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Ansteckungsgefahr Corona-Ansteckung- Wo ist das Risiko am größten?

Veröffentlicht von Presse

Coronavirus: Wo infizieren sich die Menschen am häufigsten? – Studie aus Großbritannien deckt auf

Berlin- Daten einer Studie zufolge, könnten sich Menschen häufiger als bisher gedacht in Supermärkten mit dem Coronavirus* infizieren. Die Studie basierte auf zusammengestellten Daten der sogenannten „Trace App“ und Tests des National Heath Service(NHS).

Die britische Gesundheitsbehörde analysierte die Daten von insgesamt 128.808 Menschen, die sich zwischen dem 5. und 9. November mit dem Coronavirus* infiziert hatten. Durch die App konnte herausgefunden werden, wo die Menschen Kontakt hatten, bevor sie positiv getestet wurden. Dabei wurden Supermärkte als Hauptkontaktpunkt Nummer eins festgestellt. 18,3 Prozent der Menschen, die sich infiziert hatten, hatten laut Studie einen Supermarkt besucht oder arbeiteten dort. An der zweiten Stelle listet die Behörde weiterführende Schulen mit 12,7 Prozent auf. Auch in Grundschulen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen seien die Übertragungswege hoch.Gleichzeitig wies die Gesundheitsbehörde daraufhin hin, dass die Daten nicht beweisen könnten, wo sich Menschen tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert hatten.

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19. November: Positive Phase-II-Daten gibt es nun auch vom vektorbasierten Impfstoffkandidaten ChAdOx1 nCoV-19, der von der Universität Oxford entwickelt wurde. Die Vakzine ist bisher an 560 Probanden getestet worden, darunter auch 240 Personen über 70 Jahre, also an einer besonders vulnerablen Risikogruppe. Die Vakzine sei von älteren Studienteilnehmern besser vertragen worden als jüngeren, insgesamt aber sicher, berichten die Forscher. Die unerwünschten Wirkungen waren demnach mild. Auch sei nach zweimaliger Impfung eine ähnliche B- und T-Zellantwort in allen Altersgruppen (18-55 Jahre, 56-69 Jahre sowie über 70 Jahre) erreicht worden. Erste Antikörper konnten dabei bereits 14 Tage nach der ersten Impfung detektiert werden, schreibt das Team um Dr. Maheshi Ramasamy. Der Impfstoff basiert auf einem abgeschwächten Adenovirus aus Schimpansen (ChAd), das die Information für das vollständige Spike-Protein von SARS-CoV-2 enthält. Der gleiche adenovirale Vektor wird auch in Impfstoffen gegen MERS verwendet und hat sich hier ebenfalls als sicher erwiesen (Lancet 2020; online 18. November).

Acht Monate nach überstandener COVID-19 haben Rekonvaleszenten immer noch genug Abwehrzellen, um eine erneute SARS-CoV-2-Infektion abzuwehren. Das berichten Forscher vom La Jolla Institute of Immunology in Kalifornien in einem Preprint-Paper. Die von ihnen beobachtete sehr langsame Abnahme solcher Immunzellen im Blut legt zudem nahe, dass diese für sehr lange Zeit im Körper persistieren könnten. Für die Studie wurden Blutproben von 185 Rekonvaleszenten im Alter von 19 bis 81 analysiert. Die meisten hatten milde Symptome gehabt. Im Fokus standen 38 Probanden mit mehreren Proben über viele Monate. Daraus isoliert wurden außer spezifischen Antikörpern auch B-Zellen (Gedächtniszellen) sowie CD4+- und CD8+-T-Zellen. Ergebnis: Die Antikörpertiter nahmen nach sechs bis acht Monaten in moderatem Maße ab. Die T-Zell-Titer gingen nur langsam zurück, die B-Zellen nahmen sogar zu. „Wir wissen nicht, ob wir uns über Reinfektionen Sorgen machen müssen. Belege einer solchen dauerhaften und robusten Immunreaktion sind aber ermutigend“, kommentiert der Virologe Dr. Jeffrey Shaman von der Columbia University in der „New York Times“ die Befunde (bioRxiv 2020; online 16. November).

18. November- Der chinesische Totimpfstoffkandidat „CoronaVac“ ist Phase 1/2-Studiendaten zufolge sicher und immunogen – wenn auch nicht in dem Maße wie eine natürliche Infektion. Die Vakzine wurde an über 700 Probanden zwischen 18 und 59 Jahren geprüft. Der primäre Sicherheitsendpunkt war das Auftreten schwerer unerwünschter Wirkungen bis zu Tag 28 nach Impfung. Die Inzidenz an Nebenwirkungen war in den Gruppen mit niedrig- oder hochdosierter Impfung (3 beziehungsweise 6 g) ähnlich, was darauf hindeuten könnte, dass keine dosisbezogenen Sicherheitsbedenken bestehen. Die meisten unerwünschten Wirkungen waren mild und verschwanden innerhalb von 48 Stunden, am häufigsten berichteten die Teilnehmer von Schmerzen an der Injektionsstelle. Nur bei einem Probanden traten eine akute Hypersensitivität und Urtikaria auf, der Teilnehmer hatte die höhere Impfdosis erhalten. Der primäre Immunogenitätsendpunkt war die Serokonversion, dieser wurde sowohl mit der geringeren, 3 g-Dosis als auch der 6 g-Dosis erreicht. Allerdings scheint der Impfstoff keine so hohe Immunantwort zu induzieren wie eine SARS-CoV-2-Infektion: Bei Rekonvaleszenten lagen die Antikörpertiter deutlich höher, berichtet das Team um Yanjun Zhang vom Zhejiang Provincial Center for Disease Control and Prevention in Hangzhou. Dennoch seien sowohl beim Impfschema 0-14 als auch beim Impfschema 0-28 relativ schnell Antikörper gebildet worden. Das Impfschema 0-14 könnte sich daher auch als Notfallbehandlung eignen (Lancet Inf Dis 2020; online 17. November).

Die Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes hatte keinen signifikanten Einfluss auf die Inzidenz von SARS-CoV-2-Infektionen, so das Ergebnis einer randomisiert kontrollierten Studie aus Dänemark. Die Autoren betonen allerdings, dies sei wegen mehrerer Limitierungen auch zu erwarten gewesen. So sei die Inzidenz im Studienzeitraum generell niedrig gewesen, zudem hätten die Probanden eine unterschiedliche Adhärenz gezeigt. Der Hälfte der rund 6000 Studienteilnehmer war empfohlen worden, während der drei Stunden, die sie täglich mindestens im Freien verbrachten, eine Maske zu tragen, der anderen Hälfte nicht. Nach einem Monat wurden sie nach einem positiven Antikörper- oder PCR-Test oder einer klinischen COVID-19-Diagnose befragt. Nur etwa 4800 nahmen bis zum Ende an der Studie teil. Die Inzidenz lag nach vier Wochen in der Gruppe, denen das Tragen einer Maske empfohlen worden war, bei 1,8 Prozent. In der Kontrollgruppe lag sie bei 2,1 Prozent – kein signifikanter Unterschied. Die Untersuchung verdeutlicht allerdings eindrücklich, von wie vielen, sehr variablen Faktoren Studien zur Wirkung von nicht-pharmazeutischen Interventionen (NPI) bei der Pandemiebekämpfung abhängen (Ann Intern Med, online 18. November).

