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Tunis- Neun Verletzte bei Selbstmordattentat

Veröffentlicht von Presse

30-jährige Frau sprengt sich auf beliebter Einkaufsstraße in die Luft

Der Terror ist nach Tunis zurückgekehrt: Drei Jahre nach dem letzten Anschlag in Tunesiens Hauptstadt hat sich eine Selbstmordattentäterin am frühen Montagnachmittag in der Innenstadt in die Luft gesprengt und dabei mindestens neun Menschen verletzt. Bis auf eine Ausnahme handle es sich bei allen Verletzten um Polizisten, sagte Ministeriumssprecher Sofiène Zaag der Nachrichtenagentur AFP. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag.

Die schwere Explosion erschütterte die Avenue Habib Bourguiba, eine der wichtigsten und belebtesten Geschäftstraßen in der tunesischen Hauptstadt. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz, die Polizei sperrte den Tatort ab.

Die Frau sprengte sich nach Ministeriumsangaben neben Polizeiwagen in die Luft. Demnach handelte es sich um eine 30-Jährige ohne bekannte Verbindungen zu Extremisten.

Die islamistische Partei Ennahdha verurteilte den “feigen Anschlag” und mahnte alle Tunesier, “sich gegen Terrorismus zu vereinen”. Die Partei mit der zweitgrößten Fraktion im tunesischen Parlament erklärte zudem ihre volle Unterstützung für “militärische Institutionen und der Polizei”.

 

Sicherheitskräfte sperren den Tatort in Tunis ab, (Quelle: AFP / FETHI BELAID)

 

Das Auswärtige Amt in Berlin aktualisierte nach dem Anschlag seine Sicherheitshinweise für Tunesien-Reisende. Demnach ist “mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen” zu rechnen. Reisende sollten “besondere Vorsicht walten lassen, den Bereich weiträumig meiden und Anweisungen der Sicherheitskräfte befolgen”.

Der Anschlag war der erste in Tunesiens Hauptstadt seit dem 24. November 2015, als zwölf Mitglieder der Präsidialgarde bei einem Selbstmordattentat getötet wurden. Die Dschihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) bekannte sich zu dem Angriff.

Seit dem politischen Umbruch im Jahr 2011 wurden in Tunesien dutzende Menschen, vor allem Touristen und Mitglieder der Sicherheitskräfte, bei Anschlägen getötet. Im Juni 2015 wurden 38 Menschen bei einem Anschlag im Küstenort Sousse getötet. Bei einem Angriff auf das Bardo-Museum in Tunis verloren im selben Jahr 22 Menschen das Leben.

Trotz von der Regierung propagierter Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus gilt seit der Attacke in Tunis im November 2015 der Ausnahmezustand. Er wurde Anfang Oktober erneut um einen Monat verlängert. Für 2019 sind Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in Tunesien angesetzt.

Die vergleichsweise ruhige Lage in den vergangenen zwei Jahren hat zu einer Wiederbelebung der wichtigen Tourismusindustrie geführt. Nach Regierungsangaben besuchten mehr als sechs Millionen Menschen das nordafrikanische Land in den ersten neun Monaten des Jahres. Damit überstiegen die Besucherzahlen bereits im September die Gesamtbilanz für das Jahr 2014.

Tourismusministerin Selma Elloumi Rekik sagte im Mai, sie erwarte für 2018 höhere Besucherzahlen als im Jahr 2010 – das letzte Jahr vor dem Sturz des autoritären Machthabers Zine El Abidine Ben Ali und ein wichtiger Richtwert für den tunesischen Tourismus.

 

Quelle: AFP, 29.10.2018, Foto: Frau sprengt sich auf Bouguiba-Avenue in die Luft, (Quelle: AFP / FETHI BELAID)