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Der hohe Benzinpreis ist nicht die grösste Sorge

Veröffentlicht von Presse

Inflation und Krieg in Europa: Preisnachlass für drei Monate- was dann?

Berlin. Kraftstoff in Deutschland wird immer billiger. Aber das zerstreut nicht die Sorgen der Menschen über die Inflation und das Weltgeschehen. Bericht über “ennet der Grenze”.

Ein Auto nach dem anderen reiht sich an einer Tankstelle im deutschen Jöningen, nur wenige Meter von der Schweizer Grenze entfernt. Bis vor kurzem waren die Benzinpreise auf beiden Seiten der Grenze ähnlich. Sobald ihm der Altbestand ausgeht, könne er den Preis um 15 Cent senken, sagt Familienunternehmer Peter Dietrich – und steckt die Hände in die Taschen seines blauen Overalls.

Preisnachlass für drei Monate

Ab dem 1. Juni hat die Bundesregierung die Mineralölsteuer auf das von der EU erlaubte Mindestniveau gesenkt – für einen Zeitraum von drei Monaten. Dadurch können die Kosten pro Liter Kraftstoff um durchschnittlich etwa 20 Cent gesenkt werden. In Deutschland wird nun genau beobachtet, ob Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber Preisnachlässe tatsächlich an die Autofahrer weitergeben.

Deshalb erwartet Dietrich mehr Umsatz – wegen der Kunden der Panzer aus der Schweiz. „Allerdings dürften Tankstellen auf deutscher Seite der Grenze zeitweise überlastet sein“, sagte Dietrich.

Tankstellen am Bahnhof

Genau in den ohnehin schon umsatzstarken drei Ferienmonaten kommen wegen des günstigeren Treibstoffs Schweizer Kunden hinzu. Herkulesaufgabe für das Familienunternehmen jenseits der Grenze.

Sechs Stunden müssen die Tankwagen nun vor der Beladung in der Raffinerie warten, sagte Dietrich. Und irgendwann waren die 60 Kubikfuß Kraftstoff an seiner Tankstelle einfach aufgebraucht.

Im Herbst wird Benzin wieder teurer

Aber es gibt immer noch genug Treibstoff für alle. An der dritten Säule hatte gerade eine Frau ihren Kleinwagen für genau 20 Euro betankt. Ihr Blick wandert zu der Menge an Treibstoff, die sie dafür bekommen hat: “Es ist verheerend.”

Aber sie brauchte unbedingt Gas, sonst müsste sie noch ein paar Tage warten, bis die Reduzierung greift. Sie bezeichnete die Kürzungsgrenze von drei Monaten als “lächerlich”. Denn im Herbst wäre die Preislage so schlecht wie jetzt.

Die Politik muss Spekulationen mit Energie oder Nahrungsmitteln endlich eindämmen oder stoppen.

Dieser Meinung sind viele Autofahrer im Grenzgebiet. Ob an der Tankstelle in Konstanz, Kreuzlingen oder Tegerville: Die Maßnahme der Bundesregierung findet kein Lob.

Kritisiert wird vor allem, dass Mineralölkonzerne und Raffinerien seit Ende Februar mehr pro Liter Sprit verdienen als zuvor. Und Tankstellenbetreiber Dietrich aus Jonningen bezeichnete die auf drei Monate befristete kurzfristige Steuersenkung als “Tropfen auf den heißen Stein”.

Die Politik müsse langfristig etwas ändern, nämlich die Börse, sagte er: “Spekulationen auf Energie oder Lebensmittel müssen endlich von der Politik eingedämmt oder verhindert werden.”

Hohe Benzinpreise sind nicht das größte Problem

Und Sie sind mitten in einem Gespräch über Geopolitik, Ölmultis oder Inflation. Ein Mann in einem Familienbus zeigt Einkäufe auf dem Rücksitz an. Er klagt über den um 50 Prozent auf 30 Cent gestiegenen Preis für ein Kilogramm Salz. „Solche Preiserhöhungen schaden weit mehr als fünf Cent gegenüber dem Dieselpreis“, sagte er.

Der Spritpreis scheint den Leuten nicht gleichgültig zu sein, aber viele überschreiten die Grenze, wenn der Liter hier und da etwas billiger ist. Aber große politische und wirtschaftliche Probleme bereiten den Menschen Kopfzerbrechen.

 

Reuters, Foto: Systembild (C) IStock