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Taliban schlagen überraschend Waffenruhe zum Ende des Ramadan vor

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Taliban kündigen dreitägige Waffenruhe an

Taliban- Die afghanische Regierung und die radikalislamischen Taliban haben sich auf eine dreitägige Waffenruhe verständigt. Nach der überraschenden Ankündigung der Islamistenmiliz, von Sonntag an sämtliche Angriffe vorübergehend einzustellen, kündigte Präsident Aschraf Ghani am Samstagabend an, die afghanische Armee werde ebenfalls eine dreitägige Kampfpause einhalten. Seit dem Einmarsch der US-Truppen 2001 hatte es erst einmal eine Waffenruhe zwischen den Taliban und den afghanischen Regierungstruppen gegeben.

“Ich begrüße die Ankündigung einer Waffenruhe durch die Taliban”, schrieb Ghani im Kurzbotschaftendienst Twitter. Im Fall eines Angriffs werde sich die Armee aber verteidigen.

Die Taliban hatten kurz zuvor angekündigt, während der bevorstehenden Eid-al-Fitr-Feiertage auf “offensive Operationen gegen den Feind” zu verzichten. Mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens wird von Sonntag an das Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan gefeiert. Die erste Feuerpause zwischen den Taliban und den Regierungstruppen hatte es 2018 ebenfalls während der Eid-al-Fitr-Feiertage gegeben – dies sorgte damals für spontane Feiern auf den Straßen.

Die geplante dreitägige Waffenruhe sei eine “bedeutende Chance, die man nicht verstreichen lassen sollte”, schrieb der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter. “Die USA werden ihren Teil beitragen, um zu helfen.”

Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg begrüßte am Samstag den geplanten Waffenstillstand und forderte alle Beteiligten auf, “diese Möglichkeit für Frieden zu ergreifen – zum Wohle aller Afghanen”.

Der US-Sondergesandte Khalilzad hatte mit den Taliban über Monate ein Abkommen ausgehandelt, das Ende Februar unterzeichnet wurde. Es sieht unter anderem einen Teilabzug der US-Truppen vor und soll den Weg für einen dauerhaften Frieden in Afghanistan ebnen. Nach mehreren Anschlägen mit dutzenden Toten steht der fragile Friedensprozess aber wieder auf der Kippe.

Nach Regierungsangaben starben nach Unterzeichnung des Abkommens 420 Zivilisten bei mehr als 3800 Taliban-Angriffen. Mehr als 900 Zivilisten wurden den Angaben zufolge verletzt. Nach UN-Angaben starben im vergangenen Monat 208 Zivilisten durch Taliban-Angriffe – 25 Prozent mehr als im April 2019. Durch die Armee seien 172 Zivilisten getötet worden, 38 Prozent mehr als im April 2019.

Taliban-Chef Haibatullah Achundsada hatte die USA am Mittwoch aufgefordert, die Chance auf ein Ende des jahrzehntelangen Konflikts nicht verstreichen zu lassen. Die Taliban fühlten sich dem Abkommen weiter “verpflichtet”, erklärte er. Auch die “andere Seite” solle sich an ihre Zusagen halten und diese “entscheidende Chance” nicht vertun.

Die geplanten innerafghanischen Friedensgespräche mit den Taliban soll der Erzrivale von Präsident Ghani, Abdullah Abdullah, leiten. Er war am vergangenen Wochenende zum Vorsitzenden des Nationalen Aussöhnungsrates gekürt worden, um den andauernden Machtkampf mit Ghani zu beenden.

 

AFP, 24.05.2020, Foto: Afghanische Soldaten in Kundus © AFP/Archiv / STR