Jens Hilbert- Endlich bin ich normal

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Über den Fluch und Segen des Anderssein

Interview mit Dancing on Ice 2019 Kandidat Jens Hilbert, einem Tausendsassa, der gerade in sein neues Haus einzog und sich bereits jetzt fragt, ob er es wiederverkauft.

Das neue Haus ist bunt & verrückt wie Sie & noch dazu hängen Sie selbst an allen Wänden, ist das nicht ein bisschen viel Hilbert?

Ich kann verstehen, dass man von außen betrachtet denken könnte, da steht ein Pferd aufm Flur, hat der sie eigentlich noch alle an der Klatsche. Ich hingegen träume etwas, setze die Idee um und hab einen riesen Spaß dabei, darauf bin ich richtig stolz, denn das war früher nicht so. Ich weiß, dass einige, die das sehen werden, denke, was ein Freak und ich denke eben von mir: Endlich normal, weil frei und glücklich und ich habe mir nichts mehr vorzuwerfen, das dachte ich nämlich früher immer. Da hätte ich eine solche Idee nicht umgesetzt, sondern gedacht, dann lachen mich die Anderen bestimmt aus, wenn ich wie ein Christbaum dekoriert mit einem Pony im Garten stehe.

Ich habe mich viele Jahre meines Lebens nicht im Spiegel sehen können, weil ich mich gehasst habe, weil ich immer dachte, ich bin nicht gut wie ich bin. Das habe ich für mich abgelegt und seitdem mag ich mich gerne leiden und deshalb hänge ich an alle meinen Wänden.

Sie haben 2017 Promi Big Brother gewonnen und sind als Überraschungssieger der Herzen hervor gegangen, können Sie diesen Sieg bei Dancing on Ice wiederholen?

Das war schon überraschend und unerwartet mit dem Sieg bei Big Brother, ich hatte beim Einzug in kleinster Weise das Ziel, zu gewinnen, ich habe aber Ziele damit verfolgt, so ähnlich verhält es sich auch mit Dancing on Ice.
Mich in meiner Position als CEO einer großen Firma immer mal in die Position des „Mitarbeiters“ zu begeben, ist wie ein anstrengendes Seminar für mich. Ich muss mich als Kontrollmensch in ein Ensemble und noch anspruchsvoller, mit einer Profi Eisläuferin arrangieren und das über Monate, dann muss ich noch was komplett Neues lernen, was mich als Erfolgsmenschen zur Weißglut bringt, wenn das nicht gleich und schnell funktioniert.

Dann begebe ich mich noch vor der Jury zur Benotung frei, da kann ich das Thema Kritik, was mich ja grundsätzlich als Perfektionist schon nervt, beschäftigen. Und dann dürfen zuletzt die Zuschauer über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, das ist schon echt eine Challenge für mich.

Wenn ich das alles psychisch falsch filtere, kann mich ja ein vernichtendes Urteil total runterziehen und das möchte ich verhindern und versuchen, das Ganze positiv als Chance anzunehmen, auch wenn ich mich auf die Klappe lege auf dem Eis.
Wenn sozusagen als Nebenschauplatz der Hilbertschen Eigentherapie noch ein Finale rauskommt und mich Menschen mit meinem Ehrgeiz, mich meinen Ängsten zu stellen, noch als Vorbild feiern, dann ist das letztlich die Kirsche auf der Torte.

 

Jens Hilbert- Endlich bin ich normal © gettyimages/ Jens Hilbert

 

Wow, so eine offene Antwort hätten wir nicht erwartet, das hört sich ja an, als hätte der Erfolgsmensch, der erfolgreich und selbstbewusst vor seiner Villa steht, auch mal Selbstzweifel und hinterfragt sein Handeln sehr stark?