17. November: SARS-CoV-2 kann einer kleinen Studie zufolge auch die Muskelfasern des Zwerchfells infizieren und hier eine für COVID-19 typische und schwere Fibrosierung auslösen. Für ihre Studie hatten sich Wissenschaftler das Diaphragma von 26 COVID-19-Gestorbenen genauer angesehen und mit denen von acht gestorbenen Intensivpatienten verglichen, die nachweislich nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, aber ebenfalls mechanisch beatmet werden mussten. 92,3 Prozent der COVID-19-Patienten mussten beatmet werden, im Mittel über zwölf Tage. Auch die Vergleichsgruppe war über einen ähnlich langen Zeitraum hospitalisiert und beatmet worden. Das Team um Dr. Zhonghua Shi vom Uniklinikum Amsterdam konnte bei vier COVID-19-Patienten (15,4 Prozent) RNA des neuen Coronavirus im Diaphragma detektieren. Bei diesen Patienten hatte die Infektion offenbar zu einer Veränderung der zellulären Abläufe geführt, so waren Signalwege angeschaltet, die zu einer Fibrosierung führen. Dementsprechend war das Epimysium und Perimysium der Muskelfaserzellen des Zwerchfells doppelt so stark fibrosiert wie das Zwerchfell von Patienten der Kontrollgruppe (JAMA Intern Med, online 16. November).

Mit den Folgen der Corona-Pandemie auf junge Erwachsene zwischen 18 und 35 haben sich US-Forscher beschäftigt. Demnach berichteten 80 Prozent von rund 1000 anonym Befragten über depressive Symptome, 61 Prozent von moderaten bis schweren Angstzuständen. Die Studie zeigt dabei auch, dass dies mit Konsum von Alkohol und Drogen assoziiert ist: 80 Prozent gaben an, Alkohol zu trinken, 30 Prozent davon sogar in bedenklichen Mengen. Auch „Binge Drinking“ gaben relativ viele der jungen Erwachsenen an, fast jeder Zweite hatte sich im Monat vor der Befragung wenigstens einmal derart betrunken. 22 Prozent der Teilnehmer nahmen Drogen, jeder Dritte berichtete dabei sogar von schwerem Drogenkonsum. Dies könne über die Pandemie hinausdauernde Folgen für eine ganze künftige Generation haben, warnen die Forscher der Universität Miami und raten dringend zu Präventions- und Interventionsmaßnahmen (J Psychoactive Drugs, online 28. Oktober).

16. November: Schulschließungen in den USA könnten 5,53 Millionen Lebensjahre gekostet haben. Ergebnisse einer entsprechenden Modellrechnung von US-Wissenschaftlern basieren auf der Annahme, dass durch die verlorenen Unterrichtsstunden ein geringerer Bildungsstand zu erwarten ist, der wiederum mit einer geringeren Lebenserwartung der Schüler zusammenhängen könnte. In den USA waren 24,2 Millionen Kinder zwischen fünf und elf Jahren von den ersten Schulschließungen betroffen, berichten die Forscher um Dr. Dimitri Christakis von der University of Washington in Seattle. Im Mittel sei der Schulunterricht für 54 Tage ausgefallen. Bei jedem Schüler soll sich die Lebenserwartung dadurch um 0,31 Lebensjahre verringert haben, bei jeder Schülerin um 0,21 Jahre. Zum Vergleich: Laut US-Seuchenbehörde CDC gab es bis Ende Mai in den USA 88.241 COVID-19-Tote. Den dadurch erlittenen Verlust an Lebensjahren beziffern die Wissenschaftler auf 1,5 Millionen Lebensjahre. Mögliche kompensatorische Effekte, etwa ein Nachholen des Unterrichts, beinhaltet das Modell von Christakis et al. nicht (JAMA Netw Open 2020; online 12. November).

Mehr als jeder zweite COVID-19-Patient leidet einer kleinen Studie zufolge nach Genesung an Fatigue. 128 Erkrankte befragte das irische Team um Dr. Liam Townsend zehn Wochen nach ihrer Genesung mittels Chalder Fatigue Scale (CFQ-11). Die Hälfte von ihnen war zuvor hospitalisiert worden, darunter auch Patienten, die eine mechanische Beatmung benötigten und auf einer Intensivstation versorgt wurden. 52,3 Prozent der 128 COVID-19-Patienten berichteten nach ihrer Genesung von Fatigue – und zwar unabhängig von der Schwere der Erkrankung. Fast jeder Dritte konnte noch nicht wieder arbeiten. Das Auftreten des Symptoms war zudem nicht mit der Konzentration inflammatorischer Marker im Blut der Patienten assoziiert. Etwas häufiger betroffen waren Frauen und Menschen, die bereits zuvor unter Depressionen und/oder Angstzuständen gelitten hatten (PLoS One 2020; online 9. November).

13. November: Positive PCR-Tests nach durchgemachter COVID-19 sind meist unbedeutend. Italienische Forscher haben 32 Rekonvaleszenten untersucht, die keine Symptome mehr hatten sowie per PCR zweimal negativ auf SARS-CoV-2 getestet waren, im darauf folgenden Zeitraum aber erneut mehrere positive PCR-Testergebnisse hatten. Unklar ist in diesen Fällen, ob die Rekonvaleszenten tatsächlich infektiös sind und erneut in Isolation müssen, erinnert das Team um Dr. Flora Marzia Liotti. Mit einem speziellen Test auf „replikative SARS-CoV-2 RNA“ testeten Liotti und ihre Kollegen die Rekonvaleszenten daher erneut. „Replikative“ oder „subgenomische“ RNA weist darauf hin, dass das Virusgenom tatsächlich abgelesen wird und SARS-CoV-2 in der Zielzelle replizieren kann. Nur bei einem einzigen Rekonvaleszenten ließ sich diese replikative RNA tatsächlich feststellen, was also auf eine aktive Infektion hindeutet (JAMA Intern Med. 2020; online 12. November).

In frühen Stadien von COVID-19 gibt es bei Interferon-beta-1a-Inhalation oder auch bei Therapie mit dem SSRI Fluvoxamin Hinweise auf einen Nutzen. Britische Forscher vom General Hospital in Southampton haben 100 stationär behandelte Patienten (zwei Drittel bekamen Sauerstoff) nach dem Zufallsprinzip mit dem Interferon oder Placebo behandelt. Patienten der Verumgruppe hatten im Vergleich zu Placebo nach 15 Tagen 2,3 Punkte Vorsprung auf der OSCI-Skala. Mit dieser 9-Punkte-Skala (9=Tod) wird die Schwere der Erkrankung bewertet. Ebenso verbesserte Fluvoxamin (100mg 3× täglich über 15 Tage) in einer Studie an der Klinik der Washington University in St. Louis (USA) die Genesungschancen hospitalisierter COVID-19-Patienten. Die 152 Teilnehmer bekamen randomisiert den SSRI oder Placebo. Ergebnis: Nach 15 Tagen hatten sich die Symptome bei keinem Patienten in der Verumgruppe verschlechtert, aber bei sechs in der Placebogruppe. Beide Studien war allerdings zu klein für generalisierbare Ergebnisse, und die Forscher raten davon ab, die Arzneien außerhalb von klinischen Studien zu verwenden (Lancet Resp Med 2020; online 12. November und JAMA 2020; online 12. November).

 12. November: Nach überstandener COVID-19 besteht ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen. Und umgekehrt ist eine psychische Erkrankung offenbar ein eigenständiger Risikofaktor für COVID-19. Das berichten Forscher von der Universität Oxford. Sie haben elektronische Krankenakten von 62.354 Patienten mit COVID-19-Diagnose zwischen Januar und August 2020 aus dem „TriNetX Analytics Network“ in den USA ausgewertet. Binnen 14 bis 90 Tage nach Diagnose erkrankten 18 Prozent an einem psychischen Leiden (etwa Angststörungen, Insomnie oder Demenz). Das Risiko, in dieser Zeit eine psychische Störung zu bekommen, war dabei doppelt so hoch im Vergleich zu sechs anderen häufigen Erkrankungen (Influenza, Atemwegsinfekt, Hautinfektion, Cholelithiasis, Urolithiasis, Fraktur). Bei 5,8 Prozent der Betroffenen wurde die psychiatrische Diagnose erstmals gestellt. 1,6 Prozent der Betroffenen über 65 erhielten erstmals eine Demenz-Diagnose. Zudem hatten Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen im Vergleich zu Patienten ohne ein 1,6-fach erhöhtes COVID-19-Risiko. Die Forscher plädieren dafür, Patienten nach überstandener COVID-19 verstärkt auf psychische Störungen zu untersuchen (Lancet Psychiatry 2020; online 9. November).

