Armut führt zu digitaler Ausgrenzung

Armut führt zu digitaler Ausgrenzung

Veröffentlicht von PSM.Media

Digitale Armut – Offline wider Willen

Nach einer aktuellen Expertise der Paritätischen Forschungsstelle ist das Risiko, digital abgehängt zu werden, für arme Menschen besonders groß.

Berlin. Es gibt eine wachsende Anerkennung dafür, dass Armut und digitale Ausgrenzung miteinander verbunden sind. Menschen, die in Armut leben, haben oft keinen oder nur begrenzten Zugang zu Technologie und Internet, was dazu führt, dass sie von den Vorteilen, die die Digitalisierung bietet, ausgeschlossen sind.

Digitale Ausgrenzung kann viele Formen annehmen. Einige Beispiele sind:

  • Mangelnder Zugang zu Computern, Smartphones und Internetverbindungen
  • Einschränkungen beim Zugang zu Online-Diensten, z.B. aufgrund von fehlenden digitalen Fähigkeiten oder Sprachbarrieren
  • Fehlende finanzielle Mittel, um digitale Geräte oder Online-Dienste zu bezahlen

Diese Barrieren können zu einem Teufelskreis führen, in dem Menschen in Armut noch stärker benachteiligt werden, weil sie keinen Zugang zu Bildung, Arbeitsmöglichkeiten oder sozialen Diensten haben, die zunehmend online angeboten werden.

Um diese Probleme anzugehen, müssen wir Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass jeder Mensch Zugang zu digitalen Geräten und Diensten hat. Dazu gehören beispielsweise die Förderung von digitalen Fähigkeiten und die Unterstützung von Gemeinden und Organisationen, die Zugang zu Technologie und Internetverbindungen bereitstellen. Nur so können wir sicherstellen, dass alle Menschen von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren und niemand aufgrund von Armut digital ausgegrenzt wird.

Neue Studie: Armut führt zu digitaler Ausgrenzung

Nach einer aktuellen Expertise der Paritätischen Forschungsstelle ist das Risiko, digital abgehängt zu werden, für arme Menschen besonders groß. Armen Menschen fehlt es im Vergleich zu nicht von Armut Betroffenen doppelt so oft an den nötigen technischen Geräten und Voraussetzungen zur digitalen Teilhabe, zudem haben sie viel seltener Gelegenheit zum Auf- und Ausbau digitaler Kompetenzen über den Beruf. Der Paritätische Gesamtverband warnt vor einer wachsenden digitalen Kluft und fordert umfassende Maßnahmen zur Sicherung digitaler Teilhabe für alle.

Die Studie zeigt: Rund ein Drittel der Deutschen sorgt sich, angesichts der rasanten technischen Entwicklung nicht mithalten zu können. Das Risiko, tatsächlich abgehängt zu werden, ist jedoch für Armutsbetroffene ungleich höher: Jede*r Fünfte Armutsbetroffene in Deutschland verfügt nicht einmal über einen eigenen Internetanschluss. “Digitale Teilhabe ist inzwischen eine wesentliche Voraussetzung für umfassende soziale, kulturelle und politische Teilhabe. Internetzugang und Computer sind daher kein Luxus, sondern gehören ohne Frage zum Existenzminimum”, betont Gwendolyn Stilling, Leiterin des Projekts #GleichImNetz zur digitalen Teilhabe im Paritätischen Gesamtverband, und warnt: “Arme Menschen drohen auch im digitalen Raum knallhart abgehängt und ausgegrenzt zu werden.”

Ein weiterer Befund der Studie: Es fehlt häufig nicht nur an eigener Technik, sondern auch an digitaler Praxis. Während viele Erwerbstätige Gelegenheit haben, über ihren Beruf digitale Kompetenzen auf- und auszubauen, spielen digitale Arbeitsmittel bei von Armut betroffenen Erwerbstätigen kaum eine Rolle. Zwei Drittel der Armutsbetroffenen gaben an, beruflich nie Laptop, Smartphone oder Tablet zu nutzen, über die Hälfte hat auch sonst beruflich nie mit digitalen Anwendungen oder Programmen zu tun. “Teilhabe im Privaten, aber auch berufliche Perspektiven hängen immer mehr von digitalen Kompetenzen ab”, betont Greta Schabram von der Paritätischen Forschungsstelle. “Damit hier niemand den Anschluss verpasst und alle mitgenommen werden, braucht es dringend entsprechende Qualifizierungsangebote sowie Bildungs- und Experimentierräume auch außerhalb des Berufs.”

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert neben dem Ausbau nötiger Infrastruktur eine Anhebung der Regelsätze in der Grundsicherung auf ein bedarfsgerechtes, armutsfestes Niveau, das auch laufende Verbrauchsausgaben zur Sicherstellung digitaler Teilhabe angemessen berücksichtigt. Die Kosten für die Anschaffung notwendiger technischer Ausstattung sollen dabei als einmalige Leistungen gesondert übernommen werden. Soziale Träger als wichtige Anlaufstellen für vulnerable Gruppen können zudem bei entsprechender Unterstützung einen unverzichtbaren Beitrag zur digitalen Teilhabe leisten, indem sie Zugänge ermöglichen und Befähigung fördern, betont der Verband.

Die Kurzexpertise “Armut und digitale Teilhabe” basiert auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und ist unter www.paritaet.org abzurufen.

 

Paritätischer Wohlfahrtsverband/PSM.Media- Nachrichtenagentur, Foto: Systembild © Fotoshooting.vip

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