WTO Chef Roberto Azevedo tritt Ende August vorzeitig ab

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Chef der Welthandelsorganisation, Roberto Azevêdo, tritt vorzeitig von seinem Amt zurück

Genf- WTO-Chef Roberto Azevedo hat seinen vorzeitigen Rückzug von der Spitze der Welthandelsorganisation angekündigt. Er werde sein Amt bereits Ende August niederlegen, teilte Azevedo am Donnerstag in Genf mit. Regulär wäre die Amtszeit des 62-jährigen Brasilianers erst ein Jahr später zu Ende gegangen.

Die Entscheidung habe er sich nicht leicht gemacht und sie aus “persönlichen” und “familiären” Gründen getroffen, gab Azevedo zur Begründung an. Politische Absichten verfolge er mit seinem vorzeitigem Abgang nicht. Er sei überzeugt davon, dass dieser im besten Interesse der WTO sei.

Azevedo hatte vor sieben Jahren den Franzosen Pascal Lamy an der Spitze der WTO beerbt. Zuvor war der Brasilianer seit 2008 bereits ständiger Vertreter seines Landes bei der Welthandelsorganisation gewesen und hatte sich dabei einen Ruf als Konsens-Diplomat erarbeitet.

Die WTO mit Sitz in Genf gehört neben dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank zu den wichtigsten internationalen Organisationen in der Wirtschaftspolitik und nahm am 1. Januar 1995 ihre Arbeit auf. Sie soll vor allem ein Forum für Verhandlungen zum Abbau von Zöllen sowie anderen Handelshemmnissen bieten und überwachen, ob internationale Handelsabkommen eingehalten werden.

Zuletzt war die WTO aber zunehmend unter Druck geraten. So blockieren die USA, die unter der Führung von Präsident Donald Trump keinen Hehl aus ihrer Ablehnung von multilateralen Ansätzen machen, die Ernennung neuer WTO-Berufungsrichter. Die Berufungsinstanz des Streitbeilegungsmechanismus der Organisation ist deshalb seit Mitte Dezember nicht funktionsfähig. Ende März hatte sich die EU deshalb mit 15 weiteren WTO-Mitgliedern auf die Schaffung eines provisorischen Streitbeilegungsmechanismus als Überbrückungsmaßnahme geeinigt.

Zugleich kommt der Wechsel an der Spitze der WTO zu einer Zeit, in der die Corona-Pandemie weltweit zu massiven wirtschaftlichen Verwerfungen führt. Anfang April hatte die Organisation gewarnt, dass der weltweite Handel in diesem Jahr um bis zu einem Drittel einbrechen könnte. Azevedo sprach von “der vielleicht schlimmsten wirtschaftlichen Rezession zu unseren Lebzeiten”.

 

AFP, 14.05.2020, Foto: WTO-Chef Roberto Azevedo © AFP/Archiv / Fabrice COFFRINI