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Flüchtlingslager auf Nauru:

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Leitende Ärztin vom umstrittenen Lager abgezogen

Wegen eines Verstoßes gegen Vorschriften im umstrittenen australischen Flüchtlingslager auf der Pazifikinsel Nauru ist die leitende Ärztin abgezogen worden. Das private Unternehmen IHMS, das im Auftrag Australiens die Gesundheitsversorgung in dem Lager gewährleisten soll, teilte mit, die Medizinerin habe die Insel am Mittwoch verlassen. Sie sei wegen eines Verstoßes gegen Vorschriften abberufen worden.

Der Sender Australian Broadcasting Corporation berichtete, die Ärztin Nicole Montana sei am späten Dienstagabend von der Polizei festgenommen worden. Sie habe in dem Flüchtlingslager auf Nauru ein Kind fotografiert, das sie behandelt habe. Dies sei ein Verstoß gegen die Regeln gewesen.

Australien schickt Asylsuchende, die per Boot ins Land kommen wollen, in Lager auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus und im Inselstaat Nauru. Die Lebensbedingungen in den Lagern werden von Menschenrechtsgruppen und Ärzten scharf kritisiert. Zudem gibt es Berichte über Missbrauch und Suizide. Die Flüchtlinge sitzen dort meist über Jahre fest.

In dem Lager auf Nauru leben nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen knapp 900 Asylsuchende, darunter 115 Kinder. Sie befinden sich alle bereits mehr als fünf Jahre auf der Insel. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen leiden viele Kinder unter “traumatischen Entzugserscheinungen” und können nicht essen, trinken oder sprechen.

Naurus Behörden bezeichnen die Ärzteorganisation als “politische Aktivisten”. Allerdings kritisiert auch das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) die Zustände. Die Gesundheitsversorgung für die Asylsuchenden und Flüchtlinge auf Nauru und in Papua-Neuguinea “kollabiert”, erklärte das UNHCR am Freitag.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP konnten vor Kurzem das Lager in Nauru besuchen. In vielen Familien versuchen Frauen und Töchter, Suizid zu begehen. Ein zwölfjähriges Mädchen übergoss sich selbst mit Benzin und drohte, sich anzuzünden, weil sie bereits die Hälfte ihres Lebens in dem Lager verbringen musste.

Australiens Premierminister Scott Morrison steht derzeit unter wachsendem Druck, kranke Kinder von Nauru nach Australien zu bringen. Auch drei Parlamentarier seiner eigenen Partei dringen inzwischen darauf, Kinder und deren Familien von der Insel wegzubringen. Morrison deutete am Dienstagabend an, sich verstärkt darum bemühen zu wollen, Familien in ein drittes Land wie Neuseeland umzusiedeln. Canberra hat bisher mehrfach entsprechende Angebote Neuseelands abgelehnt.

 

Quelle: AFP, 17.10.2018, Foto: Baracken des Flüchtlingslagers auf Nauru, (Quelle: AFP / Mike LEYRAL)