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Lufthansa fällt aus dem Dax – Deutsche Wohnen steigt auf

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Deutschlands zweitgrößtem Vermieter rückt ein weiterer Immobilienkonzern in den Leitindex auf

Die größte deutsche Fluggesellschaft fällt aus dem Deutschen Aktienindex (Dax): Die Lufthansa steigt wegen ihres in der Corona-Krise stark gefallenen Börsenwerts in den MDax der mittelgroßen Unternehmen ab. In den Index der 30 größten deutschen Konzerne rückt stattdessen der Berliner Immobilienkonzern Deutsche Wohnen auf.

Der Abstieg der Lufthansa wird zum 22. Juni wirksam, wie die Deutsche Börse am Donnerstagabend mitteilte. Grundlage sei die sogenannte Fast-Exit-Regel: Ein Unternehmen wird aus dem Index genommen, wenn es sich mit Blick auf Marktkapitalisierung, also den Börsenwert, und den Handelsumsatz nicht mehr höher als Rang 45 im Dax befindet. Die Deutsche Börse legt dabei eine mittelfristige Betrachtung zugrunde; kurzfristige Marktkapriolen sollen sich so nicht zu stark auf die Zusammensetzung eines Index auswirken. Bei der Marktkapitalisierung wird etwa der Durchschnitt der letzten 20 Handelstage zugrunde gelegt, beim Umsatz der Durchschnitt der letzten zwölf Monate.

Der Aktienkurs der Lufthansa war bereits vor Beginn der Corona-Krise im Sinkflug; danach brach er ein. Am Donnerstagabend lag der Kurs bei 10,31 Euro, ein Verlust von 37 Prozent seit Jahresbeginn. Der Börsenwert betrug damit knapp 4,8 Milliarden Euro. Am Freitagmorgen stieg der Kurs um mehr als fünf Prozent auf rund 10,90 Euro.

Die Lufthansa war seit fast 32 Jahren ununterbrochen im Dax. Einen Höchststand erreichte der Aktienkurs Ende 2017 mit mehr als 31 Euro. Zu Jahresbeginn 2020 stand der Kurs bei rund 15 Euro. Mit Beginn der Corona-Krise stürzte er zeitweise auf unter sieben Euro ab.

Die Airline machte im ersten Quartal 2,1 Milliarden Euro Verlust und erwartet eine nur langsame Erholung der Passagierzahlen auf das Vorkrisenniveau. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat bereits eine tiefgreifende Umstrukturierung angekündigt.

Spohr hatte mit Blick auf den bevorstehenden Abstieg in den MDax bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Mittwoch gesagt: “Die Regeln sind, wie sie sind.” Für die Lufthansa als Dax-Gründungsunternehmen “tut das weh”. Andererseits sei es in der aktuellen Situation “nicht so relevant”, ob die Lufthansa im Dax oder im MDax sei. Durch die staatlichen Hilfen sei der Konzern stabilisiert.

Die Lufthansa bekommt umfangreiche Unterstützung von der Bundesregierung. Das Rettungspaket umfasst neun Milliarden Euro. Dafür muss die Lufthansa auf Druck der EU-Kommission Start- und Landerechte abgeben. Die Aktionäre müssen dieser Vereinbarung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni noch zustimmen.

Deutsche Wohnen besitzt fast 164.000 Wohnungen und ist in Deutschland damit die Nummer zwei. Der Börsenwert des Konzerns mit 3500 Beschäftigten beträgt derzeit fast 15 Milliarden Euro. Der größte deutsche Vermieter, Vonovia, ist bereits seit September 2015 im Dax.

Wie die Deutsche Börse mitteilte, gab es im MDax und im SDax noch weitere Bewegung. In den MDax aufgenommen wird demnach das Vermarktungsunternehmen Ströer. Es ersetzt dort die Deutsche Pfandbriefbank AG, die nach der Fast-Exit-Regel aus dem Index genommen wird und in SDax wechselt. Neu aufgenommen werden im SDax-Index demnach außerdem die Unternehmen Dr. Hönle AG und Atoss Software.

 

AFP, 05.06.2020, Foto: Stillgelegte Passagiermaschine der Lufthansa stehen auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens © dpa