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Mehrere Verletzte bei Demonstranten in Chemnitz

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Zwei Verdächtige nach Tötungsdelikt auf Stadtfest in Untersuchungshaft

Chemnitz- Bei Zusammenstößen rechts- und linksgerichteter Demonstranten hat es am Montagabend mehrere Verletzte gegeben. Wie die Polizei mitteilte, warfen Teilnehmer aus beiden Lagern „Feuerwerkskörper und andere Gegenstände“ – dabei seien zwei Menschen verletzt worden. Bei der Abreise wurden demnach später zudem vier Teilnehmer der rechten Bürgerbewegung Pro Chemnitz verletzt. Bereits am Sonntag hatte es in Chemnitz Ausschreitungen und rechte Stimmungsmache gegeben, nachdem bei einem Stadtfest ein 35-jähriger Deutscher getötet worden war.

Die beiden bei den Kundgebungen am Montagabend Verletzten seien zur Behandlung ins Krankenhaus gekommen, teilte die Polizei mit. Gegen 21.30 Uhr waren beide Versammlungen beendet.

Auch nach dem Abschluss der Kundgebungen gerieten der Polizei zufolge „vereinzelt“ Teilnehmer der verschiedenen Lager aneinander. Die Polizei begleitete nach eigenen Angaben eine größere Menschengruppe zum Bahnhof.

Auf der Abreise seien vier Teilnehmer der Versammlung Pro Chemnitz „durch 15 bis 20 Angreifer verletzt“ worden, teilte die Polizei später mit. Zwei der Verletzten seien ins Krankenhaus gebracht worden. Die Ermittlungen dauerten an.

Nach einem Bericht des MDR nahmen an der Demonstration der rechten Bürgerbewegung Pro Chemnitz etwa 5000 Menschen teil. Auch mehrere hundert linke Gegendemonstranten zogen durch die Stadt, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Polizei machte zunächst keine Angaben zu den Teilnehmerzahlen.

Beamte rückten den Polizeiangaben zufolge mit Wasserwerfern an. Einige Rechtspopulisten sollen zudem „nach ersten Hinweisen“ den Hitlergruß gezeigt haben. Sie skandierten Sätze wie „Merkel muss weg“, auf Plakaten war etwa „Asylflut stoppen“ zu lesen.

In der Nacht zum Sonntag sollen in Chemnitz ein 23-jähriger Syrer und ein 22-jähriger Iraker nach einer verbalen Auseinandersetzung einen Deutschen erstochen haben. Gegen die Tatverdächtigen wurde am Montag Haftbefehl erlassen, die beiden wurden in Untersuchungshaft genommen.

Nach der Gewalttat waren – befeuert auch durch Gerüchte in den sozialen Netzwerken – rund 800 Menschen durch die Chemnitzer Innenstadt gezogen. Dazu aufgerufen hatte unter anderem eine rechtsextreme Hooligangruppe. Polizeibeamte wurden mit Flaschen und Steinen angegriffen. Während der Versammlung soll es auch Jagdszenen auf Ausländer gegeben haben.

Sachsens Generalstaatsanwalt Hans Strobl übernahm die Ermittlungen zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die vor zwei Jahren eingerichtete Sondereinheit Zentralstelle Extremismus Sachsen (ZESA) werde die weiteren Ermittlungen führen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden mit.

Die Bundesregierung kritisierte am Montag, „Zusammenrottungen“ und „Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens“ seien nicht hinnehmbar. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, was in Chemnitz vorgefallen sei, habe „in unserem Rechtsstaat keinen Platz“. Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete den Tod des 35-Jährigen bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung als „schrecklich“. Die Bluttat werde nun von der Polizei „mit allem Einsatz aufgeklärt“.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nannte die Gewaltaufrufe von Rechtsextremen in sozialen Netzwerken „widerlich“. Der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) sprach nach den rechten Ausschreitungen nach dem Tötungsdelikt von einer „neuen Dimension der Eskalation“.

Österreichs konservativer Bundeskanzler Sebastian Kurz, der mit der rechtspopulistischen FPÖ regiert, schrieb am Montagabend im Kurzbotschaftendienst Twitter: „Ich bin erschrocken über die neo-nazistischen Ausschreitungen in Chemnitz. Vorfälle wie diese sind auf das Schärfste zu verurteilen!“

Quelle: AFP, 28.08.2018, Foto: Kundgebungen in Chemnitz/Mehrere Verletzte bei Demonstranten in Chemnitz, (Quelle: AFP / Odd ANDERSEN)