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Corona Fall- Hast du Symptome?

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Das Corona-Virus ist in Deutschland angekommen

Berlin- Wann sollte ich mich testen lassen? Hast du Symptome?

1. Was mache ich, wenn in meinem Umfeld ein Corona-Fall auftaucht?

Das kommt darauf an, wie kurz die Kontaktkette ist. Hattest du direkt Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall? Oder hattest du nur Kontakt über eine Ecke, also zu jemandem, der direkten Kontakt hatte? Bei einem direkten Kontakt solltest du dich testen lassen. Frag nach, wenn sich das Gesundheitsamt nicht von sich aus bei dir meldet. Wenn du nur über eine Ecke Kontakt hattest, aber in Sorge bist, infiziert zu sein, wird kein Test empfohlen. Dann gilt: Bleibe zu Hause wenn es geht und meide unnötigen Kontakt.

2. Wann sollte ich mich testen lassen?

Hast du Symptome?

In der Tabelle wird zwischen Symptomen, die häufig, selten, manchmal und weniger auftreten, unterschieden. Es gibt zwei Leitsymptome: Fieber und trockener Husten, die häufig auftreten. Die anderen Symptome sind entweder weniger häufig, tauchen nur manchmal auf oder sind in Einzelfällen (selten) beschrieben worden.

Ob du infiziert bist, kannst du nur durch einen Test herausfinden. Wenn du direkten Kontakt mit einem Infizierten hattest und Symptome bemerkst, solltest du auf jeden Fall deinen Hausarzt oder das Gesundheitsamt anrufen. Aber auch, wenn du nur über eine Ecke Kontakt hattest und dir Sorgen machst, kannst du das tun. Die letztendliche Entscheidung, ob du getestet werden solltest, muss eine Ärztin oder ein Arzt treffen. Deshalb musst du zuerst bei deiner Hausarztpraxis oder deinem Gesundheitsamt anrufen, wenn du getestet werden möchtest.

Wichtig: Gehe nicht einfach dorthin! Du könntest im Zweifel Patient:innen anstecken, die gerade im Wartezimmer sitzen – und das gesamte Praxisteam gleich mit. Das gefährdet die Gesundheit von unzähligen Menschen auf einen Schlag.

Mit diesem Tool des Robert-Koch-Instituts (der obersten Infektionsschutzbehörde in Deutschland) kannst du mit deiner Postleitzahl nach der Nummer des Gesundheitsamtes suchen, das für dich zuständig ist. Viele Gesundheitsämter haben Corona-Hotlines eingerichtet, die du mit dem Tool nicht unbedingt findest. Die Gesundheitsämter und manche Gemeinden veröffentlichen die Hotline-Nummern auf ihren Websites. Auch manche Krankenkassen haben Hotlines eingerichtet (Liste der Hotlines). Allerdings ist es derzeit insgesamt schwer, bei Corona-Hotlines durchzukommen.

3. Bekomme ich denn einen Test?

Falls du niemanden beim Gesundheitsamt oder in deiner Arztpraxis erreichst, versuche bitte im Moment Verständnis zu haben, denn der Ansturm auf die Tests ist riesig. Wenn du durchkommst, wirst du gefragt, ob du Symptome hast und Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall hattest. Diese Frage werden die meisten Menschen im Moment mit Nein beantworten. Nur diejenigen, die Symptome haben, direkten Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten oder sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, sollen laut Robert-Koch-Institut getestet werden.

In manchen Regionen gibt es inzwischen zentrale Testzentren. Wo sie sich befinden, wird in der Regel nicht öffentlich bekannt gegeben, damit sie nicht überrannt werden können. Du wirst vom Gesundheitsamt informiert, wo du hinfahren sollst und wie der Ablauf dort ist. In anderen Regionen testen sowohl Hausärzte als auch Kliniken. Auch hier erfährst du am Telefon, wo du hinfahren sollst und wie die Testung organisiert wird. Damit sie nicht Gefahr laufen, sich selbst anzustecken, müssen die Fachkräfte, die die Proben nehmen, Schutzkleidung tragen.