10. November: Enge Wohnverhältnisse in Altenheimen (etwa Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsbäder) sind mit einer erhöhten COVID-19-Sterberate assoziiert. Das berichten Forscher von Public Health Ontario in Toronto (Kanada). Das Team hat retrospektiv Daten aus 618 kanadischen Heimen mit über 78.000 Bewohnern aus der Zeit zwischen Ende März und Mai analysiert. In dieser Zeit waren 5218 der Heimbewohner (6,6 Prozent) an COVID-19 erkrankt und 1452 (1,8 Prozent) daran gestorben. Die Zahl der Infektionen war dabei ungleich verteilt: 86 Prozent der Fälle traten in nur zehn Prozent der Heime auf. Die Forscher konnten zeigen, dass Heime mit zwei und mehr Bewohnern pro Schlafraum und Badezimmer besonders stark von COVID-19 betroffen waren. Verglichen mit Heimen mit mehr Platz war die Sterberate mehr als verdoppelt (1,3 vs 2,7 Prozent). Vor allem Vierbettzimmer waren mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Durch Umwandlung dieser Zimmer in Zweibettzimmer hätten sich knapp jede fünfte Infektion und jeder fünfte Todesfall vermeiden lassen (JAMA Intern Med. 2020; online 9. November).

09. November- Britische Forscher finden Kreuzreaktivität durch Erklärungscoronaviren bei jedem Zwanzigsten. Bei 16 von 302 Probanden in einer britischen Studie fand sich eine Immunantwort auf SARS-CoV-2, obwohl diese Personen nachweislich nicht mit dem neuen Coronavirus infiziert waren. Die Forscher vermuten bei diesen 5,29 Prozent eine „Immunisierung“ durch vorangegangene Infektionen mit saisonalen Coronaviren. Die IgG-Antikörper zeigten eine Kreuzreaktivität gegen die S2-Untereinheit des Spike-Proteins von SARS-CoV-2. Das Spike-Protein steht bekanntlich im Fokus der Impfstoffentwicklung. Auffallend in der Untersuchung war, dass insbesondere Kinder und Jugendliche eine ausgeprägte Kreuzreaktivität aufwiesen: In einer Kohorte von 48 Ein- bis 16-Jährigen, die nicht mit SARS-CoV-2 infiziert waren, konnten die Forscher diese IgG-Antikörper bei 21 (43,8 Prozent) nachweisen. Das könnte erklären, warum Kinder und Jugendliche seltener erkranken, Älterere dafür umso öfter (Science 2020; online 6. November).

Infizierte Kinder bilden weniger und schwächere Antikörper (AK) gegen SARS-VoV-2 als Erwachsene, berichten US-Forscher vom Columbia University Irving Medical Center. Sie haben Rekonvaleszenten-Plasma von 47 Kindern und 32 Erwachsenen verglichen, und zwar von Patienten mit unterschiedlich schweren Krankheitsverläufen (ambulante oder stationäre Therapie) in der Zeit von März bis Juni. Ergebnis: Bei Kindern gab es vor allem IgG-AK gegen das Virus-Spike-Protein. Bei Erwachsenen fanden sich auch AK gegen weitere Virusproteine, und diese hatten im Vergleich eine stärkere virus-neutralisierende Wirkung. Der Befund könnte ein Hinweis darauf sein, dass Kinder sich selten schwer mit dem Virus infizieren und daher auch weniger AK bilden, so die Forscher. Und: Bei keinem Kind wurden AK gegen das „Nukleokapsid-Protein“ des Virus gefunden. Das N-Protein sei aber die Basis vieler Tests, die damit offenbar zurückliegende Infekte bei vielen Kindern nicht erkennen könnten, so die Forscher (Nature Immunol 2020; online 5. November).

In München waren während der ersten Infektionswelle viermal so viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert wie nach den offiziellen Fallzahlen zu vermuten gewesen wäre. Das haben Untersuchungen in der prospektiven COVID-19-Kohorte München (KoCo19) ergeben. In der repräsentativen Gruppe von 5313 Einwohnern im Alter ab 13 wurden bei etwa 1,8 Prozent Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 gefunden, berichten die Forscher um Professor Michael Hölscher von der LMU. Nach den Fallzahlen bis April war aber nur von einer Infektionsrate in der Münchener Bevölkerung von 0,4 Prozent ausgegangen worden. Basierend auf den KoCo19-Antikörperbefunden und den zum Ende der Feldarbeit den Behörden gemeldeten COVID-19-Todesfällen in München ergab sich eine Sterberate von 0,76 Prozent der Infizierten. Dies sei eine um ein Vielfaches höhere Rate als bei saisonalen Grippeinfektionen (Publikation auf Klinikum LMU-Website).

06. November: COVID-19 geht bei Infarktpatienten mit ausgeprägteren Koronarthrombosen einher. Darauf deutet eine retrospektive Auswertung von 348 STEMI-Fällen aus sieben Londoner Herzzentren im März und April. Die Daten hatten die Forscher mit denen von 440 Fällen aus dem Vorjahreszeitraum verglichen. Danach wurden während der Corona-Pandemie 21 Prozent weniger STEMI-Patienten hospitalisiert. Die STEMI-Patienten mit COVID-19 hatten ausgeprägtere Koronarthrombosen und waren häufiger intensivpflichtig als Patienten ohne eine SARS-CoV-2-Infektion (33 vs. 9 Prozent). Auch das Sterberisiko war bei COVID-19 erhöht: 22 vs. 9 Prozent (Open Heart 2020; 7: e001432).

SARS-CoV-2 in Singapur hat besonders in Haushalten zu Sekundärinfektionen geführt. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher, die die Daten von 1114 Infizierten und 7770 Kontakten aus dem Frühjahr untersucht haben. Körperliche Nähe, das Teilen eines Schlafzimmers, lange Gespräche während des Kontaktes und gemeinsame Autofahrten waren danach weitere Risikofaktoren für eine Übertragung von SARS-CoV-2. Im Gegensatz dazu führten gemeinsame Mahlzeiten oder die gemeinsame Nutzung von Toiletten nicht zu einem zusätzlichen Anstieg des Infektionsrisikos (Lancet Infect Dis 2020; online 2. November).

05. November: Statine sollten nicht aufgrund der COVID-19-Pandemie oder einer SARS-CoV-2-Infektion abgesetzt werden. Denn: Bei COVID-19-Patienten, die bereits vor ihrer Hospitalisierung mit Statinen behandelt wurden, lässt sich eine verringerte Mortalität feststellen, berichten spanische Forscher. Sie werteten dazu Daten von 2159 COVID-19-Patienten aus 19 katalonischen Krankenhäusern aus. Ein Ergebnis: Die Sterberate von Patienten ohne Statinbehandlung lag bei 25,4 Prozent, die von Patienten mit Statinbehandlung bei 19,8 Prozent. Das entspricht einer um relative 22 Prozent niedrigeren Rate. Wurde die Statinbehandlung in der Klinik fortgesetzt, war dieser Wert sogar um relative 25 Prozent niedriger. Patienten unter Statintherapie hatten auch – allerdings statistisch nicht signifikant – weniger schwere Covid-19 Verläufe. (Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother 2020; online 2. November).

Eine SARS-CoV-2-Infektion kann unter besonderen Umständen auch mehrere Monate andauern: Wissenschaftler aus Hamilton im US-Staat Montana berichten von einer 71-Jährigen mit lymphatischer Leukämie und erworbener Hypogammaglobulinämie, die bei Klinikaufnahme wegen akuter Anämie auch positiv auf SARS-CoV-2 in den oberen Atemwegen getestet wurde. Viren konnten über einen Zeitraum von 105 Tagen nach dem ersten positiven Test hinweg nachgewiesen werden. 70 Tage lang waren die Viren auch infektiös. Die Frau blieb über die gesamte Zeit von mehr als drei Monaten asymptomatisch. Den Forschern zufolge konnte sich das Virus so lange im Körper der Patientin halten, da ihr geschwächtes Immunsystem nicht zu einer entsprechenden Immunantwort in der Lage war. Die Patientin erhielt zwei Zyklen von Rekonvaleszentenplasma. Erst einige Wochen danach war das Virus dann nicht mehr nachweisbar (Cell 2020; online 4. November).

