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Brasilien- 34 Tote und 300 Vermisste nach Dammbruch

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Damm erst kürzlich von TÜV Süd untersucht

Nach dem Dammbruch und der verheerenden Schlammlawine im Osten Brasiliens ist die Zahl der Toten auf 34 gestiegen. Knapp 300 Menschen werden noch vermisst, wie die Feuerwehr am Samstag mitteilte. Ihre Überlebenschancen werden als gering eingestuft. Die Rettungsarbeiten wurden am Samstagabend zunächst unterbrochen. Der Damm war erst kürzlich vom deutschen TÜV Süd untersucht worden.

Von den 34 Todesopfern seien bislang acht identifiziert, teilte die Feuerwehr mit. Es gebe 366 Überlebende und 23 Verletzte. Die Zahl der Vermissten wurde mit 296 angegeben. Der Bergbaukonzern Vale erklärte, 252 Mitarbeiter und Zulieferer würden vermisst.

Das Unglück hatte sich am Freitag an einer Eisenerzmine des Vale-Konzerns nahe der Stadt Brumadinho in Minas Gerais ereignet. Als der Staudamm eines Rückhaltebeckens brach, ergoss sich eine riesige Schlammlawine über die Mine und umliegende Wohnhäuser.

Die Rettungskräfte suchten am Samstag weiter nach den Vermissten. Dutzende Hubschrauber waren im Einsatz. Regen behinderte die Arbeiten. Der Einsatz wurde für die Dauer der Nacht zum Sonntag unterbrochen.

Ein Feuerwehrsprecher sagte dem Sender Globonews, er habe die Hoffnung auf Überlebende nicht aufgegeben. Der Gouverneur von Minas Gerais, RomeuZema, äußerte sich aber weniger zuversichtlich: Polizei, Feuerwehr und Soldaten hätten alles getan, um mögliche Überlebende zu retten. „Doch wir wissen, dass von jetzt an die Chancen winzig sind und wir wahrscheinlich nur noch Leichen finden werden.“

Bei den meisten Opfern handele es sich um Minenarbeiter, sagte Vale-Chef Fábio Schvartsman. Er sprach von einer „menschlichen Tragödie“. Die Opferzahl werde hoch sein. Die Schlammlawine habe unter anderem die Kantine des Bergwerks zur Mittagszeit unter sich begraben.

Die Rettungskräfte fanden bei ihrer Suche einen vollkommen vom Schlamm begrabenen Bus, der für Arbeiter der Mine bestimmt war. Darin befanden sich demnach mehrere Leichen, die bislang nicht geborgen werden konnten und noch nicht bei den Opferzahlen erfasst wurden.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro überflog das Katastrophengebiet am Samstag. Es sei „schwierig, von diesem Drama nicht bewegt zu sein“, schrieb er später im Kurzbotschaftendienst Twitter. Es werde alles für die Überlebenden getan, „für die Aufklärung der Umstände des Unglücks, für die Forderung nach Gerechtigkeit und um neue Tragödien zu verhindern“.

Nach Armeeangaben wurden tausend Soldaten sowie Spürhunde auf Anweisung Bolsonaros ins Unglücksgebiet entsandt. Bolsonaro gab zudem Hilfe durch Israel bekannt. Nach Feuerwehrangaben handelt es sich dabei um eine spezielle Technologie zur Ortung von Menschen in großer Tiefe, die ab Montag zum Einsatz kommen soll.

In Brumadinho warteten zahlreiche Angehörige von Minenarbeitern auf Nachrichten von ihren Lieben. „Sie wollen uns nichts sagen“, schimpfte Olivia Rios. „Das sind unsere Söhne, unsere Ehemänner, und niemand sagt uns etwas.“

Der Damm war erst kürzlich von Experten des TÜV Süd untersucht worden. Bei der Inspektion im September seien „nach unserem momentanen Kenntnisstand keine Mängel festgestellt“ worden, sagte ein Unternehmenssprecher auf AFP-Anfrage. „Wir werden die Ermittlungen vollumfänglich unterstützen.“

Nach Angaben von Vale-Chef Schvartsman wurden auch bei einer weiteren Inspektion am 10. Januar keine Mängel entdeckt. Der 1976 gebaute Damm sollte abgebaut werden.

Vale wurde am Samstag mit einer ersten Strafzahlung des Umweltministeriums in Höhe von 66,5 Millionen Dollar (58,5 Millionen Euro) belegt. Die Behörden des Bundesstaates ordneten zudem an, dass 265 Millionen Dollar auf Konten des Bergbauunternehmens eingefroren werden. Die Gelder sollen langfristig den Opfern zugute kommen.

Vor rund drei Jahren hatte sich bereits an einer anderen von Vale betriebenen Mine eine ähnliche Katastrophe ereignet. Damals kamen 19 Menschen ums Leben, eine Schlammlawine erstreckte sich auf mehr als 650 Kilometer und löste die größte Umweltkatastrophe in der brasilianischen Geschichte aus.

 

Quelle: AFP, 27.01.2019, Foto: Rettungskräfte suchen nach Opfern/Dammbruch in Brasilien, Quelle: AFP / Douglas Magno