwa von Deponien.

Godley betont: „Es ist ernüchternd, daran zu denken, dass fast jedes Plastikteil, das jemals ins Meere gelangte, noch immer da ist, zerkleinert wird und zu einer unermesslichen Suppe aus Mikroplastik beiträgt, die beängstigende Langzeitfolgen haben könnte.“

Quelle: AFP, Foto: _BirgitBraun_klein

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