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LKA Chef Wünsch- Kein Täter soll sich sicher fühlen

Veröffentlicht von Presse

Ingo Wünsch, warnt nach den Terroranschlägen in Wien und Frankreich vor der aktuellen Situation in Nordrhein-Westfalen

Bielefeld- “Die abstrakte Gefahr ist nach wie vor hoch”, sagt Wünsch der in Bielefeld erscheinenden Neuen Westfälischen (Dienstagausgabe). “Der islamistische Terrorismus hat eine Zeit lang in der öffentlichen Wahrnehmung keine allzu große Rolle mehr gespielt. Doch nach den Anschlägen stellt man plötzlich fest, dass das Thema noch genauso im öffentlichen Fokus sein müsste, wie es im Fokus der Sicherheitsbehörden steht.”

Islamismus und Rechtsextremismus gelten beim LKA als besondere Schwerpunkte. “Die beiden Felder haben wir besonders im Fokus – seit längerer Zeit”, berichtet Wünsch. “Andere ideologische terroristische Gefahren beobachten wir genau so intensiv, aber zurzeit geht davon keine so hohe abstrakte Gefahr aus.”

Wünsch, der vor seiner Tätigkeit als LKA-Chef unter anderem als Sonderermittler im Missbrauchskomplex Lügde im Einsatz war, berichtet zudem, dass die Fälle von Kindesmissbrauch auch im Jahr 2020 signifikant steigen. “Auch wenn die Zahlen erschrecken, das ist gut so, wir leuchten damit das Dunkelfeld aus und Täter können sich nicht mehr sicher fühlen”, sagt er. Nach den massenhaften Missbrauchsfällen in Lügde, Bergisch Gladbach und Münster ist Wünsch davon überzeugt, dass es nicht nur einen weiteren Komplex gibt. “Es wird sehr, sehr viele geben. Nicht nur in NRW, sondern auch deutschland- und weltweit.”

Über Ingo Wünsch

Er ist 54 Jahre alt und war zuletzt Leiter der Stabsstelle zur Revision der kriminalpolizeilichen Bearbeitung von sexuellem Missbrauch an Kindern und Kinderpornografie im Innenministerium. Zuvor war er Sonderermittler des Ministers im Fall Lügde. Wünsch hatte verschiedene Positionen auf Behörden- und Landesoberbehördenebene sowie im Innenministerium inne. Zudem wirkte er in diversen Bund-Länder-Arbeitsgruppen sowie Landesarbeitsgruppen mit. “Das Landeskriminalamt steht für Kompetenz und Innovationskraft. Diese besonderen Stärken möchte ich weiterentwickeln. Das gilt in erster Linie für die strategischen Schwerpunkte der NRW-Polizei: Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs, der organisierten Kriminalität und der Clankriminalität, des Rechtsextremismus und des islamistischen Terrorismus sowie von Cybercrime in all ihren Facetten. Dafür ist es wichtig, die digitalen Ermittlungskompetenzen der Polizei und die behördenübergreifende Zusammenarbeit zu stärken und fortlaufend weiter zu entwickeln. Auf diese Herausforderungen freue ich mich”, so Wünsch.

Ingo Wünsch trat 1986 in den mittleren Dienst bei der Polizei ein und war zunächst Streifenpolizist in Köln. Über ein Studium an der Fach-hochschule für öffentliche Verwaltung kam er 1994 in den gehobenen Dienst. Nach verschiedenen Leitungsfunktionen bei der Kriminalpolizei stieg er 2004 in den höheren Dienst auf. Unter anderem war er dann Leiter der Direktion Kriminalität in der Kreispolizeibehörde Düren, Leiter der Führungsstelle Kriminalität im Polizeipräsidium Köln sowie Dezernatsleiter im Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Dort leitete er die Fachaufsicht über alle 47 Polizeibehörden im Land. Ingo Wünsch ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne.

 

Neue Westfälische, 24.11.2020, Foto: Der neue Chef des Landeskriminalamtes, Ingo Wünsch © IM NRW/Jochen Tack