4. Was passiert bei einem Test auf das Corona-Virus?

Meist wird mit einem speziellen Virustupfer eine Probe aus dem Rachenbereich entnommen und in einer Spezialverpackung an ein Labor gesendet. Die Labordiagnostik selbst dauert nur 4-5 Stunden. Aber bis das Ergebnis bekannt gegeben wird, kann es zwischen einem und drei Tagen dauern – vielleicht auch mal länger.

Der Test sucht nach dem Genom des Virus in der Probe. Besonders in der ersten Phase der Erkrankung, wenn oft noch nicht viel mehr als ein Kratzen im Hals zu spüren ist, befinden sich besonders viele Erreger im Rachenbereich. Das ist auch der Grund, warum sich das Virus in dieser Zeit sehr leicht beim Husten und Sprechen, also durch Tröpfchen, verbreitet.

Ist die Krankheit schon etwas weiter fortgeschritten, wird eher eine Probe aus den unteren Atemwegen entnommen. Dafür benutzt man zum Beispiel den Auswurf (Schleim, Sekret), der beim Husten aus den unteren Atemwegen nach oben transportiert wird.

5. Wenn ein Test nachweist, dass ich an COVID-19 erkrankt bin: Wann bin ich nicht mehr ansteckend?

Das lässt sich derzeit nicht verlässlich sagen, weil noch zu wenig darüber bekannt ist, wie lange in den oberen Atemwegen vermehrungsfähige Viren nachgewiesen werden können. Das Robert-Koch-Institut verweist auf eine Untersuchung an 17 Personen, bei denen Virenbestandteile bis zu Tag 9 nach Ausbruch der Krankheit gefunden wurden. Es ist aber erstens unklar, wie aussagekräftig die Studie mit einer so kleinen Probandenzahl ist und zweitens, ob der Nachweis von Virusbestandteilen etwas darüber aussagt, wie ansteckend jemand ist.

Dazu kommt, dass es Hinweise darauf gibt, dass nicht jede:r Infizierte in gleichem Maße ansteckend ist. Daten aus China zeigen, dass die meisten Infizierten circa drei weitere Menschen ansteckten. Aber es gibt auch Hinweise darauf, dass einige wenige Personen das Virus an sehr viel mehr Menschen weitergeben könnten.

Das alles macht es sehr schwer, eine verlässliche Aussage zu treffen, die für alle gilt. Am besten bespricht jede:r, der oder die positiv getestet wurde, diese Frage individuell mit den behandelnden Ärzt:innen. Nach meinem Kenntnisstand wird nach Abklingen der Symptome in der Regel ein Test gemacht, der negativ sein muss, um die Patient:innen als geheilt zu erklären. Aber das kann auch unterschiedlich gehandhabt werden.

6. Warum sollen nur Menschen getestet werden, die Symptome zeigen?

Zugegeben, diese Regelung erscheint unlogisch, wenn man bedenkt, dass sich das Virus bereits verbreitet, bevor es Symptome erzeugt. Aber es gibt mehrere Gründe für diese Einschränkung. Ein Grund liegt darin, dass das Testergebnis dann besser bewertet werden kann. Denn alle Tests sind zuverlässiger, je wahrscheinlicher es ist, dass du tatsächlich krank bist. Ein anderer Grund ist, dass der Bedarf für Tests möglicherweise die Kapazitäten der Labore übersteigt, wenn zu viele Tests gleichzeitig gemacht werden. Deshalb legt das Robert-Koch-Institut Kriterien fest, die Ärzt:innen für ihre Entscheidungen zugrunde legen sollen.

