Sportpsychologie schlägt Alarm – Appell in Richtung Politik

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Fehlende gemeinsamen Trainings im Sportverein haben fatale Folgen im Kinder- und Jugendsport

Südtiroler – Netzwerk für Sportpsychologie beobachtet die Folgen des eingeschränkten Kinder- und Jugendsports. „Immer mehr Eltern und Trainer und auch Jugendliche wenden sich Hilfe suchend an das Netzwerk, da viele Kinder und Jugendliche unter den mangelnden Trainingsmöglichkeiten leiden“, schreibt Präsidentin Monika Niederstätter in einer Zuschrift.

„Kinder lieben und brauchen Bewegung und wollen ihr natürliches Bewegungsbedürfnis ausleben“, betont Niederstätter. Im Kindesalter würden die biologischen, psychosozialen und kognitiven Grundlagen geschaffen, die für das weitere Leben entscheidend seien. Auch der Aufbau von Selbstbewusstsein und einer positiv empfundenen Selbstwahrnehmung würden damit zusammenhängen

„Die fehlenden gemeinsamen Trainings im Sportverein haben fatale Folgen“, meint die ehemalige Leistungssportlerin. „Die Gruppe derjenigen Kinder, die sich in dieser Zeit fast gar nicht mehr bewegt haben, hat sich vervielfacht.“

Parallel habe der Medienkonsum signifikant zugenommen. Bei vielen Jugendlichen sei die Bildschirmzeit an den verschiedenen Geräten in diesem Jahr auf über 8 Stunden pro Tag gestiegen.

Dies wirke sich negativ auf ihr Befinden aus. „Sie machen sich mehr Sorgen und sind weniger zufrieden mit ihrem Leben“, meint Präsidentin Niederstätter. „Mit der Verschlechterung des Befindens geht wiederum eine Abnahme der Bewegung einher. Die Kinder und Jugendlichen werden träge und unmotiviert.“

Bei vielen komme Übergewicht hinzu. „Ihr Selbstbewusstsein nimmt ab und sie trauen sich den Sport oftmals nicht mehr zu und haben keine Lust mehr darauf“, ist der Zuschrift zu entnehmen.

Und auf physischer Ebene sei Bewegungsmangel ein Risikofaktor für Störungen und Erkrankungen wie beispielsweise Übergewicht, Störungen im Fettstoffwechsel, Bluthochdruck, erhöhter Blutzuckerspiegel und Veränderungen innerhalb der Blutgefäße. Darüber hinaus könne es zu einem Abbau der Muskulatur und in der Folge zu Schäden am Knochen- und Gelenkapparat kommen.

Appell an die politisch Verantwortlichen

„Auf psychischer Ebene können die Folgen ebenfalls vielschichtig sein“, betont Monika Niederstätter. „So kann es zu Veränderungen im Hormonhaushalt kommen, die sich negativ auf die Stimmungslage auswirken und auch zur Entstehung einer Depression beitragen können.“

Aus psychologischer Perspektive könne ein Rückgang in der körperlichen Aktivität zu der schon erwähnten Verringerung des Selbstwertgefühls führen. „Auch soziale Aspekte, wie Freundschaften, leiden unter mangelnden Kontaktmöglichkeiten“, fügt sie hinzu. „Es ist mittlerweile gut belegt, dass körperliche Aktivität ein wichtiger Schutzfaktor für die gesunde Entwicklung von Heranwachsenden ist.“

„Aus Sicht des Netzwerks für Sportpsychologie besteht dringender Handlungsbedarf, um Kindern und Jugendlichen wieder mehr Spiel und Sport mit Gleichaltrigen zu ermöglichen“, richtet Niederstätter ihren Appell an die Politik auf Landes- und Staatsebene.

„Speziell im Frühling und Sommer sollte ein Training zumindest im Freien wieder gezielt gefördert werden, auch wenn dies mit einigen Schutzmaßnahmen verbunden sein wird.“

 

stol.it, 05.03.2021, Foto: Systembild Kinder brauchen den Vereins Sport © IStock