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Wikipedia- fleht weiter Hartnäckig um Spenden

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Warum braucht das Lexikon so viel Geld?

Berlin- Wenn man heute die Wikipedia Seite aufmacht  schiebt sich das Werbebanner der in die sonst schlicht und schwarz-weiß gehaltene Website groß und farbig ein, der traditionelle Wikipedia-Spendenaufruf. Jedes Jahr zur Vorweihnachtszeit bittet Wikipedia seine Leser, doch ein kleines Sümmchen zu spenden, schließlich sei die Lexikon Seite kostenlos und werde nur von Freiwilligen geschrieben. „Wenn alle, die das jetzt lesen, einen kleinen Beitrag leisten, ist unsere Spendenkampagne in einer Stunde vorüber“, heißt es in dem Balken. Der Preis einer Tasse Kaffee reiche schon aus und 7 Millionen Euro wären im Sack.

7 Millionen Euro, so viel will die deutschsprachige Wikipedia dieses Jahr einstreichen. Um dem geneigten Leser das Spenden zu erleichtern, ist rechts am Balken auch gleich ein Tastenfeld integriert, mit dem sich das Geld im Handumdrehen auf die Reise schicken lässt.

Bei Wikipedia sitzen absolute Spendenprofis, die das Spiel mit dem schlechten Gewissen längst perfektioniert haben. An jedem Wort im Spendenaufruf wird gefeilt. Der finale Text und die Balkenfarbe werden dann in A/B-Tests aufwendig darauf geprüft, wie sie der Zielgruppe ankommen. Alles muss passen, immerhin sehen bis zu 11 Millionen Menschen täglich das Banner auf der deutschen Wikipedia-Seite.

Bislang funktioniert das prächtig. Die Wikimedia Stiftung in Amerika, Wikipedias Muttergesellschaft, die etwa für die technische Infrastruktur und Entwicklung der Webseite verantwortlich ist, sitzt mittlerweile auf einem Vermögen von stolzen 92 Millionen Dollar. 2010 waren es noch rund 24 Millionen. Braucht Wikipedia also wirklich so dringend Geld, wie uns das Spendenbanner weis machen will?

Für Christian Rickerts, den Chef des deutschen Wiki-Ablegers Wikimedia e.V., ist die Sache klar: „Die Wikimedia Foundation trägt die Verantwortung für ein globales Ehrenamtsprojekt. Da halte ich eine gewisse Absicherung für notwendig, es können ja auch mal Gelder ausbleiben.“ Außerdem stünden dem Vermögen auch Ausgaben von im Jahr über 60 Millionen Dollar gegenüber. Die amerikanische Stiftung kümmert sich allerdings nicht nur um Wikipedia:

Es gibt 12 weitere Webseiten, wie zum Beispiel Wikivoyage oder Wikidata, die betreut werden wollen, und da sind auch noch Projekte wie Wikizero. Zero zielt darauf ab, Menschen in Entwicklungsländern kostenlos Zugriff auf Wikipedia zu ermöglichen. Dafür versucht man Mobilfunkgesellschaften ins Boot holen. Alles für das hehre Ziel der Wikis: Freies Wissen muss bewahrt werden und überall zugänglich sein.

Gut 80 Prozent der Mittel aus Spendenrunde

Der Weg des Geldes, mit dem das bewerkstelligt werden soll, ist immer gleich: Alle Spenden, die wie in Deutschland bei den Landesgruppen eingehen, fließen zunächst geschlossen nach Amerika und werden von dort aus verteilt. Deutsche Spender überweisen ihr Geld auf das Konto der Wikimedia Fördergesellschaft. Nutznießer ist wiederum der Wikimedia-Verein.

Mit Sitz in Berlin ist er der weltweit größte Wikipedia-Außenposten nach der Mutter in Amerika. Rund 36.000 Menschen sind Mitglied. Wikimedia-Deutschland hat für 2016 ein Budget von 6.200.596 Euro eingeplant – über eine Million mehr als noch letztes Jahr. Gut 80 Prozent der Mittel stammen aus der alljährlichen Spendenrunde.

 

Quelle:  Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 17.11.2018, Foto: Systembild Wikipedia