Corona und Journalismus – Haben die Medien versagt?

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Haben Medien versagt, weil sie unkritisch über das Virus berichten?

Berlin- Die Corona-Krise ist auch eine Herausforderung auch für Journalisten. Sie sollen eine Situation beschreiben und bewerten, die für sie ebenfalls völlig neu ist. Haben die Medien versagt, weil sie unkritisch über das Virus berichten? Der Vorwurf: Medien würden zu staatsnah berichten und andere Sichtweisen und Meinungen ausblenden

 

 

Video Beschreibung: “Corona und der Wissenschaftsjournalismus – das ist ein Kapitel für sich. Denn mediale Präsenz und verständliche Worte überdecken mitunter die tatsächliche Expertise, sagt Ranga Yogeshwar. Wie man komplizierte Sachverhalte trotzdem gut erklärt, muss er wissen. Als Wissenschaftsjournalist hat er lange für den WDR bei “Quarks & Co.” gearbeitet. Sein Einstieg ins Genre war Tschernobyl: “Gerade bei dieser Reaktorkatastrophe waren es so, dass ich als Teilchenphysiker, der an einem Forschungsreaktor gearbeitet hatte, natürlich Know-how hatte. Und Inhalt war da wichtig.” Damals wie heute.”

Corona stellte den Medienbetrieb wortwörtlich auf den Kopf

Die drastischen Veränderungen im Alltag der Menschen haben auch Medienschaffende völlig überrascht. Einschränkungen durch Corona hatten auch ganz praktische Auswirkungen auf die Medienarbeit: Abläufe in Sendern, Zeitungshäusern und anderen Medienbetrieben mussten in kürzester Zeit neu geordnet werden. Ganze Redaktionen wurden ins Home-Office geschickt. Für die privaten Medien wie Zeitungen und Privatradios kam hinzu, dass die wichtige Einnahmequelle Werbung und Anzeigen weg brach. Corona stellte den Medienbetrieb wortwörtlich auf den Kopf.

Hinzu kam: Medienschaffende mussten sich zum Thema Virologie erst selbst grundlegende Informationen verschaffen und diese verstehen. Denn das Fachwissen um das neue Virus war auf journalistischer Seite zunächst ausgesprochen begrenzt. Folglich wurden Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, die die Zusammenhänge erklären können, gesucht und gefunden – der Eindruck entstand, sie seien allgegenwärtig und die Medien expertenhörig. Ein nachvollziehbarer Vorwurf, der aber nicht wirklich zutrifft.

Noch schwieriger wurde die Situation, weil sich – zumindest in der oberflächlichen Betrachtung – Aussagen von Wissenschaftlern widersprachen. Beispiel Maskenpflicht: Anfangs galten Masken als nicht notwendig, kurze Zeit später wurden sie zumindest in Bus und Bahn in allen Bundesländern Pflicht.

Hintergrund für diese scheinbare Widersprüchlichkeit ist, dass Wissenschaft und Journalismus grundsätzlich sehr unterschiedlich funktionieren. Journalismus will aktuell über klare Ergebnisse und abgeschlossene Ereignisse berichten. Wissenschaftliche Forschung kann aber nicht mal eben die gewünschten Ergebnisse liefern, sondern kommt zu immer wieder neuen Erkenntnissen und muss sich oft selbst korrigieren. Weil viele Medien ihren alten Mechanismen folgten und die in der Krise sich weiter entwickelnden Forschungserkenntnisse immer wieder wie absolute Wahrheiten verkündeten, konnte der Eindruck entstehen, sie berichteten heute so und morgen so.

Journalistinnen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen:  “nicht genau unterscheiden zu können zwischen der Rolle als Informationsvermittler und der Rolle als Virus-Bekämpfer”. Gerade in einem Berufsstand, der stolz darauf ist, kritisch gegenüber Regierung und Politik zu gelten, habe man sich “mehr Distanz gewünscht. Also auch mal zu fragen: Ist eigentlich alles, was die Bundesregierung da von uns verlangt, auch gerechtfertigt”?  Oder Warum werden renommierte Mediziner, wie etwa Sucharit Bhakdi, Wolfgang Wodarg, Bodo Schiffmann, öffentlich-rechtlich nicht gehört bzw. sogar diffamiert?

Wir Journalisten werden aus den bisher in der Corona-Krise gemachten Erfahrungen lernen. Denn die Pandemie wird die gesamte Gesellschaft und damit die Medien noch lange beschäftigen. Wir als Nachrichtenagentur werden alle Aspekte und Meinungen weiterhin berücksichtigen, auch Stimmen, die anderer Ansicht sind.

 

NDR/PSM, 24.02.2021, Foto: Systembild für Corona und Journalismus – Haben die Medien versagt? © Wolfgang Ehrecke

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