04. November: SARS-CoV-2 kann im Lungengewebe einer Studie zufolge zu einem völligen Umbau der Organstruktur führen. Dies könnte auch eine Ursache für COVID-19-Langzeitfolgen sein, vermuten Wissenschaftler um Professor Rossana Bussani von der Universität Triest. Neben den bereits bekannten deutlichen Schädigungen durch thrombotische Ereignisse in den Lungenvenen und –arterien stellten das Team bei Untersuchung von 41 gestorbenen COVID-19-Patienten auch fest, dass die Pneumozyten zum Teil zu einem Syncytium fusioniert waren, dabei also mehrere große Zellen mit jeweils mehreren Zellkernen entstanden sind. Ursache ist wohl die Infektion mit SARS-CoV-2 an sich, die das Verschmelzen der Zellen hervorruft (eBioMedicine; online 3. November).

Das neue Coronavirus kann im Korneagewebe nicht replizieren. Was auch deutsche Opthalmologen bereits berichtet haben, bestätigt nun eine neue Studie: Im Gegensatz zu beispielsweise dem Zika- oder dem Herpes-simplex-Virus-1 ist die Kornea keine Eintrittspforte für SARS-CoV-2. Einige COVID-19-Patienten berichteten zwar von einer Konjunktivitis, diese sei aber wohl eher eine sekundäre Reaktion auf die Inflammation in Folge der Virusinfektion, schreiben die Forscher der University School of Medicine in St. Louis. Für ihre Studie hatte das Team explantierte humane Korneae genutzt und mit einem SARS-CoV-2-Isolat infiziert (Cell Reports 2020; online 3. November).

03. November: Schwangere haben wohl ein höheres Risiko als Nichtschwangere für eine Intensivpflicht, mechanisch beatmet werden zu müssen oder zu sterben. Das hat eine Auswertung der US-amerikanischen Seuchenbehörde CDC bestätigt. Die Behörde hatte Daten von rund 1,3 Millionen symptomatischen Frauen in den USA im Alter zwischen 15 und 44 Jahren mit labor-bestätigter SARS-CoV-2-Infektion ausgewertet, darunter Daten von rund 23.000 Schwangeren. Bekannt war bereits, dass Schwangere ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf haben und dass die Diagnose oft schwerer zu stellen ist, da bei ihnen häufig die Symptome Fieber und Myalgie fehlen (siehe unser Corona-Update vom 28. September). Für die CDC-Auswertung justierten die Forscher die Daten für die Faktoren Alter, Ethnizität und Vorerkrankungen. Ergebnis: Schwangere Infizierte hatten im Vergleich mit nichtschwangeren Infizierten ein signifikant höheres Risiko für eine Aufnahme auf die Intensivstation (justiertes relatives Risiko [adjusted risk ratio, ARR]: 3), für invasive Beatmung (ARR 2,9) für eine extrakorporale ECMO-Beatmung (ARR 2,4) und zu sterben (ARR 1,7). Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es während der globalen SARS-CoV-2-Pandemie notwendig ist, Schwangere darin zu beraten, bei COVID-19-Symptomen sofort medizinische Hilfe aufzusuchen und auf entsprechende Vorsichts- und Hygienemaßnahmen zu achten (Morb Mortal Wkly Rep 2020; online 2. November).

02. November: Die ASS-Gabe korreliert mit einem besseren COVID-19-Verlauf. Patienten, die mit ASS behandelt wurden, benötigen US-Daten zufolge nur halb so oft ein Intensivbett und eine mechanische Beatmung wie Patienten ohne ASS. Auch das Sterberisiko ist wohl in etwa halbiert. Das berichten Forscher aus Baltimore, die Registerdaten von 412 hospitalisierten COVID-19-Patienten analysiert haben. Bekannt ist ja, dass COVID-19 mit einer erhöhten Thromboseneigung einhergeht, was einerseits zur hohen Sterberate unter älteren Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen beiträgt, andererseits die Lungenfunktion beeinträchtigt: So ist die Rate von Mikrothrombosen in den Alveolarkapillaren bei COVID-19 etwa neunmal so hoch wie bei einer Influenzapneumonie, schreiben die Forscher um Dr. Jonathan Chow. Ob die Patienten bereits vor der Klinikaufnahme ASS bekommen hatten oder erst bei Aufnahme, hatte keinen Einfluss auf den beobachteten Effekt von ASS. Aber: Ob es tatsächlich am ASS oder anderen Faktoren liegt, ist noch unklar. Denn Patienten mit ASS bekommen in der Regel noch weitere kardiovaskuläre Medikamente, die ebenfalls den COVID-19-Verlauf beeinflussen könnten, geben die Forscher zu bedenken (Anesthesia & Analgesia 2020; online 21. Oktober). (mut)

Neuer Arznei-Kandidat? Forscher aus Frankfurt und aus Kent haben in Zellstudien herausgefunden, dass ein Proteaseinhibitor SARS-CoV-2 offenbar an der Replikation und am Zelleintritt hindert. Es handelt sich um den Wirkstoff Aprotinin, der früher zur Behandlung von Blutungen eingesetzt wurde, die auf einer Hyperfibrinolyse beruhen. Aprotinin ist in Russland, laut einer Mitteilung der Universität von Kent zur Veröffentlichung der Studie, als Aerosol zur Behandlung von Patienten mit Influenza zugelassen. Dieses könnte nun zügig auf eine therapeutische Wirkung bei COVID-19 getestet werden. Das Aprotinin-Aerosol könnte bei rechtzeitiger Anwendung eine Progression hin zu einem schweren Verlauf verhindern, mutmaßen die Wissenschaftler (Cells 2020; online 30. Oktober).

30. Oktober: Die Sterberate bei schweren Verläufen von COVID-19 geht deutlich zurück, berichten Forscherteams aus den USA und England. Im Großraum New York etwa zeigt das eine Analyse des Krankenversicherers „NYU Langone Health“. Ausgewertet wurden Daten von über 5000 stationär behandelten Patienten an drei Kliniken. Waren im März noch 25,6 Prozent der Patienten gestorben, waren es im August nur noch 7,6 Prozent. Der Rückgang geht durch alle Altersgruppen. Zu den Gründen dafür wird Studienautorin Dr. Leora Horwitz in der „New York Times“ zitiert: „Wir haben kein Wundermittel, aber viele, viele kleine Verbesserung addieren sich in ihrer Wirkung. Wir wissen besser, welche Patienten eine mechanische Beatmung brauchen und nach welchen möglichen Komplikationen wir schauen müssen, etwa Thrombosen oder Nierenversagen. Wir haben gelernt, wie wir die Sauerstoffsättigung überwachen müssen, so das wir Patienten zum Beispiel rechtzeitig in die Klinik einweisen können. Und wir verstehen, dass Steroide helfen können und möglicherweise auch andere Medikamente (J Hosp Med. 2020; online 23. Oktober).

