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Streit über Heinos Liederabend

Veröffentlicht von Presse

Deutscher Liederabend Heino Konzert in Düsseldorfer Tonhalle

Die Sorge: Der Abend wird als „Liederabend für Deutsche“ eingeordnet

Die Tonhalle Düsseldorf will ein Konzert des Sängers am 8. Oktober wegen des “etwas tümelnden Untertitels” nicht bewerben, es gebe ja auch keine “deutschen” Symphoniekonzerte. Heino hält das für “absurd” und erwägt, die Location zu wechseln.

Man räume ein, dass die Auswahl der aufzuführenden Stücke tatsächlich zum deutschen Liedgut gehöre, trage aber Sorge, der Titel könnte als „Liederabend für Deutsche“ missverstanden werden. Alternativvorschläge seitens der Halle wurden angeboten: „Heino – ein Liederabend“ oder „Heino singt deutsches Lied“. „Das Einzige, was wir gesagt haben, ist“, so der Intendant der Düsseldorfer Tonhalle, „dass wenn er auf dem Untertitel besteht, wir den Abend auf unseren vergleichsweise reduzierten Kanälen – unserer Homepage und unserem Saisonmagazin – nicht ankündigen werden.“ Sowieso würden Gastveranstaltungen wie das Heino-Konzert innerhalb der Halle nicht mit Plakaten beworben.

Berlin- Bizarre Auseinandersetzung um deutsches Liedgut: Der Intendant der Düsseldorfer Tonhalle, Michael Becker, stört sich daran, dass Heino (82) im Oktober mit einem “deutschen Liederabend” auf die Bühne gehen will: “Es geht hier um die Bezeichnung eines Liederabends als deutsch. Das bezieht sich dann auf die Form des Konzerts und nicht auf den Inhalt”, so Becker gegenüber dpa. Das sei fachlich wie politisch nicht korrekt. Es gebe in der Tonhalle ja auch keine deutschen Symphoniekonzerte, wenn nur Brahms und Beethoven gespielt werde: “Also: Deutsch ist prima. Deutsches Lied ist sogar ein wissenschaftlich verbürgter Begriff, aber ‘deutscher Liederabend’ ist eben nicht richtig.”

Zuvor hatte eine Sprecherin der Tonhalle geäußert, der Veranstalter “störe” sich “an dem etwas tümelnden Untertitel” und wolle daher den Konzertabend nicht “selbst bewerben”. Gemeint sei damit konkret, so die Sprecherin gegenüber dem BR, dass Heinos Konzert nicht im kommenden Saisonmagazin und auf der Homepage der Tonhalle Erwähnung finde. Auch Plakate würden nicht in der Tonhalle ausgehängt. Das geschehe bei “Gastveranstaltungen” allerdings ohnehin nicht. Im Übrigen gebe es “keinen Grund, den Vertrag zu ändern oder zu kündigen”, nur weil sich der Titel ändere. Allerdings könnten Mieter der Tonhalle ihre Verträge derzeit wegen der Pandemie ohnehin “kostenfrei” kündigen.

Es handle sich letztlich um einen “Sturm im Wasserglas”, so die Sprecherin im BR-Gespräch. Es sei ohnehin klar, dass Heino ausschließlich deutschsprachige Lieder singe. Der Presse-Wirbel sei von dessen Management womöglich “gerne aufgegriffen” worden.

Die “BILD”-Zeitung hatte erstmals darüber berichtet. “Bin ich ein Hetzer, wenn ich Brahms und Schubert singe?” hatte Heino in der Überschrift gefragt. Auf dem Programm stehen demnach Klassiker wie “Ave Maria” von Johannes Brahms und “Heidenröslein” von Franz Schubert. Der Sänger, der 2013 auch “Sonne” von Rammstein interpretiert hatte und 2018 mit “Engel” nachlegte, zeigte sich ungehalten: “Geht’s eigentlich noch? Soll das Wort ,deutsch’ jetzt auch schon rechtspopulistisch sein? Das entbehrt doch jeglicher Logik und jedes klaren Verstandes!”

“Städtische Räume sind kein Ort für Hetze”

Nun erwägt Heino, die Location zu wechseln, wie sein Manager Helmut Werner der Deutschen Presse-Agentur sagte: “Welches absurde Gedankengut muss man haben, um sich am Wort ‘deutsch’ zu stören?” Der Sänger habe sich in einem Interview 2019 sogar für ein Verbot der AfD ausgesprochen.

Von der Tonhalle hieß es, dass man Heinos Management auf eine “städtische Richtlinie” hingewiesen habe, an die man gebunden sei. Auf Nachfrage des BR handelt es sich dabei aber bisher lediglich um einen Grundsatzbeschluss und “Auftrag” des Stadtrats unter dem Titel “Kein Raum für Hetze”, wobei das genaue Konzept “noch einer verwaltungsinternen Abstimmung und Ergänzung konkreter (Miet-)Vertragsmuster” bedürfe. Dazu sei ein “Workshop” geplant gewesen, der wegen der Pandemie “in naher Zukunft” nicht stattfinden könne, weshalb die Abstimmung “nunmehr schriftlich” erfolge. Ziel dieses offenkundig noch nicht verabschiedeten Konzepts sei es, “Räume nicht für Personen, Gruppen oder Veranstaltungen” bereitzustellen, “die rassistische, antisemitische, salafistische, antidemokratische, sexistische, gewaltverherrlichende oder andere menschenfeindliche Inhalte vertreten oder verbreiten”.

Manager: “Deutschland schafft seine Identität ab”

Heino-Manager Werner stieß das jedenfalls besonders sauer auf: “Alleine eine Verbindung mit dem Wort deutsch, Heino und Hetze herzustellen, entbehrt jeglichem klaren Verstand.” Es sei absurd, welche Dimension die “politische Korrektheit” angenommen habe: “Heino ist ein deutscher Sänger, der deutsche Lieder singt. Wenn das Wort ‘deutsch’ jetzt schon rechtspopulistisch ist, schafft Deutschland seine Identität ab”, so Werner.

Ursprünglich habe der Abend “Heino goes Klassik – mit großem Orchester” heißen und am 17. Oktober vergangenen Jahres stattfinden sollen. Damals hatte es in der Ankündigung geheißen, Heino werde nicht nur “altbekannte und neue Hits und Gassenhauer wie ‘Blau blüht der Enzian’ oder ‘Schwarzbraun ist die Haselnuss’, sondern auch klassische Musik von Brahms, Beethoven, Schubert und Tschaikowsky” präsentieren. Als “Stargast” sollte der 28-jährige Violin-Virtuose Yury Revich auftreten. Wegen der Corona-Pandemie werde aber ein großes Orchester absehbar nicht auf Tournee gehen können. Daher habe man den Untertitel ändern müssen. Keine der übrigen 17 Konzerthallen habe daran Anstoß genommen, so Werner.

 

dpa/psm, Foto: Sänger Heino kündigt in Düsseldorf für Oktober einen „deutschen Liederabend“ an (C) Heino-Pressefoto-Universal-Music