Geiselnahme am Hamburger Flughafen führte zur Sperrung

Geiselnahme am Hamburger Flughafen führte zur Sperrung

Veröffentlicht von PSM.Media

Hamburger Airport weiter gesperrt: Bewaffneter hat Kind als Geisel

Hamburg. Am Samstagabend drang ein bewaffneter Autofahrer in das Gelände des Hamburger Flughafens ein. Laut Polizeiangaben nahm er seine vierjährige Tochter als Geisel. Der Flugbetrieb am Flughafen bleibt vorerst ausgesetzt.(Stand: 05.11.2023 08:00 Uhr)

Ein bewaffneter Mann durchbrach gegen 20 Uhr mit seinem Fahrzeug ein Tor und fuhr auf das Vorfeld des Flughafens, wie Thomas Gerbert, Sprecher der Bundespolizei, mitteilte. Nachdem er das Gelände betreten hatte, löste er zwei Schüsse in die Luft aus. Auf Fotos des Flughafens, die am Abend veröffentlicht wurden, war eine beschädigte Schranke zu sehen, durch die der Mann offenbar gerast war. Zuvor hatte die Ehefrau des Mannes sich bei der Landespolizei wegen möglicher Kindesentziehung gemeldet, wie der Sprecher erklärte. Polizeisprecherin Sandra Levgrün sagte, dass der Mann offenbar dazu bereit war, das Kind der Polizei zu übergeben. Bis 5.45 Uhr morgens war dies jedoch noch nicht geschehen.

Sorgerechtsstreit offenbar Hintergrund der Tat

Die Polizei vermutet, dass ein Sorgerechtsstreit der Auslöser für die Geiselnahme ist. Nach den bisherigen Informationen befand sich das Mädchen, das der 35 Jahre alte Mann in seiner Gewalt hat, offenbar am Samstag bei seiner Mutter in Stade. Es wird angenommen, dass der Vater des Kindes das Mädchen möglicherweise gewaltsam aus der Obhut der Mutter genommen und gegen ihren Willen in sein Auto gesetzt hat. Anschließend fuhr er mit dem Kind nach Hamburg und gelangte auf das Rollfeld des Flughafens, wie eine Sprecherin der Polizei mitteilte.

 

 

Der Flugbetrieb am Flughafen bleibt auf unbestimmte Zeit eingestellt, wie die Hamburger Polizei um 5.45 Uhr am Sonntag auf X (ehemals Twitter) mitteilte. Fluggäste werden gebeten, vorerst nicht zum Flughafen zu kommen, da das Gelände weiträumig abgeriegelt ist. Der Flughafen ist derzeit nicht zugänglich, und die S-Bahn verkehrt nicht dorthin. Reisende werden darauf hingewiesen, ihren Flugstatus auf der Website des Hamburger Flughafens im Auge zu behalten und sich bei Bedarf an ihre Fluggesellschaft zu wenden. Bereits für den Sonntag geplante Flüge wurden gestrichen, und es wird erwartet, dass es den ganzen Tag über zu Flugstreichungen und Verzögerungen kommen kann. Am Samstagabend wurden sechs Abflüge und vier Ankünfte abgesagt, und 17 ankommende Flüge wurden zu anderen Flughäfen umgeleitet. Insgesamt waren etwa 3.200 Passagiere von diesen Maßnahmen betroffen. Ursprünglich waren für den Sonntag insgesamt 286 Flüge mit etwa 34.500 Passagieren geplant.

Am Flughafen sind sowohl Landes- als auch Bundespolizeikräfte präsent, darunter auch ein Spezialeinsatzkommando und Polizeipsychologen, wie Polizeisprecher Gerbert berichtete. Diese Einheiten befinden sich in unmittelbarer Nähe des Fahrzeugs, in dem sich der Mann und das Kind befinden. Unter den Einsatzkräften ist auch die Beweis- und Festnahmeeinheit der Bundespolizei, die über eine besonders robuste Ausstattung verfügt, so Gerbert.

Polizei verhandelt mit dem Geiselnehmer

Die Polizei führt Gespräche mit dem bewaffneten Mann, der als Geiselnehmer agiert. Nach eigenen Angaben der Polizei haben sie Kontakt zu dem bewaffneten Mann aufgenommen. Eine Sprecherin der Polizei, Levgrün, gab bekannt: “Wir haben Kriminalpsychologen im Einsatz und sind derzeit im Gespräch mit dem Täter. Unsere Strategie zielt auf eine Verhandlungslösung ab.” Sie betonte, dass der Mann kooperativ ist und bereits seit geraumer Zeit mit den Einsatzkräften in Verbindung steht. “Er möchte mit uns sprechen, und wir bewerten dies als äußerst positiv.” Die Verhandlungen finden in türkischer Sprache statt. Der Verdacht, dass sich ein zweites Kind in der Gewalt des Mannes befindet, hat sich nicht bestätigt.

Mann wirft “eine Art Molotowcocktails”

Der Mann warf zwei brennende Flaschen aus seinem Fahrzeug, die als eine Art von Molotowcocktails beschrieben wurden. Zum Glück entstand dabei kein Schaden, da die Flughafenfeuerwehr die Flaschen erfolgreich gelöscht hat.

Flughafen geräumt, Flugzeuge evakuiert

Infolgedessen wurde das Flugzeug auf dem Vorfeld, unter dem der Mann sein Auto abgestellt hatte, evakuiert. Später wurde der gesamte Flughafen geräumt und großflächig abgesperrt, einschließlich der Evakuierung der Flugzeuge, die sich auf dem Rollfeld befanden. Es gibt nach den vorliegenden Informationen keine Verletzten, und die Polizei sieht keine akute Gefährdung für unbeteiligte Personen. Die Passagiere aus den evakuierten Flugzeugen wurden in ein nahegelegenes Hotel gebracht.

 

PSM.Media-Nachrichtenagentur mit Polizei Hamburg, Foto: Systembild: Flughafen Hamburg © IStock