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Querdenker wählen laut Untersuchung häufig Grüne, Linke und AfD

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21 Prozent der: Querdenker wählten die Grünen

Berlin- Unter den Anhängern der „Querdenker“-Bewegung sind besonders viele Wähler der AfD, der Grünen und der Linkspartei. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Soziologen Oliver Nachtwey von der Universität Basel, über die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet. „Bei der letzten Bundestagswahl“, sagte Nachtwey der FAZ, „haben nach unserer Befragung 21 Prozent die Grünen und 17 Prozent die Linke gewählt. Der AfD haben 14 Prozent ihre Stimme gegeben.“ Die Corona-Zeit wird sich jedoch auf die politische Präferenz auswirken: „Bei der nächsten Bundestagswahl wollen nun aber 30 Prozent der AfD ihre Stimme geben“, so Nachtwey.

Grundlage der Studie sind Befragungen in „Querdenker“-Telegram-Gruppen; die Wissenschaftler werteten 1150 Fragebögen aus, die sie an Mitglieder dieser Telegram-Gruppen geschickt hatten. Repräsentativ ist die Studie deshalb nicht, auch weil in diesen Chat-Gruppen mehr als 100.000 sogenannte „Querdenker“ registriert sind. Die Autoren sprechen von einer deskriptiven statistischen Auswertung.

Charakteristisch für die neue Bewegung, so Oliver Nachtwey, sei die Entfremdung von den Institutionen des politischen Systems, den etablierten Medien und den alten Volksparteien. „Es ist eine Bewegung, die mehr von links kommt, aber stärker nach rechts geht, sie ist jedoch enorm widersprüchlich.“ Sozialstrukturell handele es sich um eine relativ alte und relativ akademische Bewegung. Das Durchschnittsalter betrage 47 Jahre, 31 Prozent hätten Abitur, 34 Prozent einen Studienabschuss, der Anteil Selbständiger sei deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung.

Typisch für die Bewegung seien auch antisemitische Vorurteile, sie seien Bestandteil einiger Verschwörungstheorien. Autoritäres Denken, Fremdenfeindlichkeit oder die Verharmlosung des Nationalsozialismus sei unter den Anhängern der Bewegung allerdings weniger verbreitet, sagte Nachtwey. Anders als in der öffentlichen Diskussion teilweise behauptet, spielten kirchliche oder gar pietistische Haltungen eine untergeordnete Rolle, sagte der Soziologe.

Stattdessen sei für viele „Querdenker“, die die Gefahren von Sars-Cov-2 leugneten, ein ausgesprochener Hang zur Naturromantik charakteristisch: So vertrauen 41 der Befragten ihren „Gefühlen mehr als Institutionen und Experten“, stark ausgeprägt sei der Wunsch, Schulmedizin und alternative Heilmethoden gleich zu behandeln, typisch sei auch der Glaube an die Selbstheilungskräfte des Körpers und das Verlangen nach „spirituellem Denken“. Die Forscher befürchten, dass sich aus der Bewegung, die derzeit die politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie kritisiert, in den nächsten Monaten eine wortmächtige impfkritische Bewegung entwickeln könnte.

 

dpa/Christoph Schmidt, 05.12.2020, Foto: Berlin Demo 2020 © PSM.Media- Nachrichtenagentur

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