Ägypten wird Verletzte aus Gazastreifen aufnehmen

Ägypten wird Verletzte aus Gazastreifen aufnehmen

Veröffentlicht von PSM.Media

Ägypten bietet medizinische Hilfe für Verletzte im Gazastreifen an, während israelische Bombardierungen anhalten

El Arisch. Aufgrund der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen plant Ägypten, ab Mittwoch Verwundete aus dem palästinensischen Gebiet aufzunehmen. Ein Vertreter der Gesundheitsbehörden in der ägyptischen Stadt El Arisch erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass medizinische Teams am Grenzübergang ab morgen einsatzbereit sein werden. Die Grenzbehörde im von der radikalislamischen Hamas regierten Gazastreifen bestätigte, dass Ägypten seine Bereitschaft zur Aufnahme von 81 schwer Verletzten erklärt hat.

Diese sollen den Angaben zufolge über den Grenzübergang Rafah – den einzigen nicht von Israel kontrollierten Grenzübergang des Gazastreifens – von dem Palästinensergebiet aus nach Ägypten gebracht werden. Ein AFP-Fotograf sah am Dienstag zahlreiche Krankenwagen auf der ägyptischen Seite des Grenzübergangs bereitstehen.

Nach Angaben des ägyptischen Behördenvertreters soll rund 15 Kilometer von Rafah entfernt in der Stadt Scheich Suweid im Norden der Sinai-Halbinsel ein 1.300 Quadratmeter großes Feldlazarett errichtet werden, um Verletzte aus dem Gazastreifen zu behandeln.

Die US-Regierung äußerte die Hoffnung, dass auch US-Staatsbürger den Gazastreifen verlassen können. „Wir hoffen, dass jede Vereinbarung, Menschen herauszubekommen, auch die Möglichkeit schaffen würde, dass US-Bürger oder ihre Familien und andere Ausländer herauskommen“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller, in Washington.

Israels nationaler Sicherheitsberater Tsachi Hanegbi sagte unterdessen vor Journalisten, dass sein Land mit Ägypten über im Gazastreifen verletzte Menschen im Austausch stehe. Er betonte aber, es gebe immer noch Meinungsverschiedenheiten über Hilfslieferungen für den Gazastreifen. Ägypten will mehr Lastwagen mit Hilfsgütern in den Gazastreifen schicken. Israel erklärt hingegen, es habe nur begrenzte Kapazitäten für eine Kontrolle der Lkw.

Im Gazastreifen sind am Dienstag insgesamt 59 Lastwagen mit dringend benötigten Hilfsgütern eingetroffen. Der Konvoi habe vier Lastwagen umfasst, die vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gestellt wurden, teilte der Palästinensische Rote Halbmond am Dienstagabend mit. Der Rest sei vom Ägyptischen Roten Halbmond geliefert worden, der für die Lieferung von Hilfsgütern von verschiedenen ägyptischen Organisationen und aus anderen Ländern verantwortlich ist.

Mit diesem Konvoi, der Lebensmittel, Wasser und medizinische Hilfsgüter transportierte, sind den Angaben zufolge seit Beginn des Gaza-Krieges etwas mehr als 200 Lastwagen in dem abgeriegelten Küstengebiet eingetroffen. Laut UNO werden täglich 100 Lastwagenladungen benötigt, um die 2,2 Millionen Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Vor Kriegsbeginn kamen nach Angaben des UNO-Nothilfebüros OCHA im Durchschnitt unter der Woche täglich 500 Lkw in den Gazastreifen.

Die Entscheidung für die Aufnahme von Verletzten aus dem Gazastreifen fiel Stunden nach einem israelischen Angriff auf das Flüchtlingslager Jabalija im Norden des Gazastreifens, bei dem nach Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums mindestens 50 Menschen getötet und 150 weitere verletzt wurden.

Das ägyptische Außenministerium verurteilte den Beschuss „auf das Schärfste“ und warnte vor den „Folgen einer Fortsetzung dieser willkürlichen Angriffe, die wehrlose Zivilisten treffen“. Die israelische Armee sprach von einem Angriff gegen „Terroristen und Terrorinfrastruktur“ der Hamas, bei dem deren führender Vertreter Ibrahim Biari und zahlreiche weitere Kämpfer getötet worden seien.

Bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär sind im Westjordanland am Dienstag palästinensischen Angaben zufolge zwei Menschen getötet worden. Einem 70-Jährigen sei bei einem Armeeeinsatz in dem Ort Tubas nördlich von Nablus ins Gesicht geschossen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Ramallah mit. Sechs weitere Menschen seien bei der Razzia verletzt worden, eine Person davon lebensgefährlich. Ein 16 Jahre alter Jugendlicher soll den Angaben zufolge bei Konfrontationen mit Soldaten in der Stadt Beit Ummar nördlich von Hebron getötet worden sein. Die Armee sagte, sie prüfe die Berichte.

Die ohnehin schon angespannte Lage im israelisch besetzten Westjordanland hat sich seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas am 7. Oktober noch einmal erheblich verschärft. Israels Militär hat seitdem dort nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Terrorverdächtige festgenommen, darunter viele Hamas-Mitglieder. In den gut drei Wochen seit dem brutalen Terrorangriff der Islamistenorganisation auf Israel starben im Westjordanland bei Auseinandersetzungen mit der Armee und radikalen jüdischen Siedlern mindestens 123 Palästinenser.

Die Hamas hatte am 7. Oktober bei einem beispiellosen Großangriff auf Israel nach israelischen Angaben mindestens 1.400 Menschen getötet und mindestens 240 Menschen in den Gazastreifen verschleppt. Als Reaktion auf den Hamas-Angriff hat Israel den Gazastreifen unter Dauerbeschuss genommen. Durch die israelischen Bombardierungen wurden nach nicht unabhängig überprüfbaren Angaben der Hamas seit dem 7. Oktober mehr als 8.500 Palästinenser getötet, darunter mehr als 3.500 Kinder.

 

APA/PSM, Foto: Systembild: Verletzte im Gazastreifen © IStock