Mehr als 100 Tote nach Gewalt gegen Protestbewegung im Sudan

Veröffentlicht von PR

Opposition schlägt Gesprächsangebot der Militärregierung aus

Khartum– Nach dem gewaltsamen Vorgehen gegen die Protestbewegung im Sudan ist die Zahl der Toten nach Angaben von Ärzten auf mehr als hundert gestiegen. Unter den inzwischen 108 Toten seien 40 Leichen, die im Nil entdeckt worden seien, erklärte das oppositionsnahe Zentralkomitee sudanesischer Ärzte am Mittwoch. Mehr als 500 Menschen wurden demnach verletzt.

Der herrschende Militärrat hatte am Montag in der Hauptstadt Khartum gewaltsam Blockaden von tausenden Demonstranten rund um das Armee-Hauptquartier gewaltsam räumen lassen. Die Demonstranten hatten dort seit rund zwei Monaten eine zivile Regierung für das nordostafrikanische Land gefordert.

Nach der blutigen Beendigung der Demonstrationen hatten sowohl der regierende Militärrat als auch die Opposition die Gespräche über eine Übergangsregierung abgebrochen. Ein neuerliches Gesprächsangebot des Chefs des Militärrats, General Abdel Fattah al-Burhan, lehnte die Protestbewegung am Mittwoch ab.

„Das sudanesische Volk ist nicht offen für Gespräche mit diesem Übergangsmilitärrat, der Menschen tötet“, sagte ein Sprecher des Berufsverbands SPA, der die Proteste im Sudan anführt, der Nachrichtenagentur AFP. Vor jeglichen Gesprächen über den politischen Prozess in dem Land müsse es „Gerechtigkeit“ geben und „Verantwortung“ übernommen werden.

Der Militärrat hatte nach dem Sturz des langjährigen Staatschefs Omar al-Baschir infolge von monatelangen Massenprotesten im April die Führung übernommen. Mit diesem einigte sich die Protestbewegung Mitte Mai grundsätzlich darauf, dass ein gemeinsamer Übergangsrat die Geschicke des Landes in den kommenden drei Jahren lenken soll. Seither herrschte aber Streit darüber, welche Seite dieses Gremium führen soll.

Angesichts der angespannten Lage in dem Krisenstaat entschieden die Vereinten Nationen, einen Teil seiner Mitarbeiter aus Khartum abzuziehen. Großbritannien berief „nicht notwendige“ Mitarbeiter aus seiner Botschaft in Khartum ab.

 

Quelle: AFP, 06.06.2019, Foto: Straßenblockade in Khartum/ Protestbewegung im Sudan, Quelle: AFP

Auf Deinen Kommentar freuen wir uns!

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.