Linkskandidat López Obrador gewinnt Wahl in Mexiko

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Konkurrenten räumen Niederlage ein – Trump gratuliert Linkspolitiker

Mexiko- steht vor einem historischen Wandel: Der Linkskandidat Andrés Manuel López Obrador hat die Präsidentschaftswahl vom Sonntag klar gewonnen. Er wird damit der erste linksgerichtete Präsident in der jüngeren Geschichte des Landes und beendet knapp ein Jahrhundert unter wechselnder Herrschaft der beiden großen Parteien. Seine Konkurrenten räumten ihre Niederlage ein, US-Präsident Donald Trump gratulierte dem Linkspolitiker zu dessen Sieg.

Der 64-jährige López Obrador kam bei der Wahl auf 53 bis 53,8 Prozent der Stimmen, wie die offiziellen Hochrechnungen zeigten. Der Konservative Ricardo Anaya kam demnach auf 22,1 bis 22,8 Prozent und José Antonio Meade von der Regierungspartei PRI auf 15,7 bis 16,3 Prozent.

Zuvor hatten bereits Nachwahlbefragungen einen deutlichen Sieg des Linkspolitikers vorhergesagt. Anaya und Meade räumten kurz darauf ihre Niederlage ein. López Obrador habe “die Mehrheit gewonnen”, er wünsche ihm “größten Erfolg”, sagte Meade. Anaya sagte, er erkenne den Sieg des Linkskandidaten an. Er wünschte ihm ebenfalls “Erfolg zum Wohle Mexikos”. Zuvor hatte es Befürchtungen gegeben, dass es in dem tief gespaltenen Land längere Unsicherheit über den Wahlsieger geben könnte.

López Obrador war bereits zum dritten Mal bei einer Präsidentschaftswahl angetreten. Im Wahlkampf hatte er die etablierten Parteien PRI und die PAN als Teil derselben “Machtmafia” bezeichnet und sich auf die Wut vieler Bürger über die zahlreichen Korruptionsskandale und die anhaltende Gewalt im Land konzentriert, bei der allein im vergangenen Jahr 25.000 Menschen ermordet worden waren.

Sein von der von ihm gegründeten Partei Morena angeführtes Bündnis steuerte laut Nachwahlbefragungen bei den zeitgleich abgehaltenen Parlamentswahlen ebenfalls auf einen Sieg zu. Auch bei den Lokal- und Regionalwahlen schnitt sein Bündnis stark ab. In der Hauptstadt Mexiko-Stadt gewann die Linkskandidatin und Wissenschaftlerin Claudia Sheinbaum das Bürgermeisteramt. Die 56-jährige Wissenschaftlerin ist die erste Frau, welche an der Spitze der Metropole stehen wird.

Der Wahlkampf war indes der blutigste in der Geschichte des Landes: Nach Angaben des Beratungsinstituts Etellekt wurden mindestens 145 Politiker getötet. Allein am Wahltag wurden nach Angaben örtlicher Beamter drei Mitglieder politischer Parteien getötet, darunter in den Bundesstaaten Michoacán und Puebla. Die meisten Morde an Lokalpolitikern gehen auf das Konto der Drogenkartelle, die korrupte Beamte für Bündnisse suchen.

Als neuer Präsident steht López Obrador vor riesigen Herausforderungen, darunter die lahmende Wirtschaft und die schwierige Beziehung zum Nachbarland USA. Bei seinen Plänen blieb er im Wahlkampf aber eher vage. Nach Kritik aus der Wirtschaft war er von Plänen abgerückt, die Kritiker mit der sozialistischen Politik in Venezuela verglichen hatten.

In einer Rede nach seinem Wahlsieg versprach er den Mexikanern einen “tiefgreifenden Wandel”. Sein Ziel sei eine “echte Demokratie”, sagte López Obrador. Er habe nicht vor, “eine “Diktatur zu errichten, weder offen noch versteckt”. Er werde sich außerdem für ein Verhältnis “der Freundschaft und der Zusammenarbeit” zu den USA einsetzen.

Trump schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, er freue sich “sehr” darauf, mit López Obrador zusammenzuarbeiten”. Es gebe “viel zu tun, das sowohl den USA als auch Mexiko zugute kommt!”, twitterte der US-Präsident, dessen Handels- und Einwanderungspolitik zu einem historischen Tief in den Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten geführt hat. Trump hatte sich wiederholt abfällig über Mexiko geäußert und will eine Mauer zwischen beiden Ländern errichten.

Auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau gratulierte. Mexiko und Kanada seien “enge Freunde und langjährige Partner” mit “gemeinsamen Zielen”.

 

Quelle: AFP, 02.07.2018, Foto: Andrés Manuel López Obrador, (Quelle: AFP / RONALDO SCHEMIDT)

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