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Taliban erobern letzte große Stadt Afghanistans

Veröffentlicht von Presse

Taliban erobern Dschalalabad

Nach Masar-i-Scharif ist mit Dschalalabad nun die vorletzte Großstadt Afghanistans in die Hände der Islamisten gefallen.

Nangarhar. Die radikalislamischen Taliban haben auch die ostafghanische Stadt Dschalalabad eingenommen. Die Hauptstadt der Provinz Nangarhar sei kampflos an die Taliban gegangen, sagten Bewohner von Dschalalabad. Laut einem afghanischen Behördenvertreter ergab sich der Gouverneur. Dies sei die einzige Möglichkeit gewesen, das Leben von Zivilisten zu retten. Damit ist die Hauptstadt Kabul die letzte große Stadt des Landes, die nicht von der radikalislamischen Miliz kontrolliert wird.

Biden verteidigt Abzug der US-Truppen

Die USA begannen unterdessen mit der Evakuierung ihrer Botschaft. US-Präsident Joe Biden drohte den Taliban mit einer “raschen und starken militärischen Reaktion”, falls diese das US-Personal in Afghanistan gefährdeten. Zugleich verteidigte er den Abzug der US-Truppen aus dem Land. Ein weiteres oder auch fünf Jahre US-Militärpräsenz hätten keinen Unterschied gemacht, wenn das afghanische Militär sein eigenes Land nicht halten könne oder wolle.

Auf ihrem Eroberungszug in Afghanistan hatten die Taliban am Sonnabend Berichten zufolge auch die Großstadt Mara-i-Scharif eingenommen. Dort hatte die Bundeswehr noch bis Juni ihr Hauptquartier.

Maas drängt auf zügige Evakuierung

Bundesaußenminister Heiko Maas drängt auf eine zügige Evakuierung deutscher Diplomaten und anderer Mitarbeiter aus Afghanistan. Der SPD-Politiker sagte der “Bild am Sonntag”, Deutschland werde nicht riskieren, dass seine Leute den Taliban in die Hände fallen. Man sei für alle Szenarien vorbereitet.

Wie die Zeitung weiter berichtet, soll bereits am Montag ein Transportflugzeug der Bundeswehr nach Kabul fliegen. Voraussichtlich werde in Usbekistan eine Drehscheibe für Zwischenlandungen eingerichtet. Chartermaschinen sollen die Passagiere dann von dort aus nach Deutschland bringen.

Bundestagsmandat für Evakuierungseinsatz wird vorbereitet

Ein Evakuierungseinsatz der Bundeswehr ist nur mit einem Bundestagsmandat möglich, das nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios derzeit vorbereitet wird. Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann erklärte derweil, dass ein solcher Evakuierungseinsatz auch ohne neues Mandat möglich sei. So beinhalte das aktuelle Mandat für die “Mission Resolute Support” auch “die Sicherung, den Schutz, die Evakuierung und Bergung militärischer und ziviler Kräfte sowie Evakuierung diplomatischer und konsularischer Vertretungen”.

Der Bundestag hatte im Frühjahr dieses Mandat bis Ende Januar 2022 verlängert.

 

dpa/ AFP/Reuters(Presse.Online, Foto: Systembild für: Islamisten (C) IStock