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Die letzten Männer von Aleppo

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SWR Koproduktion im Rennen um den Oscar
Preisgekrönter Dokumentarfilm

Stuttgart/Baden-Baden – Die SWR Kinokoproduktion „Die letzten Männer von Aleppo“ („Last Men In Aleppo“) des syrischen Regisseurs Feras Fayyad und seines dänischen Koregisseurs und Cutters Steen Johannessen ist für den Oscar in der Kategorie Dokumentarfilm nominiert. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat aus ursprünglich 170 Filmen fünf für diese Kategorie ausgewählt. Die Verleihung findet am 4. März 2018 statt. Der Film begleitet die sogenannten „Weißhelme“. Die freiwilligen Helfer gehören zu denjenigen, die nach Bombenangriffen oder Anschlägen als Erste zur Unglücksstelle eilen, um Menschenleben zu retten – aber viel zu oft nur noch Tote bergen können. Der Film ist eine SWR Koproduktion in Zusammenarbeit mit ARTE und wurde im August 2017 im Ersten sowie im November 2017 im SWR Fernsehen ausgestrahlt.

Weißhelme bergen Überlebende

Der Dokumentarfilm handelt von der Freiwilligen-Organisation „Weißhelme“ in Aleppo, einer zivilen Hilfs- und Einsatztruppe, die 2013 gegründet wurde. Sie sind bis zum Ende der Kampfhandlungen in Aleppo Anfang 2017 die ersten, die in der belagerten Stadt zur Hilfe eilen, wenn die Bomben Assads und seiner Verbündeten fallen. „Dies ist meine Stadt, sie ist alles, was ich habe. Ich kann sie nicht verlassen…“: Khaled ist bei den Weißhelmen, seit sie gegründet wurden. Wenn im Durchschnitt 50 Bomben pro Tag in den Stadtvierteln Aleppos einschlagen, ist die Suche der Weißhelme nach Überlebenden oft genug ein Kampf gegen Windmühlen: Khaled und Mahmoud, die Protagonisten des Kino-Dokumentarfilms, gehören zu den „White Helmets“, die bislang über 70.000 Menschen aus den Trümmern retten konnten. Mit jedem Opfer, das die Weißhelme lebend bergen, kommen Erinnerungen an viele Tote mehr auf, die sie aus den Trümmern der Stadt ziehen. SWR Intendant Peter Boudgoust: „Der Film geht an den Schauplatz des Geschehens. Er zeigt, was wir gerne verdrängen. Er erklärt, was wir verstehen müssen. Es braucht Dokumentarfilme wie diese – solidarisch finanziert über den Rundfunkbeitrag. Ich gratuliere allen Beteiligten zur Oscar-Nominierung!“

Bleiben als Akt der Menschlichkeit

Die Freiwilligen-Organisation „Weißhelme“, eine zivile Hilfs- und Einsatztruppe, wurde im Jahr 2013 gegründet. Rund 2.700 Helfer engagierten sich während des Kampfes um Aleppo in dieser Organisation – oft unter Einsatz des eigenen Lebens. Bis zum Ende der Dreharbeiten im August 2016 sind bei den gefährlichen Einsätzen mehr als 100 Mitglieder ums Leben gekommen. Was als kurzfristige Aktion und Ad-Hoc-Organisation begonnen hatte, etablierte sich. Mehr als 24.000 Menschen konnten die „Weißhelme“ in dieser Zeit retten. In dieser Hilfsorganisation arbeiten Bäcker, Bauherren, Rechtsanwälte, Ingenieure Taxifahrer, Studenten, Lehrer mit, also so ziemlich alle Berufe. Da die meisten internationalen Organisationen nicht mehr in Syrien tätig waren, waren die „Weißhelme“ oft die einzige Hilfe für Zivilisten, wenn wieder Bomben fielen. Sie alle hatten die Wahl: zur Waffe zu greifen, sich zurückzuziehen oder gar zu fliehen. Aber sie entschieden sich, zu bleiben und für ein Stück Menschlichkeit zu sorgen: die letzten Helfer von Aleppo.

Eine Ode an Mut und Barmherzigkeit

Mit den ehrenamtlichen Helfern der „Weißhelme“ erlebt das Filmteam über einen Zeitraum von fast zwei Jahren den harten Alltag, die Angst, den Tod und die tägliche Bedrohung in den Straßen Aleppos. Sie kämpfen um ein Stück Menschlichkeit dort, wo der Krieg zur Normalität wurde. Mit einem strikten Cinema-Verité-Ansatz weben der syrische Filmemacher Feras Fayyad (Buch und Regie) und sein dänischer Koregisseur und Cutter Steen Johannessen ein Patchwork aus eindrucksvollen Momenten, das sich wie eine klassische Tragödie entfaltet. Ein Porträt von Helden wider Willen, eine Ode an Mut und Barmherzigkeit.

Preise und Auszeichnungen für den Film

Der Film ist entstanden in Zusammenarbeit mit dem Aleppo Media Center (AMC), deren Mitglieder die Zerstörung der Stadt mit Handys und kleinen Kameras festgehalten und ins Internet gestellt haben, um die Welt darauf aufmerksam zu machen, was in Aleppo geschieht. „Die letzten Männer von Aleppo“ (Originaltitel: „Last Men in Aleppo“) ist vielfach preisgekrönt und hat im Januar 2017 unter anderem den Preis für den besten Dokumentarfilm im Wettbewerb „World Cinema Documentary“ beim renommierten internationalen Sundance Film Festival gewonnen. Die Freiwilligenorganisation „White Helmets“ wurde 2016 für den Friedensnobelpreis nominiert und mit dem alternativen Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Produktion

Der Film ist eine Koproduktion von SWR und ARTE mit der Kloos & Co. Medien, Larm Film, Kopenhagen nu und Aleppo Media Center mit DR TV, NKR&YLE. Mit Unterstützung des Danish Film Institute, DANIDA, Nordisk Film & TV Fond, AFAC, Cinereach, Idfa Bertha Foundation, Sundance Institute, Open Society Foundations, JustFilms, IMS. Buch und Regie: Feras Fayyad, Schnitt: Steen Johannessen, Redaktion SWR/ARTE: Gudrun Hanke-El Ghomri, Bernd Seidl. Länge: 104 Minuten (Festivalfassung), 90 Minuten (TV-Fassung). Sendetermine waren am 2. August 2017um 23 Uhr im Ersten und am 9. November 2017 um 23.45 Uhr im SWR Fernsehen.

Quelle: SWR – Das Erst, Foto: ARD/SWR DOKUMENTARFILM IM ERSTEN, „Die letzten Männer von Aleppo“, am Mittwoch (02.08.17) um 23:00 Uhr im ERSTEN. Ein nachdenklicher Blick über die Heimatstadt: Protagonist Khaled mit einem Kollegen der Weißhelme. © SWR/Kloos&Co Medien