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Kommen Ticketapps für Zugang zu Geschäften, Hotels, Fußgängerzonen?

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DIHK schlägt Ticket-Apps für geregelten Zugang zu Geschäften oder Hotels vor

Berlin- In der Debatte um weitere Lockerungen und Geschäftsöffnungen in der Corona-Krise appelliert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) an die Politik, stärker auf digitale Lösungen zu setzen.

Ticket-Systeme etwa könnten den Zugang zu Geschäften, Hotels oder auch Fußgängerzonen regulieren und so “die Spielräume für wirtschaftliches Handeln erweitern”, schlug der Verband in einem Konzeptpapier vor. Tickets könnten über entsprechende Apps bereitgestellt werden.

Digitale Ticketsysteme seien “ein äußerst wirksames und vielfältig einsetzbares Instrument zur Vermeidung von Menschenansammlungen sowohl in als auch vor Geschäften”, heißt es im DIHK-Papier, das AFP am Dienstag vorlag. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte zuerst darüber berichtet. Solche Systeme würden teilweise bereits zur Steuerung großer Touristenströme eingesetzt, warb der Verband für seinen Vorschlag.

Die Kunden könnten mit entsprechenden Apps etwa Einkaufszeiten in Geschäften, Kino- oder Friseurbesuche und andere Dienstleistung buchen. “Das entzerrt die Kundenströme, verringert somit die Ansteckungsgefahr und sorgt gleichzeitig für eine kontinuierliche Auslastung der Geschäfte.”

Ein derartiges System kann laut DIHK leicht “in bestehende Buchungs- und Reservierungsplattformen integriert werden” und auch bei der Wiederöffnung von Restaurants und Cafés helfen. Diese würden zur Kapazitätsberechnung angeben, “wie viele Plätze sie bei Einhaltung der entsprechenden Abstandsregeln anbieten können”. Im Tagestourismus könnten Tagestickets die Zahl der Gäste an typischen Hotspots wie Stränden, Seen oder Nationalparks steuern, auch für Messen oder ganze Innenstadtbereiche sei das denkbar.

Der Verband schlug außerdem vor, Echtzeitdaten zur Entzerrung von Personenströmen zu verwenden, wie es Online-Kartendienste schon zur Stauvermeidung praktizieren. So könnten Handynutzer per Push-Benachrichtigung oder Hinweis auf einer Karte gewarnt werden, “wenn die Personendichte in einem bestimmten Raum bereits sehr hoch ist”, und auch selbst beispielsweise Warnungen vor überfüllten Bussen und Bahnen absetzen.

Weiter plädierte der DIHK für einen digitalen Corona-Pass, mit dem Inhaber nachweisen könnten, “dass sie auf das Virus getestet wurden und weiterhin an Tests teilnehmen”. Dem Konzept zufolge würden die Informationen pseudonymisiert und datenschutzkonform in einer Cloud gespeichert und könnten “nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in der Wirtschaft genutzt werden, etwa beim Zugang zu Arbeitsstätten”.

“Wir brauchen kurzfristig die Erprobung solcher Modelle in verschiedenen Kommunen und Regionen”, forderte der DIHK. Auf Basis der gewonnen Erkenntnisse sollen demnach branchenübergreifende Lösungen flächendeckend genehmigt und ausgerollt werden. Sie funktionierten allerdings nur dort, “wo eine leistungsfähige digitale Infrastruktur vorhanden ist”, erklärte der Verband und forderte weiter, deren Ausbau “auch in den Zeiten der Krise” voranzutreiben.

Auf flächendeckende Geschäftskonzepte und einheitliche Regeln pocht auch der Handelsverband Deutschland (HDE), damit schnellstmöglich alle Einzelhändler wieder öffnen können. Nach den bisherigen Ladenöffnungen verhielten sich die Kunden “besonnen und risikobewusst”, erklärte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Dienstag.

Darum solle nun bundesweit auch größeren Geschäften auf Basis der geltenden Hygiene- und Verhaltensregeln und “nach einheitlichen, nicht-diskriminierenden Vorgaben” die Öffnung erlaubt werden. Konkrete Vorgaben nannte der HDE nicht, ein “föderaler Flickenteppich” müsse aber verhindert werden. Zudem müsse sichergestellt werden, dass Händler nicht für Verstöße gegen die Maskenpflicht haften.

 

AFP, 28.04.2020, Foto: Fußgängerzone in Augsburg © Albrecht Fietz