Ich befinde mich als Mensch ja ständig im Wandel und in der Entwicklung. Ich war mal Looser, zumindest dachte ich das viele Jahre, dann entschied ich mich irgendwann für Erfolg und dann kam der auch noch, wie geil und dann merkte ich, dass eine Villa und ein Ferrari mich innerlich nicht glücklicher gemacht haben. Gefühlt war ich innerlich immer noch der Außenseiter und nicht der Quarterback und habe mein Leben wiedermal hinterfragt. Status, Reichtum & Luxus sind toll, haben aber auch die Nebenwirkung, dass sie stress verursachen können, wenn man immer wieder noch größer und noch weiter hinaus will und das ist der Fluch und Segen dabei. Ich sehe mich auf den kreativen, witzigen Bildern meiner Homestory, sehe mich aber mittlerweile vielmehr im Jogger mit struwweligen Haaren, einem Pickel auf der Nase in einer 65 qm Wohnung mit dem Gedanken, ich bin gut wie ich bin.

Genau zwischen diesen beiden Welten steckt meine Entwicklung gerade und darauf bin ich sehr stolz, denn ich lebe immer mehr im „Ich kann, muss aber nicht“ und deshalb hat sich mein Leben beim entschleunigen gefühlt beschleunigt, denn meine früheren Abhängigkeiten wurden zu freien Entscheidungen, das ist toll.

Jetzt mal konkret, warum dann diese inszenierte Homestory mit einem Pony im Garten?

Naja, ganz einfach, es wird nicht überblättert und es bringt dem Erfolgsmenschen Jens den notwendigen Rahmen, um als Vorbild für Erfolg, Freiheit und ein bisschen Verrücktheit den richtigen Anstrich zu bekommen. Ich habe meine größten Schwächen zu meinen größten Stärken gemacht und kokettiere damit ein wenig, das gehört auch zu mir, ich kann aber gleichermaßen im Jogger und dem Pickel auf der Nase existieren, das war früher nicht möglich, da habe ich selbst zuhause am Schreibtisch gestylt gesessen. Ich denke, Erfolg kann man besser mit Erfolg verkaufen, oder hättet ihr mich im Jogger in der Jugendherberge auch abgedruckt? Da ich mich nicht verkleidet fühle, ist das ja ok, vielleicht kommt ja in ein paar Jahren die Homestory in der Jugendherberge und wird auch total charismatisch ausschauen.

Was sind denn Ihre nächsten Ziele, umziehen in eine Jugendherberge?

Ich denke ja, aber erst in 2-3 Jahren, denn dann ist der Verkauf steuerfrei. Es ist ja keine Strafe, dort zu wohnen, ich bin ja auch sehr dankbar für diese Möglichkeiten. Ich habe nur gemerkt, dass die klassische Definition von Luxus und Reichtum nichtmehr für mich zu 100% zutreffen. Und das Wichtigste, der Weg zum Kühlschrank ist viel zu weit, das nervt.

Mich reizt meine Sportlerkarriere sehr, mich reizt es auch, Menschen auf dem Weg zu begleiten, den ich für mich gefunden habe. Ich muss nichtmehr auf Biegen und Brechen zu der Cavalli Party nach Cannes, sondern finde es schön, dass ich Freunde habe, mit denen ich in unserem Stamm Italiener ein Glas Weißwein trinken kann. Und am Schönsten sind die Sonntage mit meiner Lieblingsserie Sex and the City mit meinem Uli und ob ich das auf 350 qm oder 65 mache, ist völlig Wurst. Ich bin aus meinem Blickwinkel meines Universums nie normaler und langweiliger gewesen und das macht mich ungeheuer Stolz, dass ich da angekommen bin.

Noch eine wichtige Frage zum Schluss, wohnt das Pony wirklich bei Ihnen im Garten?

Nein, das ist aus einem befreundeten Stall, ich bin ja Springreiter und fand, dass das irgendwie in der Story ganz witzig passen würde, denn ein wenig sind wir doch alle eine Pipi Langstrumpf und ich träume davon nichtmehr, sondern lebe meine Träume ja in vollen Zügen aus & dazu gehört in meiner Vorstellung dieses Pony im Garten.

 

hairfree GmbH, 24.10.2019, Foto: Jens Hilbert- Endlich bin ich normal © gettyimages/ Jens Hilbert