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Bhakdi- unterschätzt der Mikrobiologie die Gefährlichkeit des Coronavirus?

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Sucharit Bhakdi in der Kritik der Medien

Das Virus sei oft nicht allein Schuld an den Todesfällen- Prof. Sucharit Bhakdi kritisiert Maßnahmen: Das sei selbstzerstörerisch

Meinung: dpa Faktencheck dazu:

Berlin- Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen wegen des neuartigen Coronavirus halten manche für überzogen. Der 2012 emeritierte Mikrobiologie-Professor Sucharit Bhakdi etwa nennt sie sinnlos. Er sagt in seinem Video vom 19. März 2020, Sars-CoV-2 sei „nicht grundsätzlich“ gefährlicher als andere Erreger der Virus-Familie. Von 10 000 Infizierten seien „lediglich 50 bis 60“ erkrankt. „99 Prozent der Menschen haben keine oder nur leichte Symptome.“ Mit Blick auf staatliche Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sagt Bhakdi: „Ich finde sie grotesk, überbordend und direkt gefährlich“ (http://dpaq.de/nUWiW).

BEWERTUNG: Der Mikrobiologe setzt den Anteil der schwer Covid-19-Erkrankten deutlich zu niedrig an. Zudem missachtet er das exponentielle Wachstum bei den Neuinfektionen.

FAKTEN: In seinem Youtube-Video, das fünf Tage nach Veröffentlichung mehr als 400 000 Mal aufgerufen wurde, erklärt Bhakdi anhand der Corona-Fälle in Deutschland, warum das Virus vermeintlich ungefährlich sei. „99 Prozent der Menschen haben keine oder nur leichte Symptome“, sagt er (http://dpaq.de/nUWiW#t=4m2s). Damit widerspricht er ohne Angabe von Quellen weltweit übereinstimmenden Forschungsergebnissen – etwa der Weltgesundheitsorganisation WHO (http://dpaq.de/KXkvq).

Immer wieder betonen renommierte Einrichtungen wie etwa das deutsche Robert Koch-Institut (RKI, http://dpaq.de/ajJ3a, dass bei weitem nicht jeder mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierte Krankheitszeichen aufweist. Bei denjenigen, die erkranken, zeigen sich demnach bei 80 Prozent milde bis moderate Symptome. Das geht nach RKI-Angaben unter anderem aus einer früheren Analyse der in der chinesischen Provinz Hubei erfassten Fälle hervor. Bei den restlichen 20 Prozent kommt es zu schwereren oder gar lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen – von einer Lungenentzündung mit Atemnot bis zu multiplem Organversagen. Bhakdi legt also einen viel zu geringen Anteil schwerster Krankheitsverläufe zugrunde.

Richtig in seinem Video ist, dass zum damaligen Stand (Mittwoch, 18. März) tatsächlich bundesweit etwa 10 000 Coronavirus-Infizierte registriert wurden, 28 Menschen waren gestorben. Der Mediziner schließt daraus, jeden Tag sterbe ein Mensch. Warum er die Toten auf einen Zeitraum von 30 Tagen hochrechnet, obwohl doch die beiden ersten Todesfälle in Deutschland am 9. März bekannt wurden (http://dpaq.de/iqD1e), erklärt er nicht.

An der Entwicklung der Corona-Fälle seit Veröffentlichung des Videos ist zu erkennen, dass in Deutschland täglich mehr als ein an Covid-19 erkrankter Mensch stirbt. Schon am 19. März waren es 16 Tote mehr. Weitere vier Tage später waren mehr als 115 Todesfälle in Deutschland bekannt (http://dpaq.de/NZ9lg). In Italien – weltweit am schwersten betroffen – sterben derzeit täglich Hunderte (http://dpaq.de/Xix3e).

Zwar geht auch Bhakdi von einem exponentiellen Anstieg der Corona-Ausbreitung aus, bleibt aber mit seinem „Horrorszenario“ von einer Million Infizierten weit unter den Prognosen etwa des RKI. Das Institut warnte jüngst vor bundesweit zehn Millionen Coronavirus-Infektionen in den kommenden Monaten, wenn die von der Bundesregierung angeordneten Maßnahmen nicht eingehalten würden (http://dpaq.de/zdvbe).Weitere Experten gehen sogar davon aus, dass sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus infizieren könnten. Das entspricht bei gut 83 Millionen Einwohnern in Deutschland etwa 50 bis 58 Millionen Menschen. Die Hoffnung ist, dass sich die Ausbreitung der Krankheit aufgrund der drastischen Maßnahmen möglichst langsam vollzieht, um möglichst wenig Erkrankte gleichzeitig zu haben (http://dpaq.de/pO6RC).

Weitere Experten gehen sogar davon aus, dass sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus infizieren könnten. Das entspricht bei gut 83 Millionen Einwohnern in Deutschland etwa 50 bis 58 Millionen Menschen. Die Hoffnung ist, dass sich die Ausbreitung der Krankheit aufgrund der drastischen Maßnahmen möglichst langsam vollzieht, um möglichst wenig Erkrankte gleichzeitig zu haben (http://dpaq.de/pO6RC).

 

Über: Prof. Dr. Sucharit Bhakdi

Prof. Bhakdi ist ein Mediziner und Facharzt für Mikrobiologie. Er leitete 22 Jahre lang das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Johannes Gutenburg Universität Mainz und gehört zu den international angesehensten Infektiologen und meistzitierten Medizinforschern Deutschlands.

 

Sollte Prof. Bhakdi  aber doch recht haben, müssen unverzüglich alle Anstrengungen unternommen werden, um eine Wende in der verfahrenen Situation herbeizuführen.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH/Faktencheckteam/ PSM:Media, 25.03.2020, Foto: Screenshot Youtube © Prof. Sucharit Bhakdi