Von 12.000 Blutproben von Kindern und Jugendlichen in Bayern waren 0,87 Prozent zwischen April und Juli positiv für Antikörper gegen SARS-CoV-2, berichtet das Helmholz-Zentrum München. Das waren sechsmal mehr, als in einer Studie des Landesamts für Gesundheit. Dies deute auf eine höhere Übertragungsrate hin als in bisherigen Studien beschrieben, so das Zentrum in einer Mitteilung. Die Tests waren zusätzlich beim Screening der Kinder auf Frühformen des Typ-1-Diabetes im Rahmen des Fr1da-Projekts vorgenommen worden. Die Routineuntersuchung auf Diabetes-Antikörper ergab keine Assoziation von Diabetes und Corona-Infektion. Das Zentrum hat dabei einen neuen, zweistufigen Test-Ansatz auf SARS-CoV-2-Infektion mit hoher Spezifität verwendet: Dabei gilt das Ergebnis erst dann als positiv, wenn es Antikörper sowohl gegen die Rezeptor-Bindungsdomäne als auch gegen Nukleokapsid-Proteine gibt (Med J 2020; online 28. Oktober).

29. Oktober: Einige schwerkranke COVID-19-Patienten bilden offenbar autoreaktive Antikörper gegen diverse körpereigene Proteine, darunter Typ-1-Interferone und Phospholipide. Dies könnte bei Überlebenden zu Autoimmunerkrankungen ähnlich der Rheumatoiden Arthritis (RA) oder dem systemischen Lupus Erythematodes führen. Forschern um Dr. Matthew C. Woodruff und Dr. Richard P. Ramonell von der Emory School of Medicine zufolge sind die Autoantikörper vermutlich eine Folge der überschießenden Immunreaktion, denn auch von anderen viralen Erkrankungen ist bekannt, dass sie deren Bildung triggern können. Das Team analysierte in einer kleinen, bisher noch nicht publizierten Studie die Daten von 52 COVID-19-Patienten im kritischen Zustand ohne zuvor bekannte Autoimmunität. Bei 44 Prozent von ihnen wurden unter anderem hohe Konzentrationen von Antinukleären Antikörpern (ANA) nachgewiesen (Titer ≥1:80), die hauptsächlich gegen Bestandteile des Zellkerns gerichtet sind. Rheumafaktoren wurden bei zehn Patienten detektiert. Möglicherweise könnten Therapeutika, die etwa bei RA eingesetzt werden, auch bei diesen Patienten eine Therapieoption sein, hoffen die Forscher (Preprint MedRxiv, online 28. Oktober).

Auch Hautmanifestationen bei COVID-19 können noch lange nach Genesung bestehen bleiben, berichten Dermatologen beim 29. Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology. Die Forscher um Letztautorin Dr. Esther Freeman vom Massachusetts General Hospital analysierte die Daten von rund 1000 Corona-Patienten aus 39 Ländern, die von Symptomen wie Urtikaria, Frostbeulen-ähnlichen Hautveränderungen oder papulosquamösen Eruptionen berichteten. Im Schnitt hielten die Symptome zwölf Tage an, gerade bei Patienten mit Frostbeulen-ähnlichen Hautmanifestationen können die Symptome allerdings wohl über einen langen Zeitraum bestehen bleiben: So berichtete ein Patient auch 130 Tage nach seiner Genesung noch von dem Symptom (Mitteilung der European Academy of Dermatology and Venereology; online 29. Oktober).

28. Oktober: Coronaviren sind anscheinend Meister der Mimikry. Sie tarnen sich, wie viele andere Viren auch, mit Oberflächenmolekülen, die Proteinen des menschlichen Körpers ähneln und daher vom Immunsystem nicht erkannt werden. Über 150 solcher Mimikry-Moleküle haben Forscher nun bei Coronaviren entdeckt, darunter auch solche, die Proteinen des Komplementsystems und koagulativ wirkenden Proteinen nachempfunden sind. Die Forscher vermuten, dass diese das Immunsystem in einen hyperaktiven Zustand versetzen und die typische COVID-19-Pathologie bei schweren Verläufen hervorrufen können. Die Strategie der Mimikry verfolgen Coronaviren offenbar stärker als andere Viren. In ihrem relativ kleinen einzelsträngigen RNA-Genom ist die Bauanleitung für eben jene nun gefundenen rund 150 Mimikry-Moleküle kodiert, andere Viren, etwa das Herpesvirus mit seinem doppelsträngigen DNA-Genom, haben Codes für deutlich weniger solcher Proteine, schreiben die Forscher um Dr. Gorka Lasso vom Columbia University Medical Center in New York (Cell Systems 2020; online 13. Oktober)

27. Oktober: Nicht nur Antikörper von Rekonvaleszenten, auch deren T-Zellen könnten eine Option sein, um schwere COVID-19-Verläufe bei vulnerablen Patienten zu verhindern. Forscher aus den USA haben T-Zellen von 46 rekonvaleszenten COVID-19-Patienten im Labor vermehrt und festgestellt, dass einige von ihnen SARS-CoV-2 gezielt inaktivieren können. T-Zellen als Teil der Immunantwort auf SARS-CoV-2 sind jüngst in den Fokus geraten, da die Antikörper bei einigen COVID-19-Patienten nach Genesung relativ schnell wieder abnehmen. Künftig könnten die T-Zellen etwa Krebspatienten oder Immunsupprimierten verabreicht werden, um eine Infektion und schwere Verläufe zu verhindern, hoffen Dr. Michael Keller vom Children‘s National Hospital in Washington und seine Kollegen. Die meisten der T-Zellen waren gegen eine hochkonservierte Region im C-Terminus des Membranproteins gerichtet, was einen weiteren Ansatzpunkt neben dem viralen Spike-Protein für Impfstoffe sein könnte, schreiben die Wissenschaftler (Blood 2020; online 26. Oktober).

Deutsche Forscher haben einen Score entwickelt, um das Risiko eines Arbeitnehmers für einen schweren COVID-19-Verlauf abschätzen zu können. Einbezogen werden in den IKKA-Score die Faktoren Immunsuppression (I), Krankheitsschwere bestehender Vorerkrankungen (K), Komorbiditäten/Risikofaktoren gemäß RKI (K) und Alter (A). In diesen Kategorien werden Punktwerte je nach Ausmaß der Risikofaktoren vergeben. Das Verfahren dient als eine konkrete Entscheidungshilfe, ob und wenn ja, welche beruflichen Einsatzmöglichkeiten bestehen. Mit dem Score kann ein Abgleich mit der sich aus der Gefährdungsbeurteilung ergebenden individuellen Infektionsgefährdung der Beschäftigten erfolgen und eine risikoadaptierte Einsatzmöglichkeit für besonders gefährdete Arbeitnehmer gesucht werden, heißt es in einer Mitteilung der DGAUM (ASU Zeitschrift für medizinische Prävention 2020; online 20. Oktober).

26. Oktober: Die Betreuung kleiner Kinder birgt offenbar kein erhöhtes Risiko für eine Corona-Infektion. In einer Fall-Kontrollstudie mit 57.000 Erziehenden aus 28 US-Staaten wurde untersucht, ob Mitarbeiter, die während der ersten drei Monate der Pandemie weiter in der Betreuungseinrichtung arbeiteten, sich häufiger mit SARS-CoV-2 infizierten als Mitarbeiter, deren Einrichtung geschlossen wurde. Ergebnis: Weder in der Zahl der Infektionen noch der Zahl der Hospitalisierungen aufgrund von COVID-19 unterschieden sich beide Gruppen signifikant, berichten Forscher um Dr. Walter Gilliam von der Yale School of Medicine in New Haven. In über 90 Prozent der Betreuungseinrichtungen mussten sich sowohl Kinder als auch die Mitarbeiter täglich die Hände waschen und die Oberflächen wurden mehrmals täglich desinfiziert. In mehr als jeder dritten Einrichtung trugen die Betreuenden einen Mund-Nasen-Schutz. Insgesamt lag die Zahl der positiv getesteten oder wegen COVID-19 hospitalisierten Erziehenden bei 427 (0,7 Prozent) (Pediatrics 2020; preprint 16. Oktober).