7. Was soll ich tun, wenn ich nicht getestet werde, aber trotzdem Angst habe, angesteckt zu sein?

Falls bei dir kein Test gemacht werden soll, du aber befürchtest, mit dem Virus infiziert zu sein, lautet der Rat: Halte Abstand zu anderen und warte 14 Tage ab, ob du Symptome bekommst. So lange braucht das Virus oft, bis die ersten Symptome auftauchen (Inkubationszeit).

14 Tage können sehr lang werden, wenn man auf etwas wartet. Wie man sich in dieser Zeit konkret verhalten soll, dafür gibt es in aller Regel keine verbindliche Empfehlung. Du musst also selbst überlegen, welches Verhalten in dieser Zeit angemessen und sinnvoll ist – je nachdem, wie lang die Kontaktkette ist (über mehrere Ecken oder ganz direkt?) und wie deine eigene Situation ist (wie alt bist du? Hast du Vorerkrankungen?) und die der Menschen, mit denen du zusammen lebst (ältere, kranke Menschen oder jüngere, gesunde? Menschen, die im Krankenhaus oder in der Schule arbeiten oder Menschen, die einen Büro-Arbeitsplatz haben?).

”Halte Abstand” bedeutet im Klartext: Dass du alle unnötigen Kontakte vermeiden solltest. Betonung auf unnötig. Das Ding ist nur: Was unnötig ist, bewertet jede:r ein bisschen anders.

  1. Muss ich die ganze Zeit zu Hause bleiben, wenn ich auf Symptome warte?

Du musst nicht, weil dich niemand zwingen kann. Aber du solltest zu Hause bleiben. Streng genommen solltest du deine Freund:innen nicht mehr treffen, nicht zum Sport gehen, nicht mit der Bahn oder dem Bus fahren. Aber die meisten Menschen werden das als unverhältnismäßig empfinden, wenn, wie in unserem Fall die Kontaktkette zum Teil sehr lang ist. Dass unser Herausgeber Sebastian diese Dinge jetzt alle unterlässt und zu Hause bleibt, leuchtet ein. Aber was ist mit den Reporter:innen, die er in der Zeit, in der er möglicherweise ansteckend war, nur einmal kurz gesehen hat?

Auch hier gilt wieder als Richtschnur: Frage dich, welche Kontakte und Aktivitäten unnötig sind und vermeide sie. Alles, was für dich nötig ist, kannst du im Moment auch tun, weil es dir niemand verboten hat. Es gibt schließlich keine Ausgangssperre in Deutschland. Wenn du Freund:innen triffst, wäre es aber netter, du würdest sie vorher informieren, welche Gedanken du dir gerade machst und aus welchem Grund. Damit sie selbst für sich eine Entscheidung treffen können, ob sie das Risiko eingehen wollen.

9. Darf ich meine:n Partner:in noch berühren?

Das musst du deine:n Partner:in fragen. Wie gesagt hängt die Entscheidung stark davon ab, in welcher Situation ihr euch befindet. Und natürlich auch davon, welche Einschränkungen du bereit bist, mitzutragen. Ich persönlich halte es für ausgeschlossen, dass Menschen, die zusammen wohnen, sich über 14 Tage so erfolgreich aus dem Weg gehen können, dass sie sich im Fall des Falles nicht anstecken könnten. Das legen auch Daten aus China nahe. Während der Abriegelung ganzer Regionen, passierten die meisten Ansteckungen innerhalb von Wohnungen.

10. Darf ich noch einkaufen gehen?

Gegenfrage: Ist es nötig, dass du einkaufen gehst? Oder kann das jemand für dich übernehmen? Wenn es nötig ist, kannst du versuchen, die Gefahr, die möglicherweise von dir ausgeht, zu reduzieren. Musst du mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren oder geht es auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad?

Ein Mundschutz könnte das Infektionsrisiko für andere reduzieren, aber da Mundschutz knapp ist und bereits in Krankenhäusern fehlt, rate ich dazu nicht. Wichtig ist, dass du nicht in deine Hand hustest oder niest, sondern in die Armbeuge. Gewöhne dir an, zusammen mit deinem Schlüssel auch Einmaltaschentücher einzupacken.

