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Türkische Opposition zeigt in Großkundgebung Stärke

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Hunderttausende kommen zu Kundgebung von CHP-Kandidat Ince

Istanbul- Zum Abschluss seines Wahlkampfes hat die Türkische Opposition mit Muharrem Ince eine Großkundgebung vor hunderttausenden Menschen in Istanbul abgehalten.

„Ihr, die ihr die Plätze füllt, erneuert eure Hoffnung, morgen wird ein ganz neuer Tag sein“, rief der Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Volkspartei (CHP) der riesigen Menschenmenge zu, die sich einen Tag vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am Ufer der Marmara-Meers im Stadtteil Maltepe versammelt hatte.

Ince sprach von fünf Millionen Teilnehmern, von unabhängiger Seite war die Zahl nicht zu überprüfen. Auf dem Weg zur Kundgebung blieb Inces Bus in der Menge stecken, so dass er erst mit einstündiger Verspätung auf die Bühne trat. Zu dieser Zeit drängten sich noch immer zehntausende Menschen in den Straßen rund um das Versammlungsgelände. Auch seine Kundgebungen in der Küstenstadt Izmir und der Hauptstadt Ankara hatten an den Abenden zuvor Hunderttausende angezogen.

Der CHP-Kandidat warnte, sollte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag erneut die Wahl gewinnen, werde die Währung schwach bleiben, die Preise würden weiter steigen, und die Frage der 3,5 Millionen syrischen Flüchtlinge in der Türkei bliebe ungelöst. Wenn er aber gewinne, würden „80 Millionen Türken gewinnen! Die Türkei wird gewinnen!“, rief Ince der Menge zu, die immer wieder Rufe von „Ince Präsident“ und „Recht, Gesetz, Gerechtigkeit“ anstimmte.

 

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Ince-Kundgebung in Istanbul, (Quelle: AFP / Bulent Kilic)

 

Ince hat seit seinem ersten Auftritt in seiner westtürkischen Heimatstadt Yalova nach eigenen Angaben 107 Wahlkampfauftritte im ganzen Land absolviert. Während Erdogans Kundgebungen meist in voller Länge im Fernsehen übertragen wurden, wurde Ince meist nur in Ausschnitten gezeigt. Der CHP-Kandidat äußerte am Sonntag scharfe Kritik daran, dass der Staatssender TRT die meisten seiner Kundgebungen ignoriert habe und kündigte eine Gesetzesreform an.

Erdogan trat am Samstag ebenfalls in Istanbul auf, entschied sich jedoch für mehrere kleine Auftritte in verschiedenen Stadtteilen, die jeweils tausende Menschen anzogen. „Es ist eine Sache, Physiklehrer zu sein, aber etwas anderes, ein Land zu führen. Präsident zu sein, braucht Erfahrung“, sagte der langjährige Staats- und Regierungschef laut türkischen Medien mit Blick auf den früheren Lehrer Ince, der zwar seit 16 Jahren Abgeordneter ist, aber keine Regierungserfahrung hat.

Bei den Wahlen am Sonntag wird mit einem knappen Ausgang gerechnet. Erdogan ist zwar klarerer Favorit, doch könnte er in der ersten Runde die absolute Mehrheit verfehlen, so dass er am 8. Juli in die Stichwahl müsste – vermutlich gegen Ince. Auch im Parlament droht seiner islamisch-konservativen AKP der Verlust der Mehrheit. Erdogan hat daher erstmals die Bildung einer Koalition nicht ausgeschlossen, nachdem er Koalitionen bisher immer verdammt hatte.

Quelle: AFP, 23.06.2018, Foto: Wahlplakate in Istanbul/Türkische Opposition zeigt in Großkundgebung Stärke, (Quelle: AFP / Yasin AKGUL)