23. Oktober: Der Nutzen von Tocilizumab bei der Behandlung von COVID-19 bleibt unklar. Der IL-6-Inhibitor soll eine mögliche überschießende Immunreaktion, den „Zytokinsturm“, abschwächen. Drei aktuell publizierte Studien kommen nun zu unterschiedlichen Aussagen. So fand eine kontrollierte Studie keinen Hinweis auf eine Verbesserung der Prognose bei hospitalisierten, moderat erkrankten COVID-19-Patienten (NEJM, online 21. Oktober). So mussten bis zum Tag 28 in der Tocilizumab-Gruppe 10,6 Prozent der Patienten mechanisch beatmet werden bzw. waren gestorben, in der Placebo-Gruppe waren es 12,5 Prozent. Eine weitere Studie mit 130 Patienten mit einer moderaten bis schweren COVID-19-Pneumonie ergab, dass unter Tocilizumab zwar weniger Patienten beatmet werden mussten (noninvasiv wie auch per Intubation) oder innerhalb von 14 Tagen starben. Die 28-Tages-Mortalität unterschied sich im Vergleich mit Standardtherapie allerdings nicht signifikant (JAMA Intern Med 2020; online 20. Oktober). Eine dritte Studie mit intensivmedizinisch versorgten Patienten ergab wiederum, dass bei früher Gabe von Tocilizumab innerhalb der ersten zwei Tage nach Einlieferung das Risiko, noch in der Klinik zu sterben, unter Tocilizumab geringer war. Die 30-Tage-Mortalität betrug hier 27,5 Prozent versus 37,1 Prozent bei Patienten, die kein Tocilizumab erhalten hatten (JAMA Intern Med; online 20. Oktober).

22. Oktober: Menschen mit Down-Syndrom haben ein zehnfach höheres Risiko, an COVID-19 zu sterben, als Menschen ohne Down-Syndrom. Auch das Risiko schwerer Verläufe mit Hospitalisierung bei einer SARS-CoV-2-Infektion ist deutlich höher, und zwar viermal so hoch. Das berichten Forscher, die Angaben der „QResearch“ Datenbank zu 8,3 Millionen Erwachsenen aus dem Vereinigten Königreich untersucht haben, darunter 4053 Menschen mit Trisomie 21. Verwunderlich sind die Ergebnisse nicht, leiden doch viele Menschen mit Down-Syndrom an angeborenen Herzfehlern oder einem eingeschränkten Immunsystem. Es sei daher wichtig, auf diese besonders vulnerable Gruppe zu achten, betonen die Forscher. Bisher sei das Down-Syndrom allerdings weder in Großbritannien noch von der US-Behörde CDC als Risikofaktor für schwere oder tödliche COVID-19-Verläufe gelistet (Ann Intern Med 2020; online 21. Oktober).

 21. Oktober: Einen weiteren „Türöffner“ für SARS-CoV-2 haben Forscher unter deutsch-finnischer Leitung entdeckt. Offenbar erleichtert das Protein Neuropilin-1 die Bindung des viralen Spike-Proteins an den ACE2-Rezeptor der Wirtszelle. In Zellkultur-Versuchen konnte durch die spezifische Blockierung von Neuropilin-1 durch Antikörper eine Infektion mit SARS-CoV-2 unterdrückt werden. „Wenn man sich ACE2 als Eintrittstür in die Zelle vorstellt, dann könnte Neuropilin-1 ein Faktor sein, der das Virus zur Tür lenkt. ACE2 wird in den meisten Zellen in sehr geringen Mengen exprimiert. Daher ist es für das Virus nicht leicht, Türen zum Eindringen zu finden. Andere Faktoren wie Neuropilin-1 scheinen notwendig zu sein, um dem Virus zu helfen“, wird Studienleiter und Letztautor Professor Mikael Simons vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in einer Mitteilung des Zentrums anlässlich der Publikation zitiert. Als weiteres Indiz für ihre Theorie werten die Wissenschaftler die Tatsache, dass sie in Gewebeproben gestorbener COVID-19-Patienten SARS-CoV-2 in Körperzellen nachweisen konnten, die Neuropilin-1 auf ihrer Oberfläche exprimierten (Science 2020; online 20. Oktober).

20. Oktober: Mundspülungen und orale Antiseptika könnten die Viruslast von humanen Coronaviren im Rachenraum verringern und nach einer Infektion eine Weiterverbreitung der Viren verhindern, berichten Forscher des Penn State College of Medicine. In ihrer Studie mit humanen Zellkulturen untersuchten sie zwar nicht spezifisch SARS-CoV-2, sondern stellvertretend für alle humanen Coronaviren das Virus „HCoV-229e“. Die Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass ihre Erkenntnisse auch auf SARS-CoV-2 übertragbar sind. Im Ergebnis reduzierten die meisten der neun untersuchten Mundspülungen, die jeweils unterschiedliche Inhaltsstoffe in verschiedenen Konzentrationen enthielten, die Viruslast um wenigstens 90 Prozent, wenn eine Minute oder länger der Mund gespült wurde, schreiben Dr. Craig Meyers und seine Kollegen (J Med Virol 2020; online 17. Oktober).

19. Oktober: Der Zytokin-Sturm, der bei einigen Patienten mit schwerem COVID-19-Verlauf auftritt, unterscheidet sich deutlich von Zytokin-Stürmen bei anderen Erkrankungen, etwa bei Sepsis, dem Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) oder dem Zytokin-Freisetzungssyndrom. Das berichten Wissenschaftler vom General Hospital in Boston. Sie haben in einer Metaanalyse unter anderem festgestellt, dass die Konzentration von Interleukin-6 (IL-6) bei den genannten Erkrankungen deutlich höher liegt als bei COVID-19: Bei Patienten mit Zytokin-Freisetzungssyndrom lag die IL-6-Konzentration im Schnitt 100-mal höher als bei COVID-19-Patienten, bei Sepsis-Patienten 27-mal so hoch und bei ARDS-Patienten 12-mal so hoch. Im Gegensatz dazu lagen die Konzentrationen von D-Dimer, C-reaktivem Protein und Ferritin bei COVID-19-Patienten häufig höher als bei Patienten mit Sepsis, ARDS oder dem Zytokin-Freisetzungssyndrom. Die Ergebnisse belegten ein bisher beispielloses „inflammatorisches Profil“ von COVID-19, schreiben die Forscher um Dr. Daniel Leisman (Lancet Resp Med 2020; online 16. September).

16. Oktober: Zahlreiche Arzneien verpassen den Beweis der Mortalitätssenkung. In einer großen multizentrischen Auswertung der von der WHO geförderten SOLIDARITY-Studie konnten Lopinavir/Ritonavir, Remdesivir, Hydroxychloroquin (HCQ) und β1a-Interferon (IFN-β) keinen Effekt auf die Mortalität bei COVID-19-Patienten zeigen. In der noch nicht begutachteten Auswertung von 11.266 erwachsenen Patienten an 405 Spitälern in 30 Ländern konnten alle Wirkstoffe keinen signifikanten Effekt zeigen. Die Patienten erhielten randomisiert einen dieser Wirkstoffe oder nur Best Supportive Care. Die 28-Tages-Sterblichkeit lag gesamt bei 12 Prozent, bzw. bei 39 Prozent unter jenen Patienten, die zu Beginn der Therapie schon beatmet werden mussten. Die Ratenverhältnisse für die Mortalität lagen für Remdesivir bei 0,95 (0,81–1,11, p=050), für HCQ bei 1,19 (0,89–1,59, p=0,23), für Lopinavir/Ritonavir bei 1,00 (0,79–1,25) und für IFN-β bei 1,16 (0,96–1,39; p=0,11). Der Remdesivir-Hersteller Gilead verwies am Freitag darauf, dass die „sich abzeichnenden Daten nicht mit robusteren Datensätzen aus mehreren randomisierten, kontrollierten Studien übereinzustimmen“ scheinen. Früher Daten hatten in der Tat einen signifikanten Vorteil bei der Zeit bis zur Genesung gezeigt (im Mittel minus fünf Tage versus Standardtherapie). (medRxiv 2020.10.15.20209817).

