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Flugmanöver LULUL 1B am Flughafen BER- Was steckt dahinter?

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Drei Sekunden nach Abheben am BER geht es in die extreme Kurve

Berlin- Im Oktober soll der Berliner Flughafen BER endlich in Betrieb genommen werden. Doch Piloten sind nicht so begeistert, denn bei Ostwind sollen sie direkt nach dem Start in 180 Metern Höhe eine steile Kurve fliegen.

Seit Jahren sorgt die Flugroute LULUL 1B am künftigen deutschen Hauptstadtflughafen für Debatten. Vor der Eröffnung des BER Ende Oktober ist die sogenannte Hoffmannkurve erneut im Gespräch. Der Grund für all das: Die 145-Grad-Rechtskurve startet schon kurz nach dem Start in einer Höhe von nur etwa 600 Fuß oder 183 Meter über Meeresspiegel, beziehungsweise circa 500 Fuß oder 152 Meter über Grund.

Genutzt wird die Hoffmannkurve von der Südbahn bei Ostwind. Sie erspart mehreren Ortsteilen und Gemeinden im Süden Berlins Lärm. Die Pilotengerwerkschaft Vereinigung Cockpit hat allerdings schon lange Sicherheitsbedenken.

Die Vereinigung Cockpit kritisiert die sogenannte Hoffmann-Kurve am BER. Dabei ist die Kurve genehmigt und ähnliche Routen gibt es auch an anderen Flughäfen.

Was ist das Problem dabei?
Bei einem solchen Manöver, so ein Sprecher der Vereinigung Cockpit, würden öfter Fehler passieren als beim normalen Startvorgang. Auch das Wetter spiele eine Rolle – starker Wind, Nebel und Regen beeinträchtigen die Sicht und das Flugverhalten und machen solche Manöver noch schwieriger. Wenn es auf dieser relativ niedrigen Höhe in der Kurve zu einem Vogelschlag kommt oder ein Triebwerk ausfällt, ist das etwas anderes, als wenn so etwas in 2000 Fuß Höhe geschieht. Man befindet sich in einer schrägen Fluglage nahe am Boden und kann weniger schnell steigen und es ist schwieriger, zu manövrieren.

Was halten Sie von den Bezeichnungen Stunt- oder Kotzkurve, die es für die Hoffmannkurve auch gibt?
Es ist kein Stunt, diese Kurve zu fliegen. Es werden sich auch nicht reihenweise Leute übergeben. Aber es gibt viele Passagiere mit Flugangst oder zumindest viel Respekt vor dem Fliegen. Wenn so jemand diese Kurve direkt nach dem Start durchlebt – vor allem unvorbereitet, wenn der Pilot keine erklärende Ansage macht vorher –, wird derjenige zumindest schweißnasse Hände bekommen.

Die Inbetriebnahme des Berliner Flughafens BER soll am 31. Oktober erfolgen. Er wurde im Süden des bereits bestehenden Flughafens Berlin-Schönefeld gebaut – Schönefeld wird auch weiterhin in Betrieb bleiben. Anders ist das für Tegel, die Eröffnung des BER bedeutet hier das Ende: Am 8. November soll der Airport Tegel vom Netz gehen.

 

V. i. S. d. P.: Vereinigung Cockpit,07.10.2020, Foto: Systembild für: Flugmanöver LULUL 1B am Flughafen BER- Was steckt dahinter © Dominic Wunderlich