Bundespolizei-Razzia gegen Menschenhändler

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Mega-Razzia – Ermittlungen wegen Zwangsprostitution und Menschenhandel

Berlin- Mehr als 150 Beamte der Bundespolizei gehen seit den frühen Morgenstunden in Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein gegen vietnamesischstämmige Menschenhändler vor. 

Nach Informationen von rbb24 Recherche wird ihnen unter anderem vorgeworfen, junge Vietnamesinnen illegal nach Deutschland gebracht und zur Prostitution gezwungen zu haben. Die Bundespolizei durchsucht in Berlin- Lichtenberg die Räume eines Massagesalons, in dem auch ein illegales Bordell betrieben werden soll. Außerdem steht ein sogenanntes “Safehaus”, in dem die Menschenhändler ihre Opfer zeitweise unterbringen, im Fokus der Razzia. In Berlin soll mindestens ein Haftbefehl vollstreckt werden.

Deutschlandweiter Trend

Seit Jahren schon schleusen hochprofessionell organisierte vietnamesische Banden ihre Landsleute über Ost- nach Westeuropa und Deutschland ein, um sie dann hier auszubeuten: Als Gärtner in illegalen Cannabisplantagen oder als billige Arbeitskräfte in Restaurants und Nagelstudios.

Dass es sich dabei um ein riesiges Netzwerk handelt und um Menschenhandel, bestätigte das Bundeskriminalamt bereits im Januar in einem Interview mit rbb24 Recherche. Carsten Moritz, Leiter des Referats Menschenhandel beim BKA, beobachtet dabei deutschlandweit einen Anstieg von Geschäftsbetrieben vietnamesischer Geschäftsleute. “Oftmals sind es Massagestudios, sind es Nagelstudios, sind es Restaurants oder ähnliches. Und wir gehen davon aus, dass gerade in diesen Geschäftsbetrieben die Ausbeutung stattfindet”, sagt Moritz. “Und insofern kann man da tatsächlich von einem deutschlandweiten Trend sprechen.” Dass es dabei eine neue Entwicklung gibt, ergänzt Nicole Baumann vom gleichen Referat beim BKA: “Auf der anderen Seite haben wir ja auch schon die ersten Ansatzpunkte in Richtung Zwangsprostitution in Deutschland. Auch da müssen wir genauer hinschauen.”

13- und 14-jährige Mädchen müssen sich prostituieren

Markus Pfau schaut bei den vietnamesischen Netzwerken seit Jahren schon genau hin. Der Leiter der Kriminalitätsbekämpfung der Bundespolizei in Halle gilt als ausgewiesener Experte für Schleusungen.

Für ihn dient diese straff organsierte Schleusung von Vietnamesen dazu, “ein Stück Humanressourcen, so hart wie das klingt, in die Handlungsfelder der organisierten Kriminalität hier reinzubringen”. Eines dieser “Handlungsfelder” sei neben Arbeitsausbeutung und Drogenhandel eben auch Prostitution, so Pfau. “Wir hatten Sachverhalte bei eingeschleusten Fällen, wo wir dann eine 13-, eine 14-Jährige hatten, die dann beispielsweise in der Prostitution, im Rotlicht beschäftigt worden ist und dafür eingeschleust wurde.”

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Rundfunk Berlin-Brandenburg/rbb24 Recherche, Foto: junge Vietnamesinnen