Einen „Atlas“ der molekularen Mechanismen, mit denen die Coronaviren MERS, SARS-CoV-1 und SARS-CoV-2 ihre Wirtszelle manipulieren, hat ein Team von mehr als 200 Wissenschaftlern aus 6 Ländern erstellt. Sie hoffen, damit Ansatzpunkte für neue Medikamente gegen COVID-19 zu finden. Zwei mögliche Medikamente haben sie dabei schon im Visier: Sie fanden zwei bereits zugelassene Wirkstoffe, die in Zellkulturen Wirkung gegen alle drei Coronaviren zeigen: Psychopharmaka mit Wirkung gegen den Sigma-Liganden und den Entzündungshemmer Indomethacin. Durch Analyse vorhandener Patientendaten fanden die Wissenschaftler zudem erste Hinweise darauf, dass bei COVID-19-Patienten, die diese Medikamente erhalten hatten, die Erkrankung leichter verlief (Science, online 15. Oktober).

Eine Impfung, die auf inaktivierten SARS-CoV-2-Viren basiert („BBIBP-CorV“), ist vorläufigen Phase-I/II-Ergebnissen zufolge sicher und immunogen. Der Impfstoffkandidat wurde in der chinesischen Studie zweimalig verabreicht (entweder als 4 μg- oder als 8 μg-Dosis) bei über 600 Probanden im Alter von 18 bis 80 Jahren. Antikörper seien nach Impfung von allen Studienteilnehmern gebildet worden. Allerdings habe es bei den über 60-Jährigen deutlich länger gedauert, bis Antikörper detektiert werden konnten, und zwar im Schnitt 42 Tage. Zum Vergleich: In der Altersgruppe der 18-60-Jährigen konnten bereits nach 28 Tagen Antikörper nachgewiesen werden. Zudem wurden in der Altersgruppe der über 60-Jährigen, also der hauptsächlichen Risikogruppe für schwere Verläufe von COVID-19, deutlich weniger Antikörper gebildet. Ob die Menge der Antikörper insgesamt ausreicht, um einen ausreichenden Schutz zu induzieren, wurde in der Studie noch nicht getestet – das muss nun eine weitere Untersuchung zeigen (Lancet Inf Dis 2020; online 15. Oktober).

15. Oktober: Forscher haben eine Übersterblichkeit durch COVID-19 in 21 industrialisierten Ländern errechnet. Danach sind dort vermutlich 206.000 Menschen mehr gestorben, als es wahrscheinlich Tote ohne die SARS-CoV-2-Pandemie gegeben hätte, so die britischen Forscher. In ihrer Untersuchung berücksichtigten die Forscher Länder mit mehr als vier Millionen Einwohner im Jahr 2020 und die wöchentlich Daten zur Mortalität aus jeglichen Gründen bereitstellen – aufgeschlüsselt nach Alter und Geschlecht. Als Untersuchungszeitraum wählten sie 2015 bis Ende Mai 2020. Deutschland wurde nicht berücksichtigt. Die Exzessmortalität seit Februar 2020 errechneten die Wissenschaftler anhand des Vergleichs mit den gemittelten Sterbefällen in den Vorjahreszeiträumen. Diese verteilt sich offenbar in etwa gleich auf beide Geschlechter. England, Wales und Spanien hatten anscheinend die größte Übersterblichkeit mit zusätzlich 100 Todesfällen je 100.000 Einwohner. Das wäre in etwa ein Anstieg um relativ 37 Prozent. In Spanien betrüge der Anstieg der Todesfälle demnach relativ 38 Prozent. Den niedrigsten relativen Anstieg gab es der Untersuchung zufolge bei den Männern in Österreich (14,3 Tote mehr pro 100.000 Einwohner), der Schweiz (21,9) und Portugal (27,4 bei den Männern, 28,7 bei den Frauen) (Nat Med 2020; online 14. Oktober).

14. Oktober: Genesene sind wohl nicht immer immun gegen eine Reinfektion. Forscher der University of Nevada berichten über den nach eigenen Angaben ersten Fall einer symptomatischen Reinfektion in den USA und bestätigen damit frühere Berichte aus anderen Ländern. Es handelt sich um einen 25-Jährigen aus Nevada, der Mitte April dieses Jahres und dann erneut Anfang Juni positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde. Dazwischen lagen zwei negative Tests, die im Mai vorgenommen wurden. Über den Patienten schreiben die Forscher, dass er keine immunologischen Auffälligkeiten habe und nicht mit HIV infiziert sei. Die beiden Varianten von SARS-CoV-2 hätten „signifikante genetische Unterschiede“, außerdem sei die zweite Infektion schwerer als die erste verlaufen. Nach der zweiten Infektion benötigte der Patient zusätzlichen Sauerstoff in der Klinik und hatte außerdem Myalgie, Husten und Kurzatmigkeit. Die Forscher schließen nicht aus, dass es sich womöglich um eine einzige fortlaufende Infektion mit einer extrem schnellen In-vivo-Mutation des Virus handeln könnte. Eine derart hohe Mutationsgeschwindigkeit von SARS-CoV-2 sei aber bisher nicht berichtet worden. Die beschriebene Reinfektion habe Auswirkungen auf die Entwicklung einer SARS-CoV-2-Vakzine, die womöglich nicht zu einer 100-prozentigen Schutzwirkung für alle Individuen führen könne. In Anbetracht der neuen Erkenntnisse sollten Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion weiterhin von allen Personen befolgt werden, unabhängig davon, ob diese bereits eine Infektion durchgemacht haben oder nicht, schreiben die Wissenschaftler weiter (Lancet Infect Dis 2020; online 12. Oktober).

Einen Smartphone-basierten Test auf SARS-CoV-2, der Ergebnisse zu einer Infektion innerhalb von fünf Minuten liefern soll und sich der CRISPR-Technik bedient, haben Forscher der University of California vorgestellt und auf dem Preprint-Server MedRxIv veröffentlicht. An dem Projekt beteiligt ist Professor Jennifer Doudna, die vergangene Woche mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Der Test setzt statt auf Amplifizierung der viralen RNA wie bei einem PCR-Test auf die Restriktionsenzyme CRISPR-Cas13a. Die Enzyme spüren vordefinierte Gensequenzen auf, in diesem Fall RNA von SARS-CoV-2 in Nasenabstrichen. Der Test drückt Informationen zur festgestellten Viruslast über Fluoreszenz-Signale aus, die mit einem Smartphone mit Kamera aufgefangen und ausgelesen werden können (medRxiv 2020; online 30. September).

13. Oktober: Offenbar geringes Infektionsrisiko für Neugeborene SARS-CoV-2-positiver Mütter: Von 101 Neugeborenen von Müttern mit bestätigter oder vermuteter perinataler SARS-CoV-2-Infektion hatten zwei ein positives Testergebnis auf das Virus, keines hatte klinische Anzeichen von COVID-19, hat eine retrospektive Kohortenanalyse einer Geburtsklinik aus New York City ergeben. Es gebe keine Anzeichen einer vertikalen Transmission des Virus bei den untersuchten Kindern, obwohl die meisten Neugeborenen den Raum mit den Müttern teilten und von ihnen gestillt wurden. 55 der Neugeborenen wurden noch weitere zwei Wochen lang beobachtet und blieben gesund. Eine zügige räumliche Trennung von Müttern und Neugeborenen während der COVID-19-Erkrankung sei in Anbetracht der Studienergebnisse nicht zwingend erforderlich, schlussfolgern die Wissenschaftler (JAMA Pediatr 2020; online 12. Oktober).