Du könntest einen Meter Abstand zu anderen halten. Doch wie realistisch ist das an der Kasse im Supermarkt? In Italien gibt es inzwischen Leute, die dafür sorgen, dass sich Menschen beim Einkaufen nicht zu nahe kommen. Aber für genügend Abstand müsstest du im Moment noch selbst sorgen. Schwierig. Du könntest zumindest ältere Menschen davor warnen, sich dir zu sehr zu nähern.

11. Kann ich noch meine Angehörigen im Altenheim besuchen?

Auch hier gilt: Ist der Besuch nötig? Wenn er nötig ist, solltest du vorher das Heim anrufen und deine Situation erklären, damit sie entscheiden können, ob sie deinen Besuch riskieren wollen und können. Vielleicht können sie eine andere Lösung finden, zum Beispiel ein Telefonat zwischen deinen Großeltern bzw. deinen im Heim lebenden Eltern und dir organisieren? Oder einen Video-Chat? Falls es um Besorgungen geht, könntest du auch jemand anderen bitten, den Botengang zu übernehmen. Manche Menschen haben Aushänge gemacht, in denen sie für genau solche Fälle Unterstützung anbieten. Denn: Ratsam ist es nicht, wenn du in dieser Situation ältere Menschen besuchst. Und schon gar nicht, wenn sie im Heim leben.

12. Muss ich alle informieren, mit denen ich Kontakt hatte?

Das ist eine sehr schwierige Frage, weil man sie schlecht allgemeingültig beantworten kann. Es kommt auf die Länge der Kontaktkette zu einem bestätigten Fall an und – ja, schon wieder und immer noch – auf deine eigene Situation und die deiner Kontakte. Wenn die Kontaktkette kurz ist, wie bei Sebastian, solltest du alle Kontaktpersonen informieren. Wenn sie lang ist, so wie bei den Reporter:innen, die Sebastian nur wenig und kurz gesehen haben, musst du selbst entscheiden, womit du dich am wohlsten fühlst. Dazu gibt es keine klaren Empfehlungen.

Ich persönlich würde alle informieren, auch auf die Gefahr hin, dass womöglich unnötig große Unruhe entsteht. Ich persönlich würde auch lieber einmal mehr zu Hause bleiben als mir hinterher eventuell Vorwürfe machen zu müssen. Ich würde damit dem Rat der medizinischen Expert:innen voll umfänglich folgen, vielleicht sogar etwas zu ambitioniert sein. Ich finde, die Lage ist so ernst.

Fazit

Wir Menschen hassen Situationen, in denen es überwiegend Unsicherheiten gibt. Wir wünschen uns klare Ansagen. Wir wollen wissen, woran wir sind. Aber auf viele Fragen zum Umgang mit dem Corona-Virus gibt es gerade keine klaren Antworten. Das wird jetzt noch eine ganze Zeit lang so bleiben. Bis Bundes- oder Landesbehörden für mehr Klarheit sorgen.

Wir sind gerade in der Phase der weltweiten Pandemie, in der wir als Gesellschaften versuchen müssen, die Ausbreitung zu verlangsamen. Alle unnötigen Kontakte, die wir vermeiden können, sollten wir auch versuchen zu vermeiden. Das ist jedoch manchmal eine zu schwere Aufgabe. Und deshalb hilft es dir, wenn du in diesen Fragen pragmatisch bleibst. Es ist besser, so viel wie möglich zu tun, als gar nichts zu tun.

Gut ist: Du kannst was tun. Schlecht ist: Du kannst das Virus nicht vollständig aufhalten. Es wird einen großen Teil der Bevölkerung infizieren. Wichtig ist jetzt aber, dass dieses Geschehen über einen möglichst langen Zeitraum gestreckt wird.

 

Krautreporter 14.03.2020, Foto:  Symptome Corona © WHO

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