12. Oktober: SARS-CoV-2 außerhalb des Körpers wohl doch länger infektiös als gedacht: Bis zu 28 Tage waren infektiöse Viren in einer australischen Studie bei 20 Grad Celsius Umgebungstemperatur auf Glas, Edelstahl und Papier noch nachweisbar. Auf Baumwolle war das Virus noch nach 14 Tagen nachweisbar. Nicht berücksichtigt wurde der Einfluss des UV-Lichts: Die Studie wurde im Dunkeln ausgeführt, da direkte Sonnenlichteinstrahlung das Coronavirus bekanntermaßen schnell inaktiviert. Eine weitere Laborbedingung: Eine gleichbleibende Feuchtigkeit von 50 Prozent relativer Feuchte wurde für alle untersuchten Temperaturen aufrechterhalten. Der errechnete D-Wert, also die Zeit, bis eine 90-prozentige Titerreduktion erreicht ist, betrug bei 20 Grad Celsius zwischen 5,5 Tagen für Baumwolle und 9,1 Tagen für Papier. Erhöhten die Forscher die Umgebungstemperatur, war das Virus deutlich kürzer nachweisbar: Infektiöse Viren waren bei 30 Grad noch nach sieben Tagen auf Edelstahl, Plastik und Glas nachweisbar, auf Baumwolle noch nach drei Tagen. Bei 40 Grad waren nach 24 Stunden keine infektiösen Viren mehr auf Baumwolle und nach 48 Stunden auf keiner anderen Oberfläche mehr nachweisbar (Virol J 2020; online 7. Oktober).

09. Oktober: 21 Prozent der jungen hospitalisierten COVID-19-Patienten in den USA mussten intensiv versorgt werden, zehn Prozent der 18- bis 34-jährigen COVID-19-Patienten sogar mechanisch beatmet. Die Todesrate lag in einer Studie mit 3222 hospitalisierten jungen COVID-19-Patienten, die in 419 US-Kliniken behandelt worden waren, bei 2,7 Prozent. Die Mortalitätsrate liege damit zwar unter der Todesrate von älteren COVID-19-Patienten, aber doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Patienten, die beispielsweise wegen eines Herzinfarkts in eine Klinik eingeliefert werden, schreiben die Wissenschaftler um Dr. Jonathan Cunningham vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. Junge Patienten, die mehr als einen Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf trugen (etwa Übergewicht, Diabetes oder Hypertonie) hatten sogar das gleiche Risiko für komplizierte Verläufe wie etwa ein 64-Jähriger ohne Risikofaktoren. Auch wenn in der Studie viele der hosplitalisierten 18- bis 34-jährigen COVID-19-Patienten Komorbiditäten hatten, sei ihr Risiko doch substanziell, so Cunningham und Kollegen. Jüngere sollten das Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung daher nicht auf die leichte Schulter nehmen (JAMA Intern Med 2020; online 9. September).

IgG-Antikörper gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 sind nach einer Infektion auch im Speichel nachweisbar, und zwar noch mehr als drei Monate nach der Erkrankung. Das haben Forscher der University of Toronto festgestellt. Gleichzeitig fanden sie auch im Blut von 402 Rekonvaleszenten mehr als drei Monate nach Symptombeginn IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2. Im Gegensatz zu IgG nahmen allerdings die IgA- und IgM-Antikörper relativ schnell wieder ab. Nach 16 bis 30 Tagen sei ein deutlicher Abfall zu beobachten gewesen, sowohl im Blut als auch im Speichel, so die Wissenschaftler. Die Studie belege aber, dass bei der Mehrheit der Patienten mit COVID-19 eine lang anhaltende Immunität durch IgG-Antikörper sowohl im Blut als auch im Speichel induziert werde, schreibt das Team um Baweleta Isho. Ein weiteres Fazit: Auch Speichelproben könnten sich für Tests auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 eignen (Science Immunol 2020; online 8. Oktober).

08. Oktober: Bei Schwangeren treten COVID-19-Symptome zum Teil über mehr als zwei Monate auf und damit deutlich länger als bei anderen COVID-19-Patienten. In einer Studie mit 594 Frauen mit positivem SARS-CoV-2-Nachweis hatten 50 Prozent der Frauen nach drei Wochen weiterhin COVID-19-Symptome (am häufigsten Husten, Halsschmerzen, Fieber und Myalgien), 25 Prozent der Schwangeren sogar noch nach acht Wochen. Im Mittel befanden sich die Frauen in der 24. Schwangerschaftswoche. Die Symptome ähnelten grundsätzlich den typischen COVID-19-Patienten. Einige Symptome treten allerdings generell bei Schwangeren recht häufig auf und überlappen daher mit den COVID-19-Symptomen (Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit), schreiben die Gynäkologen um Dr. Yalda Afshar von der University of California in San Francisco in einer Mitteilung der Universität (Mitteilung zur Studie in Obstetrics & Gynecology 2020; online 7. Oktober).

Raumluftreiniger könnten eine technische Lösung sein, um etwa in Wartezimmern die indirekte Infektionsgefahr durch Aerosole stark zu verringern. So lautet das Fazit einer Studie von Forschern der Universität der Bundeswehr in München. Das Team untersuchte die Filterleistung eines Raumluftreinigers mit einer Kombination aus Filtern der Klasse H13/H14, die gewährleistet, dass selbst Aerosole mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,3 μm zu 99,995 Prozent aus der Raumluft abgeschieden werden, wie die Universität berichtet. In ihrer Untersuchung testeten die Wissenschaftler das „Viromed Klinik Akut V 500“ Entkeimungsgerät. Die Ergebnisse zeigten, dass die Aerosolkonzentration in einem Raum mit einer Größe von 80m2 in sechs Minuten halbiert wird. Im Dauerbetrieb sei die gemessene Verweilzeit des ausgeatmeten Aerosols im Raum so kurz, dass eine Anreicherung der Raumluft mit infektiösen Aerosolen nicht möglich sei. Selbst in einem 22m langen Flur mit über 40m2 konnte bei maximalem Volumenstrom eine Halbierung der Aerosolkonzentration innerhalb von rund fünf Minuten realisiert werden. Die Forscher um Professor Christian Kähler betonen aber auch, dass es trotz der Raumfilter wichtig ist, auf einen ausreichenden Abstand zu anderen Personen zu achten und Mund-Nasen-Bedeckungen zu tragen, um das direkte Infektionsrisiko zu verringern (Studie der Universität der Bundeswehr München, online 2. Oktober).

07. Oktober: Eine vorherige Infektion mit endemischen Coronaviren könnte einen COVID-19-Verlauf abmildern. Vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen vorherige Coronavirus-Infektionen wohl aber nicht. Das berichten Forscher vom Boston Medical Center und der Boston University School of Medicine. Zur Familie der Coronaviren gehören ja auch vier endemische Coronaviren, die Erkältungssymptome auslösen: Die humanen Coronaviren OC43, HKU1, NL63 und 229E. Das Team hatte sich aus einer Datenbank Angaben von 15.928 Patienten angeschaut, bei denen in Vor-Corona-Zeiten (genauer Anfang Mai 2015 bis Anfang März 2020) ein Test auf eine Infektion mit OC43, HKU1, NL63 oder 229E durchgeführt wurde. Bei 875 war das Testergebnis positiv ausgefallen, bei 15.053 negativ. Wie die Forscher schreiben, unterschieden sich die beiden Gruppen hinsichtlich demografischer Unterschiede nur marginal, in Bezug auf Komorbiditäten habe es keine signifikanten Unterschiede gegeben. In der Corona-Pandemie lagen von 1812 dieser Patienten (11,4 Prozent) auch ein positiver SARS-CoV-2-Test vor, und zwar anteilig in beiden Gruppen bei etwa gleich vielen Personen. Nun zeigten sich allerdings deutliche Unterschiede beim Krankheitsverlauf von COVID-19: So starben in der Gruppe der bereits zuvor mit Coronaviren infizierten COVID-19-Patienten bei Hospitalisierung 4,8 Prozent. Bei den COVID-19-Patienten, die sich zuvor nicht mit Coronaviren infiziert hatten, starben 17,7 Prozent (J Clin Investigation 2020; online 30. September).

 

Münchener Zeitungs-Verlag GmbH & Co.KG/Springer Medizin Verlag GmbH, 23.11.2020, Foto: Systembild © Geralt